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Willi Baumeister
(1889 - 1955)
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Willi Baumeister
"Nocturne auf Blau"
Öl mit Kunstharz auf Karton/Hartfaserplatte ; 1953
23,8 x 34,6 cm
Signiert. Rückseitig nochmals signiert, datiert und mit der Widmung “Mrs. Captain Brand März 1953 zur Erinnerung an Stuttgart“ versehen
Provenienz: Privatsammlung Chicago
Expertise: Felicitas Baumeister, Archiv Baumeister, Stuttgart
Aufgenommen in den Nachtrag des Werkverzeichnisses der Gemälde von Peter Beye und Felicitas Baumeister
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Ein wichtiger Faktor für die Weiterentwicklung in der abstrakten Kunst in der Nachkriegszeit ist die neue künstlerische Freiheit und die Aufbruchstimmung unter den Kunstschaffenden in Westdeutschland, Europa und den USA, die Vorhergegangenes überprüfen und völlig neu interpretieren. Einer der deutschen Protagonisten dieser neuen Bewegung ist Willi Baumeister, der bereits seit seiner Bauhauszeit eine abstrakte Formensprache entwickelt hat, die er nun konsequent weiterführt. Sein Schaffen erfreut sich in der Nachkriegszeit auch international einer großen Anerkennung.
1950 findet die erste Ausstellung der Gruppe ZEN 49 statt, die Baumeister gemeinsam mit Fritz Winter und anderen wichtigen Zeitgenossen ein Jahr zuvor gegründet hat. Trotz der starken Beanspruchung als Professor an der Kunstakademie Stuttgart und als einer der Wortführer der abstrakten Künstler in der durchaus kontrovers geführten öffentlichen Diskussion, gelingt Baumseister in seinen letzten Lebensjahren ein äußerst produktives, kraftvolles und bedeutendes Spätwerk.
Unser Querformat „Nocturne auf Blau“ wird von einem leuchtenden Blauton dominiert, der sich nahezu über die ganze Fläche erstreckt. Schwarze Striche, Schnörkel und Kringel tanzen gemeinsam mit intensiven Blau- und Orangeflecken über die Oberfläche und gruppieren sich um den zentral positionierten runden roten Fleck, der mit seinen Umrissen an einen Apfel erinnert.
Eine der Hauptinspirationsquellen seiner Abstraktionen ist die eigene Sammlung antiker und außereuropäischer Kunst, die mit rund 250 Objekten in höchster Qualität eine Vielzahl verschiedener Kulturkreise und Epochen abdeckt. Zur Bedeutung dieser Artefakte für sein Werk bemerkt Baumeister wie folgt: „Die so genannte abstrakte Malerei ist nicht abstrakt im Sinne von Fremdheit zum Leben und Menschen. Die Empfindungen des Künstlers sind ganz natürliche. Eine senkrechte, gerade Linie vermittelt einen ganz bestimmten Empfindungswert, den alle Menschen gleich empfangen können. Eine gekurvte Linie [...] löst dagegen andere Empfindungen aus. Ebenso vermitteln die Farben und die Farben-Zusammenstellungen bestimmte Empfindungen. Ein dunkel oder grau gehaltenes Bild hat einen total anderen Ausdruck als ein bunteres oder ganz buntes Bild. Diese einfachen Ausdrucksmöglichkeiten sind auch in der alten Kunst die primären Ausdruckswerte, nicht das gegenständliche Motiv. Die neuere Kunstart gibt diesen elementaren Mitteln den Vorrang. Parallel zur Kunst ist in der heutigen Zeit auf allen geistigen Gebieten die Bevorzugung des Elementaren bezeichnend.“1)
Im späten Œuvre von Baumeister münden somit die verschiedenen Strömungen zusammen. Der Künstler greift dabei auch einige seiner unter anderem kubistisch angehauchten Ideen aus den früheren Jahren wieder auf und interpretiert sie neu. Es entstehen daraus hoch verdichtete Abstraktionen, die mit neuen Bild-schöpfungen kombiniert werden.
Anm.:
1) Willi Baumeister, „Abstrakt?“ Aral-Journal, Heft 2, 1953, zitiert in:
http://www.willi-baumeister.com/index.php?menuid=47
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