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Georg Tappert (1880 - 1957)

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Georg Tappert
"Sonnenblumen"
Öl auf Leinwand, um 1912
70 x 53 cm
Signiert
Provenienz: Sammlung Dr. Otto Binswanger, Kreuzlingen
Expertise: Prof. Dr. Gerhard Wietek, Hamburg
Aufgenommen in den in Vorbereitung befindlichen Nachtrag des Werkverzeichnisses von Prof. Dr. Gerhard Wietek

In den Jahren vor dem Ausbruch des 1. Weltkriegs, in denen unser Gemälde „Sonnenblumen“ entsteht, befindet sich Georg Tappert auf dem Höhepunkt seines künstlerischen Schaffens. 1910 kehrt der gebürtige Berliner von seinen Lehr- und Wanderjahren, die ihn unter anderem zu dem Künstlerkreis um Paula Modersohn-Becker nach Worpswede führen, in seine Heimatstadt zurück. In der spannungsgeladenen Großstadtat-mosphäre dieser Zeit kommt Tapperts expressives Temperament gleich einem Befreiungsschlag gegen die traditionelle Mal- und Lebensweise zum Ausbruch. Vor allem in seinen Aktdarstellun-gen, die von provokanter Nacktheit sind, aber auch in Stadtansichten und Stillleben brechen sich die sinnenfrohe Lebenslust und die dynamisch um das Elementare kämpfende Gestaltung in seinen Bildern Bahn.

Auf unserem Gemälde „Sonnenblumen“ steht eine irdene Vase angefüllt mit leuchtend gelben Blüten vor einem blau-türkisfarbenen Hintergrund. Die Komposition ist auf die Mitte hin konzentriert, doch sprengen die üppigen Blumen den rechten Bildrand. Durch den starken farblichen Kontrast von Gelb und Blau, der noch durch das Schwarz der Abstellfläche gesteigert wird, erhält das Bild eine spannungsreiche Unmittelbarkeit und Präsenz. Eine große Natürlichkeit geht von diesen nicht arrangierten, teilweise sogar etwas geknickten, bäuerlichen Blüten aus. Es ist das Werk von Paula Modersohn-Becker, das Tapperts Stil um 1906 zum erstenmal nachhaltig beeinflusst und das in diesem Bild nachzuklingen scheint. Stilistisch äußert sich diese Nähe in dem pastosen Farbauftrag, verbunden mit einer auf die Bildmitte konzentrierte Kompositionsweise. Auch thematisch bilden die Blumenstillleben für den Künstler in seiner Worpsweder Zeit den Schwerpunkt. Das Wirkungsgeheimnis seiner Gemälde ist die ungebrochene, ihrer selbst gewisse Vitalität des Malers, die mitreißende Schaffensfreude und sinnliche Farbigkeit. Charakteristisch werden für Tappert seine unpathetische Leidenschaftlichkeit und dynamische Kraft, die sich unmittelbar auf den Betrachter zu übertragen scheint.

Tappert befindet sich jedoch in diesen Vorkriegsjahren nicht nur auf dem Gipfel seines persönlichen Schaffens, sondern ist auch zentrale Figur bei den umwälzenden künstlerischen Ausein-andersetzungen. 1910 kommt es bei der Auswahl zur Secessions-ausstellung zum Eklat, da alle Arbeiten junger Künstler zurück-gewiesen werden. Tappert ist es, der daraufhin maßgeblich die Gründung der Neuen Berliner Secession vorantreibt und damit ein wichtiges Kapitel der neueren deutschen Kunstgeschichte eröffnet. An der 4. Ausstellung 1911/12, die der Vereinigung ihren größten Erfolg bringt, beteiligen sich neben der Neuen Künstlervereinigung München auch die Künstler der Dresdner „Brücke“. Parallelen zur Haltung der „Brücke“-Künstler - wie etwa dem unmittelbar drängenden Schaffen und der postulierten Lebensfreiheit - waren in Tapperts Werk schon vor seiner Rückkehr nach Berlin unübersehbar, obwohl man einander noch nicht gekannt haben konnte. So ist denn auch Tapperts Werk als gleichrangig neben den bedeutenden Leistungen des deutschen Expressionismus anzusehen. Vor 1933 zählt er zwar zu den bekanntesten Berliner Künstlern, ist dann jedoch durch die Verfolgung unter den Nationalsozialisten und auch durch seine Eigenständigkeit neben den Künstlervereinigungen „Blauer Reiter“ und „Brücke“ lange Zeit in Vergessenheit geraten.



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