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Fritz Winter
(1905 - 1976)
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Fritz Winter
"Komposition"
Öl auf Papier ; 1960
17,6 x 23,9 cm
Signiert und „60“ datiert
Provenienz: Privatsammlung Norddeutschland
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In den ausklingenden fünfziger und frühen sechziger Jahren widmet sich Winter zahlreichen Arbeiten auf Papier. Nach persönlichen Schicksalsschlägen und krankheitsbedingter künstlerischer Untätigkeit findet er in diesen kleinformatigen Ölbildern zu neuer Schaffenskraft und Inspiration.
In dem hier vorliegenden Gemälde „Komposition“ von 1960 vollführt Winter vor einem hellen Hintergrund schwungvoll mehrere schwarze Pinselzüge. Breit gesetzt, verweist er damit auf die energetische Kraft dieser dunklen Zeichenschwünge. In einem gleichermaßen großzügigen Malgestus fügt Winter leuchtend blaue und graublaue Strukturen hinzu. Während das Schwarz nahezu deckend aufgetragen ist, schimmert in den anderen Farbstrukturen der Untergrund durch. Die Artikulation des im Raum Schwebenden findet darin ihre Umsetzung. Ein Umstand, der zudem dadurch verstärkt wird, dass Winter den Bildträger nicht ausmalt, sondern vielmehr den hellen Papierton in den Bildaufbau einbezieht. Auf diese Weise können sich die Gebilde frei und losgelöst im luftigen Umgebungsraum bewegen. Dennoch erweisen sich die schwarzen Zeichen in der Komposition als dominant. Ihre beherrschende Rolle kommt auch darin zum Ausdruck, dass sie als Grundgerüst fungieren, in welches alles andere eingesponnen ist. Durch die Übereinanderlagerung und das Verweben der Formen entsteht eine starke dreidimensionale, kosmische Wirkung; vollzieht sich die von Winter angestrebte Suggestion des Raumes auf dem Bildträger. Zwei rote Punkte, als einzig gerundeten Formen, dynamisieren die Komposition. Sie verstärken den räumlichen Charakter, indem sie, als in der Ferne verschwindendes kleines Leuchten und groß aufflammend im Vordergrund, dem Gebilde Halt geben.
„[…] ich bin der Meinung, das man die eigenen Formäußer- ungen darzustellen hat, um damit sein Verhältnis zu einer nicht begreifbaren Umwelt greifbar zu machen, neu zu offenbaren“1), umschreibt Winter die von ihm auf dem Papier geschaffenen Gegenwelten, die aus seiner persönlichen Lebenswelt resultieren und als deren bejahende Utopie zu begreifen sind. Indem Winter der Improvisation, der intuitiven Geste der künstlerischen Handschrift freien Lauf lässt – er greift damit informelle Ten-denzen auf – eignet er sich in einem ungegenständlichen Bildkosmos die reale Welt an.
Anm.:
1) Fritz Winter, zitiert in: Gabriele Lohberg, „Fritz Winter. Leben und Werk“, München 1986, S. 90.
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