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Max Peiffer Watenphul
(1896 - 1976)
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Georg Kolbe
"Mohn in chinesischer Vase"
Öl auf Leinwand, 1936
80 x 51 cm
Signiert mit dem Monogramm und „36“ datiert
Provenienz: Sammlung Dr. Watenphul
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"Habe heute mein erstes Pleinairporträt in der Lehmkuhle gemalt. Ein kleines, blondes, blauäugiges Dingelchen. Es stand zu schön auf dem gelben Sand. Es war ein Leuchten und Flimmern. Mir hüpfte das Herz. Menschen malen geht doch schöner als eine Landschaft“1), mit diesen Worten beschreibt Modersohn-Becker ihre Begeisterung und künstlerische Entwicklung während ihres ersten Aufenthaltes in Worpswede im Jahre 1897. Im Herbst des folgenden Jahres lässt sich die junge Künstlerin endgültig in dem Moordorf, 20 Kilometer vor den Toren der Stadt Bremen gelegen, nieder. Ein Drittel der bis zu ihrem frühen Tod im Jahre 1907 in Worpswede und unter dem Eindruck wiederholter Parisaufenthalte entstandenen, mehr als 700 Gemälde kreist in vielgestaltiger Weise um das Sujet des Kindes.
Ein ungewöhnlich leuchtender, goldgelber Klang bestimmt die Wirkung unseres Stilllebens von Max Peiffer Watenphul im steilen Hochformat. Er verwandelt die Räumlichkeit der Dinge im Bild – die Wand und den Tisch – in eine immateriell glänzende Fläche, verleiht ihr ein Strahlen, das sich mit dem Gedanken des Anspruchs auf Ewigkeit verbindet. Der leicht aus dem Bildzentrum gerückten, schwarzen chinesischen Vase entspringen Mohn- und Kamillenblüten sowie Gräser in mannigfaltigster Form, farbig differenzierte rote Kreise und weiß-gelbe Tupfstrukturen werden begleitet von zeichenhaft-filigranen Linien. Auffällig beschwört die neben der Vase liegende, zum Ornament stilisierte Mohnblume den Vanitasgedanken.
„Peiffer Watenphul beherrschte die Kunst der Verwandlung seiner Motive [...]: sie werden transzendiert. Das ist ein eigenartiger und komplexer Prozess. Einerseits tritt die materielle Beschaffenheit der Motive zurück, andererseits wirkt Materie als Malgrund, als rauhes, nicht verdecktes Leinengewebe bei der Gestaltung des Ausdrucks entscheidend mit. Es entsteht ein atmosphärisch dichter Schwingungsraum, an dem alles teilhat, alles ist wie entmaterialisiert und zu Lyrik geworden, im Charakter herb und spröde und fern von allem gefällig Glatten, dazu groß empfunden und knapp formuliert, konzentriert komponiert, spontan im Duktus, das Gerade und Feste ohne Starrheit. Dieser ’Dichtung’ eignet innere Weite, aber auch Ernst“1), schreibt Hans Günter Wachtmann.
Auf den Dualismus der Blumenbilder dieses Künstlers verweist auch Gustav René Hocke, wenn er sie als „Weltdrama“ interpretiert, als „eine Weise von Liebe und Tod, ein Gleichnis für Wunder, Geheimnis und Schönheit, eine Spiegelung von Ur-Phänomenen [...]: Verzückung und Erschütterung angesichts von Blättern, Blüten und Früchten. Eine doppelte Fühlweise also! Sie schließt Schönheitsfreude und – wiederrum – Ergriffenheit vor Glanz und Vergänglichkeit rätselhafter Farbenprächte, mannigfacher köstlicher Düfte und schmackhafter Früchte ein [...]. Um ’atmende Lebewesen’ sui generis handelt es sich, die beglückend wirken, aber in ihrem allerersten Welken schon vom Tode künden, also vom sterblichen Paradies, von dramatischen Verhält-nissen in berückender Vollendung.“2)
Anm.:
1)Hans Günter Wachtmannn, „ Max Peiffer Watenphul“,
Köln 1991, S. 20.
2)Gustav René Hocke, „Max Peiffer Watenphul“,
Stuttgart/Zürich 1976, S. 23.
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