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Alexej von Jawlensky (1864 - 1941)

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Alexej von Jawlensky
"Stillleben: Rote Blumen in blauer Vase"
Öl auf Malkarton, um 1935
17,2 x 12,7 cm
Signiert mit dem Monogramm und „35“ datiert
Provenienz: Esther Preiswerk, Basel (bis ca. 1950); Blaise Thorens, Basel (bis 1985); Privatsammlung Süddeutschland
Werkverzeichnis Jawlensky/Pieroni, Band III, Nr. 1685, mit Abb. S. 143

Obwohl die Anfänge des künstlerischen Arbeitens von Alexej von Jawlensky auch auf dem Gebiet der zeichnerischen Darstellung zu finden sind, entwickelt sich die Farbe zum Kernstück seines Schaffens. Sie wird zum wertvollen und prägenden Kompositions- und Ausdrucksmittel seiner Kunst. Dabei konzentriert sich Jawlensky, zugunsten einer tief in die Materie vordringenden kunstspezifischen Auseinandersetzung, auf wenige Bildgattungen. Immer wieder greift er auf einmal gefundene Motive zurück, um deren formale Aspekte und Farbzusammen-hänge bis auf die Grundelemente auszuloten.

Das Gemälde „Stillleben: Rote Blumen in blauer Vase“ ist ein herausragendes Werk aus Jawlenskys spätem Œuvre, das durch eine schwere Erkrankung geprägt wird. Neben den spirituellen „Meditationen“, die im Zentrum seiner künstlerischen Arbeit in jenen späten Schaffensjahren stehen, widmet er sich seit Mitte der dreißiger Jahre einer Reihe von kleinformatigen Stillleben, ausschließlich Blumenmotiven. Im Format, malerischen Stil und in ihrer kräftigen Farbigkeit stehen diese Stillleben gleichrangig neben den „Meditationen“. In Jawlenskys Lebenserinnerungen ist über diese schwere Zeit zu lesen: „Seit 1929 leide ich an einer sehr schmerzlichen Krankheit (arthritis deformans), die von Jahr zu Jahr schlimmer wird. Und allmählich sind meine Arme und Hände steif und krumm geworden, und ich leide an schrecklichen Schmerzen. Da ich durch meine Steifheit in den Ellebogen und Händen sehr behindert wurde, musste ich mir eine neue Technik suchen.“1)

Die Schmerzen, die ihn aufs Krankenlager zwingen, schränken ihn stark in seiner Bewegungsfreiheit ein. Dennoch bietet ihm der schweifende Blick durch das Zimmer Inspiration und Anstoß zum künstlerischen Arbeiten: „Ich bin abseits von allem, mein Leben ist so begrenzt von meinem Zimmer, meiner Arbeit und meinen Gedanken, ich habe keine andere Freude außer meiner Arbeit.“2) Auf den kleinen, hochrechteckigen Malgründen sind dabei zumeist ein oder zwei Blumenvasen dargestellt, wobei Jawlensky je nach Gemütszustand zu dunklen oder leuchtenden Farben greift.

Unser Gemälde ist während eines Momentes der gesundheitlichen Besserung entstanden. Voller Zuversicht bäumt sich Jawlensky hier gegen die Bekümmernisse der Erkrankung. Das kontrastreiche Kolorit ist Ausdruck von unbändigem Schaffens-drang und Hoffnung: Der blaue Vorhang ist beiseite gezogen.

Das Licht der aufsteigenden Sonne fällt durch das Fenster und färbt es in ein strahlendes, heiteres Orange. Auf dem Fensterbrett davor ist das Gefäß mit den Blumen platziert. Vom Sonnenlicht umfangen, strahlen die Rosen in kräftigen Rot- und leuchtenden Rosatönen. Die kleine gebauchte Vase sowie der zu einer Rundform zusammengebundene Rosenstrauß stehen dabei im kontrastreichen Wechselspiel zu den längsrechteckigen Formen des Hintergrundes. Wenngleich sich Jawlensky am Naturvorbild orientiert, so reduziert er doch das Gesehene auf wenige, bezeichnende Grundformen und steigert die Farben bis zur höchsten Leuchtkraft. „Ich habe doch keine Flügel zum Fliegen. Vielleicht nur in meiner Kunst. Dann aber immer nach oben, so hoch wie ich nur kann. Ich suche dort Licht und Ruhe.3)

Anm.:
1)Alexej von Jawlensky, „Lebenserinnerungen“, in: Clemens Weiler, „Alexej Jawlensky, Köpfe, Gesichte, Meditationen“, Hanau 1970, S. 120.
2)Alexej von Jawlensky in einem Brief an Emmy (Galka) Scheyer, Wiesbaden, 14. Mai 1936, zitiert in: Museum Wiesbaden, „Alexej Jawlensky zum 50. Todesjahr – Gemälde und graphische Arbeiten“, Ausst.-Kat., Wiesbaden 1991, S. 294.
3)Alexej von Jawlensky zitiert in: „Alexej von Jawlensky und sein Kreis“, Ausst.-Kat., Essen 1991, S. 52.



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