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Ernst Wilhelm Nay
(1902 - 1968)
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Ernst Wilhelm Nay
"Scheiben"
Aquarell ; 1956
41,2 x 59,5 cm
Signiert und „56“ datiert
Aufgenommen in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis der Arbeiten auf Papier durch die Nachlassverwaltung
Ernst Wilhelm Nay, Köln
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Konsequent führt Ernst Wilhelm Nays künstlerischer Weg zur völligen Abstraktion, zur „Form der Farbe“. Ellipsen und Scheiben, die in den „Fugen-Bildern“ von 1949 bis 1951 schon eine wichtige gestalterische Funktion haben, treten mehr und mehr in den Vordergrund. Das stützende Liniengeflecht entfernt er bald, womit sich die strengen, systematischen Einengungen langsam auflösen. Dabei führt ihn sein Interesse an Spannungen und Energien von Fläche und Farbe sowie von Farbe zu Fläche1) zu den ganz neuen Bildvorstellungen der von 1954 bis 1962 entstehenden „Scheiben-Bilder“. In ihnen setzt er große und kleine Scheiben als potentielle Energieformen zu äußerst dynamischen Flächenchoreographien zusammen.
Bei den ersten Gemälden der Serie steht die runde Form noch eckig-kantigen Gebilden gegenüber. Von 1955 an dominiert sie, und im folgenden Jahr wird sie schließlich bildbeherrschend. Die Farben selbst und ihr grundlegendes Kontrastverhältnis innerhalb des Farbkreises lenken den Schöpfungsakt und bestimmen die bildnerische Ordnung. Spannungen erzeugen der unterschiedliche „Distanzwert“ der Farben und das Reiben, Verzahnen oder Übereinanderschieben der Fleckenformen, so dass eine schwingende Bewegung in Fläche und Raum entsteht. Nicht Einklang, sondern die Versöhnung von Gegensätzen ist das kompositorische Prinzip der Arbeiten.
Die Transparenz und Leichtigkeit der frühen „Scheiben-Bilder“, vor allem die Schaffensjahre 1955/56, sind von der Aquarellmalerei beeinflusst, die Nay ebenfalls meisterhaft beherrscht. Davon zeugt das hier abgebildete Blatt: In klarem und hellem Kolorit ziehen die gezackten Scheiben auf der Bahn eines Kreises durch das Bild. Mittels des flüssigen Farbauftrages wird der Eindruck erweckt, als schwebten sie vor dem Malgrund. Dessen Weiß ist als gleichwertige Farbe in die Gestaltung einbezogen, das zugleich die Flecken durchdringt und sie an die Bildfläche bindet.
Innerhalb der Bildreihe scheinen die Scheiben und ihre Zwischenformen von Werk zu Werk eine Wanderung durch den Farbkreis und durch die unterschiedlichen Äußerungen menschlichen Fühlens und Denkens zu durchlaufen. Mit der vielfach wiederholten Form des Kreises ruft Nay „zahlreiche Erinnerungen an Weltenmodelle und Symbole wach, die über Jahrhunderte Künstler [...] beschäftigt haben. Im Kreis der Farbe stecken virtuell sowohl alle Stufungen des Lebens als auch die Kraft zur Evokation des Raumes [...] (Der Maler) weiß um diese Zusammenhänge und nutzt sie für seine ganz unliterarische Analogie des Bildes als Weltenmodell, das [...] (er) für sich und seine Zeit entwirft“2) .
Anm.:
1) Ernst Wilhelm Nay, „Aufzeichnungen“, 9.12.1958,
in: „Ernst Wilhelm Nay - Retrospektive“,
Ausst.-Kat. Josef-Haubrich-Kunsthalle Köln /
Kunsthalle Basel/Scottish National
Gallery of Modern Art Edinburgh 1991, S. 32.
2) Siegfried Gohr, „Einführung in das Werk von E. W. Nay“, in:
„Ernst Wilhelm Nay, Werkverzeichnis der Ölgemälde,
Bd. I, 1922-1951“, Museum Ludwig (Hg.), Köln 1990, S. 21.
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