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Max Liebermann
(1847 - 1935)
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Max Liebermann
"Wannseegarten – Blumenstauden am Gartenhäuschen nach Osten"
Öl auf Leinwand, 1923
56 x 75 cm
Signiert und datiert
Provenienz: Galerie Casper, Berlin; S.L. Strauss, Berlin
Ausstellung: Züricher Kunsthaus, Aug./Sept. 1926, Internationale Kunstausstellung, Nr. 265
Literatur: Holly Prentiss Richardson, „Landscape in the work of Max Liebermann“, Bd. II, Ann Arbor 1991, S. 245, Nr. 697
Werkverzeichnis Eberle Nr. 1923/25, Abb. S. 1085
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1909 erwirbt Max Liebermann ein Grundstück am Berliner Wannsee. Ein besonderes Augenmerk richtet Liebermann auf
seinen Garten. Über seinen Freund Alfred Lichtwark, den Leiter der Hamburger Kunsthalle und bekannten Erneuerer der Gartenkunst, lernt der Künstler in den neunziger Jahren den norddeutschen Bauerngarten kennen, der ihn beeindruckt und inspiriert. „Er ließ seine Blicke über die langen Blumenbeete schweifen, die den Weg begleiten, über die regelmäßigen quergeführten Gemüsebeete dahinter […]. Nein, wie gemütlich das aussieht, diese geraden Wege und buchsgefassten Beete, diese geschorenen Hecken und der große Würfel der Laube, und diese klassische Verbindung von Blumen und Gemüsegarten, wie menschlich […].“1) Gemeinsam mit Lichtwark, der ihm immer wieder entscheidende Anregungen gibt, nimmt die Gestaltung der Anlage des Liebermannschen Gartens Form an. Das lang gestreckte, circa 7200 qm große Grundstück zieht sich von der Haupt-straße zum Wannsee hin. Die rechte Seite des Grundstücks ist von einem schon vorhandenen Birkenwäldchen flankiert. Der vordere Bereich wird von einem Blumen- und Gemüsegarten, der in klare geometrische Formen aufgeteilt ist, eingenommen, den ein gerader Mittelweg in gesamter Länge durchzieht. Gesäumt wird der Weg von breiten Sommerblumenparzellen. Teilweise wählt Liebermann die Blumensorten selbst aus. Die zentralen Beete bepflanzt Liebermann mit roten Geranien, die bis in die herbstliche Jahreszeit hinein einen kräftigen Farbakzent setzen. Auf Höhe des Gärtnerhauses nimmt ein Staudengarten die gesamte Breite des Grundstücks ein. Vor dem Haus ist ein großzügiger Vorplatz mit einer Rasenfläche angelegt, der von einer Lindenhochhecke zum Vordergarten abgetrennt ist.
In der Zeit des 1. Weltkriegs unternimmt die Familie Liebermann keine Reisen nach Holland und verweilt in ihrem Landhaus am Wannsee. Die Villa wird zur Rückzugsmöglichkeit und insbesondere der Garten entwickelt sich für den Künstler zu einem Ort der großen malerischen Produktivität, denn auch nach dem Krieg bleiben Liebermann und seine Familie ihrem Anwesen treu. Einen Schwerpunkt in seinen Werken nimmt nun für den Künstler die Begegnung mit der Natur ein, womit er sich zu den Motiven der Großstadt distanziert. Spürbar ist dies in der Vielzahl der geschaffenen Werke, die den Sommersitz am Wannsee thematisieren. Unser querformatiges Ölgemälde, das aus dem Jahre 1923 stammt, ist eines der farbenfrohsten aus der Reihe der Wannsee-Bilder. Gerne hält sich Liebermann im Freien auf und stellt seine Staffelei an den verschiedensten Standpunk-ten in seinem Garten auf. In jener Zeit verzichtet er auf eine Grundierung der Leinwand, ohne Umschweife komponiert er direkt mit dem Pinsel in der Hand seine Bilder. In unserem Gemälde geht der Blick des Künstlers von dem Mittelweg vor dem Gärtnerhäuschen im westlichen Teil des Gartens aus und auf den Eingang des Landhauses zu. Die Gartenanlage ist in Wege und Beete gegliedert, deren Blumenstauden mit gelben, roten und violetten Blüten links in die Bildkomposition hineinragen, auf die der Blick des Betrachters gelenkt wird und somit auch eine verringerte Distanz zum Motiv entsteht. Alljährlich erblühen die Rabatten in den verschiedensten saisonalen Blumen, wie beispielsweise Mohn, Schwertlilien, Dahlien und Rosen, die so abwechslungsreiche Farbkompositionen und eine gesteigerte Farbwirkung erzielen. Explosionsartig schießen die lebendig leuchtenden Stauden in dem sorgfältig durchdacht angelegten Blumenensemble in die Höhe und verschmelzen in Form und Farbmaterie. Im Hintergrund ist die parallel zum Weg gepflanzte grüne Baumhecke zu sehen, hinter der fragmentarisch das Entrée der Villa durchschimmert. In einem Wechselspiel von Licht und Schatten ist die Malweise dem jeweiligen Objekt angepasst: Der Weg ist eher flächig gestaltet, während die Pflanzen und Blüten mit einem akzentuierten Pinselstrich voluminös und mit kleinen farbigen Tupfen auf die Leinwand gebannt sind. Das Gartenbild besticht durch die kompositorischen Elemente und die Koloritvielfalt, die das Interesse und die Anteilnahme des Künst-lers an seinem Haus und Garten widerspiegeln, wie Liebermann in seinem stetigen Briefverkehr mit Lichtwark aufzeigt: „Der Garten steht augenblicklich im schönsten Flor und er macht meiner Frau und mir riesige Freude: sehn Sie ihn sich an, da er ja zum größten Teil Ihre Schöpfung ist.“2) Eine Zeitgenossin erinnert sich: „Kein anderes Haus in Wannsee kann solche
Blumenbeete haben. Blumen und immer wieder Blumen, Bauerngartenblumen, blassrote, tiefrote Gartennelken, Rosen.“3) Liebermanns Gartenbilder gehören zu den bedeutendsten Zeug-nissen der Landschaftsmalerei des deutschen Impressionismus.
Anm.:
1)Alfred Lichtwark, „Makartbouquet und Blumenstrauß“, München 1894,
S. 44, zitiert in: Hamburger Kunsthalle, „Im Garten von
Max Liebermann“, Ausst.-Kat. Hamburg 2004, S. 12.
2)Ebenda, S. 167.
3)Journalistin Lise Leibholz zitiert ebenda, S. 64.
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