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Max Ernst (1891 - 1976)

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Max Ernst
"Fille et mère"
Bronze ; 1959
H. 46 cm, B. 26,5 cm, T. 28,5 cm
Signiert und „II/VI“ nummeriert auf der Rückseite des Sockels
Provenienz: Sammlung Frances Leventritt, New York
Werkverzeichnis Spies/Metken Nr. 3780, I m. Abb. S. 380

Im Jahre 1941 gelingt es Max Ernst vor der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in die USA zu emigrieren. Er siedelt mit seiner zweiten Frau Dorothea Tanning nach Sedona, einem kleinen Ort in Arizona, über. Dort konzentriert er sich hauptsächlich auf seine Skulpturen, welche 1953 mit der Rückkehr nach Europa eine kurze Unterbrechung erfahren. Max Ernst lässt sich in Paris nieder und erwirbt 1955 mit seiner Frau ein Landhaus in Huis-mes, in der ehemaligen Grafschaft Anjou. Erstmals ist der große surrealistische Künstler in der Lage, ein eigenes Haus zu kaufen, und zwar mit dem Geld, das er 1954 bei der Verleihung des großen Preises für Malerei auf der Biennale von Venedig erhalten hat. Das ehemalige Gehöft besteht aus zwei Gebäuden, in dem kleineren von beiden ist das Atelier untergebracht. Hier widmet sich Max Ernst nun wieder der Bildhauerei, die in seinem Œuvre eine immer wichtigere Rolle einnimmt. Es entstehen seltsame und skurrile Wesen, Vogelmenschen, Fantasiegestalten, die das malerische und graphische Werk des Künstlers ergänzen und die sein Anwesen „im Hof, auf den Fensterbänken, auf den Außentreppen und auf dem runden Steintisch, der heute noch hinter dem Haus im Garten steht“1), bevölkern.

Auch unsere Skulptur „Fille et mère“ entstammt jener Phase. 1959 in Bronze gegossen, sind die zwei Figuren standfest mit dem Sockel verbunden, so dass sie nicht so leicht umfallen oder besser: unter allen Umständen stehen bleiben. Max Ernst verwendet in erster Linie geometrische Elemente, die in einem additiven Verfahren kombiniert werden. Daraus formt er mit der größeren schlanken Figur die Mutter und dahinterstehend gesellt sich die Tochter, in wuchtigen und gedrungenen Körperformen, hinzu. Beide schließen mit einem flachen Rundrelief als Kopf ab, wobei bei der Tochter die Augen angedeutet sind. Beschützt durch die Mutter scheint sie mit neugierigem Blick das Geschehen zu verfolgen.

Die freistehende Skulptur wendet sich dem Betrachter zu und bietet seinem Auge eine Reihe abrupter Seherlebnisse, welche noch durch die dunkelgraue Patina unterstrichen werden. Die Plastik scheint sich, wie unter einem starken äußeren Druck, um eine Achse oder um einen Kern zu verdichten. Sie wirkt so ge-ballt, so zu einer Grundform komprimiert, als wäre alles Überflüssige von ihr abgefallen. Auf der Grundlage seines plastischen Schaffens entwickelt Max Ernst eine Parallelwelt, die er nicht nur bevölkert, sondern die er auch erfahren und empfinden und die er über die Skulptur der begreiflichen Wirklichkeit entgegenstellen möchte. 1969 erklärt Max Ernst: „Die Plastik entsteht in einer Umarmung, mit beiden Händen, wie die Liebe. Immer, wenn ich mich der Plastik zuwende, habe ich das Gefühl, in Ferien zu sein. [...] Wenn ich plastisch arbeite, entspanne ich mich. Es macht mir das gleiche Vergnügen wie damals, als ich als Kind im Sand Burgen baute. Wenn ich mit der Malerei in eine Sackgasse komme, was immer wieder passiert, bleibt die Skulptur als Ausweg übrig: denn die Skulptur ist noch mehr ein Spiel als Malerei.“2)

Anm.:
1) Fabrice Herrgott, „Huismes: die Früchte einer langen Erfahrung“, in: Werner Spies (Hg.), „Max Ernst Skulpturen, Häuser, Landschaften“, Ausst. Kat., Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, Köln 1998, S. 268.
2) Zitiert in: Werner Spies (Hg.), Ausst.-Kat. „Max Ernst – Die Retrospektive“, National-Galerie Berlin, Köln 1999, S. 198.



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