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Alexej von Jawlensky (1864 - 1941)

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Alexej von Jawlensky
"Heilandsgesicht: Nemesis II"
Öl auf leinenstrukturiertem Malpapier, auf Bristolkarton aufgezogen ; 1919
36 x 27 cm
Signiert mit dem Monogramm
Auf der Rückseite signiert, betitelt und beschriftet: „A. v. Jawlensky 1919, Nr. 18, Nemesis II“, von Galka Scheyer.
Provenienz: Atelier des Künstlers ; Kunstmuseum der Stadt Essen ; Privatsammlung
Expertise: Maria Jawlensky, Alexej von Jawlensky Archiv SA, Locarno
Werkverzeichnis Jawlensky/Pieroni Bd. II, Nr. 1075, mit ganzseitiger, farbiger Abbildung auf Seite 287

„Jeder findet in jedem Kunstwerk immer nur das, wozu er sich selbst in seiner eigenen Seele vorbereitet hat. Darin liegt gerade die Kraft und die Unausschöpflichkeit eines Kunstwerkes. Es ist auch nicht nötig, dass das Empfinden des Betrachters und der schöpferische Trieb des Künstlers sich decken, denn der Künstler schafft mehr oder weniger unbewusst aus seiner Intuition heraus und scheint damit mehr zu sagen, als er eigentlich zu sagen beabsichtigte. Darin liegt gerade das Mysterium des Schaffens.“ Alexej von Jawlensky 1919

„Das Jahr 1917 brachte eine neuerliche Wende oder, besser gesagt, neue Stufe im Werk Jawlenskys. Er wandte sich dem Bildnis zu und ging dabei von dem Porträt der Scheyer aus. Bei aller Ähnlichkeit stilisierte er das Gesicht immer stärker, um so das Charakteristische der dargestellten Person schärfer deutlich zu machen. Dabei machte er die Entdeckung, dass das gesteigerte Individuelle immer mehr überindividuelle Züge annahm. So lösten sich aus den Bildnissen die ,Heiligengesichte‘. Jawlensky hatte sich mit den Variationen das Rüstzeug geschaffen, die Chiffre für den inneren Klang eines Naturwesens zu finden. Es war nur folgerichtig, dass er den jahrelang durch stete Übung erstrebten Zusammenklang nur im menschlichen Gesicht darstellen konnte, denn dort ist das einzige Feld, wo innen und außen, Mensch und Welt, Natur und Seele sich begegnen, wo, im wahrsten Sinne des Wortes, ,Religion‘ stattfindet. Das menschliche Antlitz konnte aber nur ein solches sein, auf dem sich die ganz persönlichen Schicksale zu einer überpersönlichen allgemeinmenschlichen Bedeutung erhoben. Die damit notwendig verbundene Abstraktion war kein Prozess der Eliminierung oder gar Sublimierung, sondern der Potenzierung. Die entstandene Chiffre war nicht das Resultat einer von außen her logisch herangezogenen Abstraktion, sondern einer von innen her vorgenommenen Verdichtung. So wurden ,Heiligengesichte‘ und dann ,Heilandsgesichte‘. Jawlensky schrieb selbst darüber: ,Einige Jahre malte ich diese Variationen, und dann war mir notwendig, eine Form für das Gesicht zu finden, da ich verstanden hatte, dass die große Kunst nur mit religiösem Gefühl gemalt werden soll. Und das konnte ich nur in das menschliche Antlitz bringen. Ich verstand, dass der Künstler mit seiner Kunst durch Formen und Farben sagen muss, was in ihm Göttliches ist. Darum ist das Kunstwerk ein sichtbarer Gott, und die Kunst ist Sehnsucht zu Gott.‘1)

Anm.:
1) Zitiert nach: Clemens Weiler „Alexej Jawlensky“, Köln 1959, S. 102.



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