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Fritz Winter (1905 - 1976)

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Fritz Winter
"Verlöschendes Rot"
Öl auf Leinwand ; 1962
135,5 x 170 cm
Signiert und datiert. Rückseitig nochmals signiert, datiert und betitelt
Provenienz: Fritz-Winter-Stiftung, München (Inv.-Nr. 343)
Ausstellungen: Augsburg 1964, Kat. Nr. 1; Kassel 1965, Kat. Nr. 122; Düsseldorf 1966, Kat. Nr. 107 m. Abb.; Mannheim 1966, Kat. Nr. 110; München 1985/86, Kat. Nr. 9
Werkverzeichnis Lohberg Nr. 2405

Die Nähe zu den weiteren Mitgliedern der Gruppe ZEN 49 wie Willi Baumeister und Rupprecht Geiger führt zu einem regen Austausch zwischen den Künstlern. Fritz Winter bringt hierdurch bestärkt in seinen Bildern seit den fünziger Jahren jähe Pinselschriften hervor, die er in teils großen Formaten mit breiten Wischern anlegt. In unserem Bild „Verlöschendes Rot“ wird eine Diagonale von links oben nach rechts unten durch das nervöse Auf und Ab einer Zick-Zack-Linie beschrieben. Wie bei einer seismographischen Kurve bewegen sich die Ausschläge und weisen doch stetig die Tendenz nach unten. Energisch treten die Zeichen in der Ferne links ins Bild, vergrößern sich stetig und treten in die Nähe des Betrachters am rechten unteren Rand. Ein vibrierender Zug geht unaufhaltsam über die Leinwand. Dennoch besitzt die Komposition eine Geschlossenheit in sich und läuft nicht aus dem Rahmen heraus. Sie besitzt vielmehr ein klares Zentrum.

Der Gedanke an einen Schriftzug drängt sich auf, sowohl durch die kalligraphische Zeichenhaftigkeit, als auch durch die Farbwahl und die Leserichtung. Der Kontrast könnte kaum größer sein. In Schwarz vor weißem Grund ist der Linienzug gemalt. Das durch den bewegten Duktus dynamisierte Schwarz wird gemessen an dem neutralen, einheitlichen Grund. Und der weiße Raum wird wiederum bestärkt in seiner Festigkeit durch die bewegte Schrift.

Zu diesen beiden farblichen Antipoden tritt das kräftige Rot, das dem Bild seinen Titel gibt. Das Rot, das in sich von Orange bis Dunkelrot changiert, tritt den schwarzen Zeichen entgegen und wird von diesen größtenteils umfangen. Direkt in der Mitte des Bildes befindet sich eine kleine rote Fläche, die scheinbar von hinten noch ein zaghaftes Glimmen auf das umgebende Schwarz ausstrahlt, aber wie eine Kerze vor ihrem Ende nur ein kurzes letztes Mal hell aufleuchtet. Die größte zusammenhängende Fläche in diesem Bild liegt links daneben. Durch ihre intensive rote Farbigkeit besitzt sie eine starke Präsenz. Auf den ersten Blick kann sie sich frei im weißen Umgebungsraum entfalten. Ihre obere Hälfte ist jedoch auch bereits von den schwarzen Zeichen umfangen, die ihr womöglich ein baldiges Ende bereiten werden. Zumindest wird den dynamischen roten Wischern Einhalt geboten. Der zeitliche Ablauf eines Prozesses wird vor Augen geführt.

Einziger wirklicher Antipode in diesem explosionsartig-bewegten, kontrastreichen Gegeneinander ist die lichte graue Fläche, die sich in der rechten oberen Bildhälfte auftut. Sie schwebt scheinbar schwerelos im weißen Umgebungsraum, unberührt von schwarzen Pinselwischern. Im Unterschied zu den heftigen Entäußerungen und dem Gedanken an die Endlichkeit, der sich allein schon durch den Bildtitel aufdrängt, scheint in diesem Grau etwas Andersgeartetes formuliert. „Man lebt im Wirken der Schöpfung‘, hat Winter über sich selbst geschrieben, ‚neigt sich still vor allen Wundern dieser Welt, die alles Ferne nah sein lässt, alles Nahe fern und alles verbunden in jener Tiefe, die ich als Quelle Gottes im Menschen selbst sehe.‘ Dieses Bekenntnis mag ob seiner Ruhe und Sicherheit, eins mit der Schöpfung zu sein, befremdlich klingen. Jedoch ist für Winter und seine Zeitgenossen die Suche nach einem ganzheitlichen Weltbild noch konkrete Utopie. Je mehr die Wissenschaften versagen, aus ihren Fakten ein solches aufzubauen, um so mehr wird die Kunst darauf verpflichtet, die dem Detail der Natur hinterliegenden, ganzheitlichen Bilder zu schaffen. Aber immer wieder bricht auch bei Winter der Kampf gegen das Gesicherte durch, das Ringen mit den widerständigen Zeichen, der Wechsel von lichten, dem Materiellen gleichsam enthobenen Bildern und solchen sich verfestigender Blöcke, die sich zu Mauern zusammenzuschieben drohen.“1)

Anm.:
1) Lothar Romain:„ Über Fritz Winter“, in: „Fritz Winter. Zum 80. Geburtstag“, Städtisches Gustav-Lübcke- Museum, Hamm/Fritz-Winter-Haus, Ahlen/Heimatmuseum Ahlen 1985, S. 95.



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