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Fritz Winter (1905 - 1976)

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Fritz Winter
"Komposition mit rotem Bogen"
Öl und Tempera auf Bütten/Karton ; 1950
50 x 70 cm
Signiert und „50“ datiert

Gegenüber Winters Bildern beginnen die Begriffe „gegenständlich“ und „abstrakt“ zu versagen. Man glaubt, Diagramme von Energien, Strukturen und Kraftfeldern wiederzuerkennen, die unserer Vorstellung von natürlichen Vorgängen gleichen. So bildet in unserer Arbeit „Komposition mit rotem Bogen“ ein pudriger, in Tempera aufgetragener Braunton den Hintergrund, der sogleich Erinnerungen an Erdiges wach werden lässt. In starkem Kontrast zu diesem ruhigen, zeitlosen Raum ziehen Formen in den Grundfarben Rot, Gelb und Blau ihre Bahnen. Mit pastoser glänzender Ölfarbe und scharfer Kontur auf den tonigen Grund aufgetragen, bauen sie als Energiebündel und Kraftpfeile eine unaufgelöste Spannung zur Gesamtkomposition auf. Wie Fremdkörper stellen sie sich dem ausgleichenden farblich und formal integrativen Braun gegenüber. So schweben zwei kreisförmige Elemente in Blau und Gelb durch die Komposition. Zwischen ihnen liegt ein großer leuchtend roter Segmentbogen. Vom rechten Bildrand kommt ein ebenfalls roter, spitzer Pfeil mittig ins Bild geschossen.

Winter hat in einer persönlichen Ikonographie gewisse Strukturen und Elemente als Vorlagen benutzt, um sie als Sujets kompositorisch und inhaltlich zu einer Aussage zu führen. In diesem Sinne ist der Kreis vor allem als Element der Ordnung und Vereinigung zu lesen. Einen deutlichen Gegensatz dazu bilden der aggressive Pfeil und der offene, abgebrochene Segmentbogen. Winter verleiht dem Bild Akzente durch diese formalen Widersprüche, die metaphorisch als Störung oder Zerstörung von Einheiten zu verstehen sind. Nicht zuletzt ist damit das geschlossene Weltbild Thema der Auseinanderset-zung.

Der Künstler geht in den Bildern dieser Werkphase vom Energetischen, von den Wirkungen der Kräfte aus. Damit will er Parallelen zur Wirklichkeit schaffen. Es soll jedoch nicht der Selbstausdruck, sondern der Widerhall von Realem das Primäre bei der Gestaltung sein. Das Verständnis von Materie als Energie, die Herrschaft der Kräfte über die Form, die Umstellung des Denkens auf Beziehungskräfte und Prozesse sind die Inhalte, die zur Darstellung kommen.

Die sichtbare Umformung von Energie und Bewegung als Metapher für kreatürliches Leben in der eigenen Malerei folgt für Winter aus seiner Beziehung zur Natur. Diese Haltung erläutert der Künstler wie folgt: „Ich scheine nicht an die Natur gebunden zu sein. Und doch der Schein trügt. Ich bin an die Natur gebunden, aber nicht an ihre Formäußerung, sondern an die meinen [...] es kommt nicht darauf an zu zeigen, was da ist, sondern zu offenbaren, was auch da ist, denn es ist weit mehr sichtbar, als wir sehen können, und weit mehr hörbar, als wir hören können, und weit mehr da, als wir selbst sind. Für mich gilt nur das, was wir noch werden können. Und dabei denke ich auch an das, was ich bin: nicht ein Sandkorn im Himmelsraum. Dadurch werde ich andächtig und religiös vor diesem Universum mit seinen abertausend Welten. Und immer erfüllt mich und ist mir im Sinn meines Tun: es ist mehr da, als wir ahnen und wissen können und es ist immer nur so viel da, wie wir offenbaren können.“1) #Aus diesen Sätzen lässt sich folgern, dass für Winter in der abstrakten Gegenwirklichkeit des Bildes die Ahnung eines tieferen Zusammenhanges der persönlichen künstlerischen Ausdruckswelt mit dem Universellen liegt. Damit stellt er sich in seinem Wirken in ein Kontinuum höheren Seins, was er auch in folgenden Worten zum Ausdruck bringt: „Hat sich die Kunst mit all ihren Mitteln von der Wirklichkeit und ihrem Schein entfernt, so deshalb, um der Wahrheit näher zu sein, als dem Schein der Wirklichkeit.”2)

Anm.:
1) Fritz Winter zitiert in: Carla Schulz-Hoffmann: „Als ob die optische Welt die wirkliche wäre – Fritz Winter und die abstrakte Malerei“, zitiert in: Fritz-Winter-Stiftung (Hg.): „Fritz Winter – Gemälde und Zeichnungen aus dem Besitz der Fritz-Winter-Stiftung“, Ausst.-Kat., München 1988, S. 12.

2) Fritz Winter zitiert in: „Fritz Winter. Zum 80. Geburtstag,“ Städtisches Gustav-Lübcke-Museum, Hamm/Fritz-Winter-Haus, Ahlen/ Heimatmuseum Ahlen 1985, S. 87.



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