Emil Nolde
"Marschlandschaft mit Bauernhof"
Aquarell auf Japan ; um 1935
33,5 x 47 cm
Signiert
Provenienz: Privatsammlung Rheinland; Privatsammlung Berlin
Expertise: Dr. Manfred Reuther, Stiftung Ada und Emil Nolde, Seebüll
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Im Œuvre Emil Noldes sind die Regionen des Nordens an der Nordsee, der flachen, weiten Marschlandschaft, ein immer wiederkehrendes Motiv. Schon von jungen Jahren an beeinflussen die Natur und die Reize seiner Heimat den Maler in seinem künstlerischen Schaffen. Nach langem Suchen erwirbt Nolde südlich der Grenze zu Dänemark eine Warft mit Bauernhof, auf der er sich nach seinen Entwürfen von 1927 bis 1937 aus Klinker sein Wohn- und Atelierhaus Seebüll errichten lässt. In Seebüll entstehen einige seiner schönsten, großformatigen Aquarelle, zu denen auch unser Blatt „Marschlandschaft mit Bauernhof“ gehört.
In den Dämmerstunden, nahe dem Meer fängt der Künstler die Stimmung des nordischen Landstriches ein. Eingebettet in die weite Landschaft liegt am Horizont ein Gehöft, davor breiten sich die Felder aus. Der helle Tageshimmel wird zurückgedrängt und macht der kommenden Abendröte Platz. Die Wolken am hohen Himmel spielen eine wichtige Rolle in Noldes Bildern, denn die Vielfalt der ständig wechselnden Formen erregt die Aufmerksamkeit des Malers. Der Komplementärkontrast der violetten und gelben Wolken verstärkt die Leuchtkraft des Bildes. Den Bildaufbau bestimmt hauptsächlich die Farbe. Nolde, als Meister des Aquarells, lässt die Farben ineinander verschwimmen und zum wichtigsten Ausdruckträger werden. „Gelb kann Glück malen und auch Schmerz. Es gibt Feuerrot, Blutrot und Rosenrot. Es gibt Silberblau, Himmelblau und Gewitterblau. Jede Farbe trägt in sich ihre Seele, mich beglückend oder abstoßend oder anregend.“1) Die Virtuosität der Farbe ist Noldes Medium. Die Realistik der perspektivischen Raumordnung wird durch die Farben zurückgedrängt. Die Farbe kann sich teppichhaft auf einer vibrierenden Fläche ausbreiten. Nolde malt sein Bild in der Naß-in-Naß-Technik, welche die Spontaneität und Unmittelbarkeit Noldes unterstreicht. Seine Aquarelle entstehen ohne Vorzeichnung. Als Untergrund wählt Nolde saugfähiges Japanpapier, welches vor dem Farbauftrag angefeuchtet wird. Mit vollgetränktem Pinsel, aus Bewegungen, aus Unregelmäßigkeiten und kontrolliertem Zufall komponiert er seine Aquarelle. Nach dem Trocknen übermalt er sein Werk mehrere Male in einem leichten und zugleich dichten Auftrag, welcher die gegenständlichen Details hervorhebt. „Der Maler braucht nicht viel zu wissen, schön ist es, wenn er unter instinktiver Führung so zielsicher malen kann, wie er atmet, wie er geht.“2)
Bei Nolde ist die Farbe nicht nur Träger seelischer Empfindun-gen, sie bekommt eine Rolle als formbildende, gestaltende Kraft. Nolde nennt die erstrebte Kommunikation „die ganze Naturverbundenheit: Maler, Wirklichkeit und Bild“3).
Anm.: 1) Martin Urban, „Emil Nolde - Landschaften“, Köln 1980, S. 16.
2) „Emil Nolde – Aquarelle und Graphik“, Ausst.-Kat., Leipzig 1995, S. 15.
3) Urban, S. 16.
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