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Max Liebermann (1847 - 1935)

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Max Liebermann
"Gartenlokal an der Havel" Öl auf Leinwand ; 1921
26 x 39,5 cm
Signiert
Provenienz: Galerie Bollag, Zürich (1939); Dir. Heinze, Niederlenz, erworben am 25.3.1939 bei der Galerie Bollag; Privatsammlung Schweiz
Ausstellung: „Gemälde und Handzeichnungen – Maler des 19. Jahrhunderts“, Galerie Bollag, Zürich 1939, Katalog Nr. 61
Expertise: Professor Dr. Matthias Eberle, Berlin
Nach diesem Gemälde ist eine Radierung „Kaffeegarten“ entstanden, die im Werkverzeichnis der Graphik von Gustav Schiefler unter der Nr. 358 aufgeführt ist.
Werkverzeichnis Eberle Nr. 1921/37 a

Max Liebermann ist der bedeutendste Vertreter des „Deutschen Impressionismus“ und eine einflussreiche Künstlerpersönlichkeit am Beginn des 20. Jahrhunderts. Auf der Suche nach einer grundlegenden Erneuerung der Kunst gelangt er über einen fast derben Realismus zur Freilichtmalerei und zu einer impressionistischen Arbeitsweise. Diese muss sich Liebermann selbst erschließen. „Denn“, so gesteht er 1920 rückblickend, „der Künstler versteht nur das Kunstwerk, das er liebt, und er liebt nur das, was er versteht. Dieser Konflikt wirkt besonders schwer Werken gegenüber, deren Technik - wenn Technik die Kunst in der Kunst bedeutet - der seinigen nicht nur diametral entgegengesetzt erscheint, sondern die seinige zu vernichten gewillt ist, in deren Wesen sich aber trotzdem ernstes, künstlerisches Streben dokumentiert.“1) Erst etwa 1900 beschäftigt sich Liebermann direkt mit der impressionistischen Malerei, als die von ihm mitgegründete Berliner Secession diese auszustellen beginnt. Dabei übernimmt er die neue Sichtweise nicht unreflektiert, sondern bringt sie in Einklang mit seiner eigenen künstlerischen Entwicklung und erarbeitet sich eine im besonderen Maße von realistischen Elementen bestimmte Variante. So gibt er im Gegensatz zu den Franzosen den flüchtigen visuellen Natureindruck nicht mittels winziger Pinselstriche wieder und löst die Modellierung von Figuren und Gegenständen, die räumliche Staffelung und perspektivischen Verkürzungen nicht in flimmernden Flächen-erscheinungen auf.

Einhergehend mit der malerischen Entwicklung wendet sich Liebermann in seinen Straßen- und Parkansichten oder Café- und Biergartenszenen den Themen der Impressionisten zu - das pulsierende, moderne Leben in der Großstadt und die Vergnügungen des Bürgertums. Schon während seiner Münchner Zeit behandelt er das zuletzt genannte Thema, allerdings noch ganz den konkreten Zügen des Naturalismus verhaftet, wie beispielsweise im „Münchner Biergarten“ von 1884. In dem hier abgebildeten Gemälde ist nichts mehr von der realistischen Schärfe und den klaren Linien der frühen Schaffensjahre erkennbar. Mit flotter Gestik „stenographiert“ Liebermann das Gesehene und Erlebte: Unter den dichten Baumkronen an der Havel sitzen die Gäste des Lokals in geselligem Beisammensein und genießen den schönen Tag. Im Vordergrund links erscheinen schemenhaft ein Paar und zwei Kinder sowie rechts ein herbeieilender Kellner; zum Bildhintergrund hin verlieren sich dann die einzelnen Besucher in der unstrukturierten Menschenmenge. Ausgewogen ist die Komposition aufgebaut, keine besonderen Akzente sind gesetzt. Die Lebendigkeit dieser Szenerie wird allein durch die kräftigen hellen und dunklen Pinselstriche und -tupfen suggeriert, wobei das Licht als Gestaltungsmittel mitklingt und dem Bild seine heitere, sommerliche Stimmung gibt. Liebermann fasst es jedoch nicht als Raumlicht auf. Helligkeit gewinnt er aus dem Kolorit selbst und durch den hervorscheinenden Malgrund.

In zahlreichen Ölstudien und Gemälden hat sich Liebermann dem Motiv des Gartenlokals gewidmet. Trotz des skizzenhaften Charakters und des kleinen Formats nimmt unsere Arbeit durch die die gesamte Bildfläche ausfüllende Komposition eine Mittelstellung ein. Eine detailgetreue und seitenrichtige Version führt der Künstler 1922 in der Radierung „Kaffeegarten“ aus.2)

Anm.:
1) Max Liebermann, „Rede zur Eröffnung der Ausstellung der Akademie der Künste Berlin“, Herbst 1920, in: „Max Liebermann. Die Phantasie in der Malerei. Schriften und Reden“, Günter Busch (Hg.), Berlin 1983, S. 193.
2) Vgl. Gustav Schiefler, „Max Liebermann - Sein graphisches Werk“, Berlin 1923, Nr. 358.



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