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Serge Poliakoff (1900 - 1969)

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Serge Poliakoff
„Composition 1966“
Öl auf Leinwand ; 1966
27 x 35 cm
Signiert mit dem Monogramm
Rückseitig nochmals signiert und datiert
Provenienz: Galleria Lorenzelli, Bergamo; Galleria Haussmann, Cortina d’Ampezzo; Privatsammlung Italien.
Aufgenommen in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis der Ölbilder von Alexis Poliakoff

Sein erstes abstrakt gemaltes Gemälde stellt Serge Poliakoff im Jahre 1938 in der Galerie Le Niveau in Paris aus. In den folgenden Jahren setzt sich in seinen Werken die Abstraktion immer mehr durch, bis Poliakoff sich vollends von der gegenständlichen Malerei abwendet. Ende der vierziger Jahre hat Poliakoff endgültig seinen charakteristischen und unverwechselbaren Stil gefunden: die ineinander greifenden, oft stark farbigen puzzleartigen Bausteine, die sich zu einem bunten Farb- und Formengebilde zusammenfügen. Mitte der sechziger Jahren malt Poliakoff eine Reihe kleinerer Formate, die einen besonderen Reiz auf den Betrachter ausüben. Ein Beispiel aus dieser späten Phase seines Œuvres ist unser querformatiges Ölgemälde „Composition 1966“. Wie alle Bilder Poliakoffs entsteht auch dieses Bild ohne strengen Vorentwurf. Locker setzt der Künstler ein Gerüst von Grund-linien, die von den Winkeln und Rändern der Leinwand ausgehen, und lässt sich dann beim Malen von seiner Intuition leiten. Die unregelmäßigen Formstücke, die im Mittelpunkt der Komposition sorgsam ineinander verschränkt sind, setzt der Künstler als ein stabilisierendes Element ein, die dem Bild einen Schwerpunkt geben. Zum Rand hin verschiebt sich die Gewichtung der weich-geometrischen Formen behutsam, sodass ein Gleichgewicht im Asymmetrischen erzielt wird. In gedämpften Blau-, Weiß-, Gelb-, Braun- und Rottönen gruppieren sich eng aneinander gedrängte farbige Formen in dem Gemälde zur Bildmitte hin. Das leuchtende Rot, Braun und Gelb kontrastiert mit den gedeckten Weiß- und Blautönen. Durch die Überlagerung der diversen Farbschichten und Mischungen entstehen verschiedenartige Farbnuancen, die das Bild erstrahlen lassen. Zum Auftragen der Farben stellt Poliakoff die Leinwand stets im Hochformat auf und dreht später oft seine Gemälde um. Seine Farben stellt Poliakoff selbst zusammen, wie sein Sohn Alexis berichtet: „In seinem Atelier hatte er wohl einige Farbtuben, doch waren diese für die Besucher gedacht. Denn er kaufte reine Pigmente in Pulverform und bewahrte sie in Glasgefäßen – alten Gurken- oder Marmeladegläsern – auf. Davon hatte er einige, doch war seine Farbpalette recht begrenzt: zwei Grün, zwei Blau, zwei Rot, ein Gelb, Weiß und Schwarz. Mit diesen Grundfarben wurden alle Farbnuancen seiner Gemälde durch übereinander liegende Schichten oder Mischungen geschaffen. […] Die angeriebenen Pigmente kamen in unterschiedliche Töpfe, die er direkt benutzte, um zu malen, indem er sie mit Wasser und Öl vermengte und die Menge je nach gewünschter Dicke dosierte und sie mit verschiedenen Essenzen verdünnte, von denen jede einen anderen Farb-“Klang“ bewirkte. Er verwendete also keine Palette, sondern bediente sich direkt seiner zubereitenden Farben und mischte auf einer Glasplatte. […] Er hatte Pinsel, vor allem Quasten in Größen von zwei bis drei Zentimetern.“1) Gerne mischt Poliakoff auch ein paar Körner Sand in seine Farben, wenn er wie hier eine granulöse Oberfläche erwirken möchte.

In diesem Werk wird deutlich, dass es Poliakoffs Fähigkeit ist, Flächen so anzuordnen, dass ein harmonisches Gleichgewicht entsteht und die malerische Textur in den Vordergrund tritt. Er zeichnet sich als Meister der Farbabstraktion aus, der es wunderbar versteht, die innere Leuchtkraft und die Dichte des Bildes zu zeigen.

Anm.:

1) Alexis Poliakoff, „Zur Malpraxis von Poliakoff“, in: „Poliakoff – Eine Retrospektive – Arbeiten aus den Jahren 1931 bis 1969“, Museum Würth (Hg.), Künzelsau 1997, S. 61 ff.



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