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Alexej von Jawlensky
(1864 - 1941)
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Alexej von Jawlensky
"Variation"
Öl auf leinenstrukturiertem Malpapier, auf Bristolkarton aufgezogen ; um 1916
33 x 25,4 cm
Signiert mit dem Monogramm unten links
Provenienz: Atelier des Künstlers; Privatsammlung New York
Expertise: Alexej von Jawlensky Archiv SA, Locarno
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Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges ist Alexej von Jawlensky gezwungen, Deutschland zu verlassen. Zunächst siedelt er nach St. Prex am Genfer See um, lebt dann 1917 einige Monate in Zürich und lässt sich schließlich im folgenden Jahr in Ascona nieder. Den Schock der Ausweisung kompensiert der Maler durch unermüdliches Arbeiten. Dabei wendet er sich der Landschaftsmalerei zu und variiert stetig ein Thema, den Ausblick von seinem Zimmer in St. Prex: Den schmalen Gartenweg, der an einer Mauer entlang zum Tor führt und von Bäumen flankiert wird, sowie die in der Ferne erscheinenden Berge am gegenüberliegenden Seeufer. Noch 1921 widmet sich Jawlensky dem vertrauten Motiv – also lange nachdem er vom Genfer See weggezogen ist –, bietet es ihm doch die Möglichkeit, seinen wechselnden Empfindungen während des Exils Ausdruck zu verleihen. So entstehen über 300 „Variationen eines landschaftlichen Themas“. Kein anderer Künstler hatte sich bis dahin so intensiv mit ein und demselben Motiv beschäftigt.
In dieser konsequenten Auseinandersetzung findet Jawlensky, angeregt durch Robert Delaunay und die französischen Kubisten, zu einer radikalen Veränderung seiner Formensprache und Farbpalette. Seine neuen Ausdrucksmittel der Abstraktion können im Fortschreiten der Serie nachvollzogen werden: Weg, Bäume, Büsche, See und Berge werden immer mehr zu runden und ovalen Flächen reduziert, womit der Bezug zur realen Welt negiert wird. Auch das Kolorit greift nicht mehr auf Bekanntes zurück, es ist absolut und nur bedingt beschreibend. Zugleich wird der Bildaufbau einfacher und die Vertikalachse immer mehr hervorgehoben. Schließlich verschwindet die Horizontlinie, so dass Gegenstände und Raum zu einer Einheit verschmelzen. Ein Vorne und Hinten existiert nicht mehr. Die Farbflecken, Synonyme für die einzelnen Landschaftselemente, liegen auf der Bildoberfläche. Nur die Schwerkraft der Formen bleibt bestehen, es gibt immer ein Oben und Unten. Darüber hinaus gewährt in vielen „Variationen“ der schmale schwarze Rand den äußeren Farbflecken kompositorischen Halt.
Diese Entwicklung ist 1916 – dem Entstehungsjahr unseres Gemäldes – abgeschlossen. Eine klare Anordnung der fest gefügten Farbfelder bestimmt auch diese Komposition. Das gedämpfte, harmonische Kolorit verleiht ihr eine ruhige und tiefe Ausstrahlung. Beinahe aquarellartig sind die Farbflächen aufgetragen, so dass hier und da die Struktur des Malgrundes sichtbar ist. Der Pinselstrich ist durchgezogen, unterbrochen oder tritt als Farbtupfer zeichenhaft an die Stelle des Abbildes. Innerhalb dieser reinen Formenwelt sind Elemente erkennbar, die in der Bilderreihe immer wiederkehren: Die große torpedoförmige Tanne mit zwei hellen Zapfen auf der linken Bildseite, unten rechts der runde Baum mit gebogenem Stamm und darüber, an den rechten Bildrand gerückt, eine zu einem langen schrägen Balken stilisierte Zypresse. Locker, fast heiter wirken Mal- und Gestaltungsweise, sie entbehren der Dramatik der früheren Landschaften.
Jawlensky hat sich nun völlig von der traditionellen Landschaftsmalerei gelöst und eine ganz persönliche Sichtweise der erlebten Natur geschaffen. Das Gesehene ist zu einem fast stereotypen Formenraster reduziert, das er bei nur unwesentlich veränderten Strukturen bis zum Abschluss der Serie beibehält. Diese „Formel“ ermöglicht es ihm, mittels äußerst nuancierten Farbkombinationen seine ebenso fein abgestufte innere Gefühlswelt bildnerisch zu übersetzen. So scheinen der Ausdrucksvielfalt der „Variationen“ keine Grenzen gesetzt zu sein, jede einzelne beinhaltet ihren eigenen Charakter und ihre besondere Dynamik.
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