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Ernst Wilhelm Nay
(1902 - 1968)
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Ernst Wilhelm Nay
"Pelote"
Öl auf Leinwand ; 1951
80 x 130 cm
Signiert und „51“ datiert
Provenienz: Elisabeth Nay-Scheibler; Privatsammlung Köln
Werkverzeichnis der Ölgemälde von Aurel Scheibler Bd. I, Nr. 570 mit Abb. S. 349
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„Die Fläche als imaginärer Raum, die farbige, dynamische Konstruktion, das Ornament, das Relief, das Licht aus der absoluten Farbe.“1) Schon während des Kriegsdienstes 1943 beschreibt Ernst Wilhelm Nay seine Gedanken über die formalen Eigenschaften einer zukünftigen freien Malerei, die nur sich selbst zum Thema hat. Ein Jahrzehnt später vollzieht er den Schritt von einer farbintensiven und expressiven Figurenmalerei hin zur Improvisation ausdrucksvoller, melodischer Farbklänge. Dabei tritt Ende der vierziger Jahre ein Wandel ein, der zugleich einen Neubeginn im Schaffen des Künstlers markiert: Durch die Auseinandersetzung mit der Farblithographie gelangt er in den nun folgenden „Fugen-Bildern“ – zu denen „Pelote“ zählt – zu einer Analyse und Synthese seiner Formensprache. Denn diese Technik zwingt ihn, die einzelnen Kompositionselemente nach Farben getrennt auf die Steine zu malen, um sie dann im Druckvorgang wieder zu vereinen.2) So lösen jetzt schleifenartige Formen die bildübergreifenden mystischen und geheimnisvollen Zeichen der „Hekate-Bilder“ ab. Sie durchziehen die Bildfläche, werden von Punkten und Dreiecken begleitet und in ein graphisches Netz eingebunden. Auch die pastose und leuchtende Farbgebung, die die Oberfläche strukturiert und sie vibrieren lässt, ist stark zurückgenommen. Schwarz und Weiß, als Verkörperung der Fläche, erhalten einen neuen Rang, ihnen sind oft Misch- und wenige strahlende Grundfarben zugeordnet. Nur noch bei einigen Bildpartien ist die Handschrift der Pinselzüge zu erkennen. Dennoch geht die Dynamik nicht verloren, sie verwandelt sich zum Teil in das schwarze Liniengeflecht, zum Teil in Schwünge eines tanzenden Mosaiks, zu dem die Komposition zusammengefügt ist. Wie in der Musik zeigen die Bewegungs-abläufe keine Variationen einer „Figur“, sondern ihre Bearbeitung nach strengen Regeln, bei der bestimmte Strukturen sichtbar und die „Figur“ stets wirksam bleiben.3)
Trotz der weiterschreitenden Abstraktion haben Nays Arbeiten dieser Zeit den Menschen zum Thema. Um dies zu verdeutlichen, setzt er den Bildtiteln oft die Bezeichnung „Figurale“ voran. So bezieht er sich z. B. in dem Gemälde „Pelote“ auf einen Akteur des baskischen Nationalspiels, bei dem die gegnerischen Parteien mit jeweils zwei Spielern auf der selben Seite den Ball mit einem oval geschwungenen Schläger abwechselnd gegen eine Mauer schlagen. „Dies ist nicht wörtlich zu verstehen, da dieses Bild ja ganz gegenstandslos ist, jedoch in der dynamischen Geste scheint äquivalent so etwas wie ein Spiel, eine Choreographie eines Spieles zu Grunde zu liegen.“4)
Anm.:
1) Zitiert nach Karl Ruhrberg, „Die Malerei in Europa und Amerika
1945–1960“, Köln 1992, S. 60.
2) Elisabeth Nay-Scheibler, „Figurale Bilder 1949–1951“, in: „Ernst
Wilhelm Nay, Werkverzeichnis der Ölgemälde, Bd. I, 1922-1951“,
Museum Ludwig (Hg.), Köln 1990, S. 294.
3) Siegfried Gohr, „Einführung in das Werk von E. W. Nay“, in:
ebenda, S. 18.
4) Elisabeth Nay-Scheibler, Brief vom 7.3.1989.
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