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Hermann Max Pechstein (1881 - 1955)

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Hermann Max Pechstein
"Kornfeld"
Öl auf Leinwand, 1922
70,4 x 80,5 cm
Signiert
Rückseitig nochmals signiert, datiert, betitelt und „25“ nummeriert. Auf dem Keilrahmen mit dem Fragment eines alten Papieraufklebers mit der Beschriftung „No. 15 / [K]ornfeld“ versehen.
Provenienz: Privatsammlung Berlin

Hermann Max Pechstein gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des deutschen Expressionismus. Als Absolvent der Kunstakade-mie in Dresden tritt er 1906 der Künstlergemeinschaft „Brücke“, deren Mitglieder Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff und Fritz Bleyl sind, bei. Gemeinsam ziehen die jungen Künstler los, um neue Landschaften und Eindrücke in ihren Bildern zu verarbeiten. 1907/08 verbringt er ein Jahr in Italien und Frankreich und zieht anschließend nach Berlin. Im Jahre 1912 führt Pechsteins zielstrebiges Verfolgen der eigenen künstlerischen Karriere und nicht zuletzt auch seine große Popularität zum Bruch mit den Brücke-Kollegen. Für Pechstein, der sich zunehmend in seiner Unabhängigkeit bedrängt sieht, ist das Ausscheiden auch eine Befreiung von den Zwängen der Gruppe. Die Kriegsjahre bedeuten für den Künstler schwere Jahre des Leids und der Entbehrungen. Nach dem Ende des ersten Weltkrieges findet Hermann Max Pechstein seine Lebensfreude und Energie wieder. Nach der Trennung von seiner ersten Frau Lotte verbringt der Maler seine Sommermonate nicht mehr wie gewohnt in Nidden, da ihn der Ort an die gemeinsame Zeit erinnert, sondern in Leba in Hinterpommern. Über die ersten Eindrücke berichtet er: „[…] neue Landschaft, neue Menschen, ich habe mich hineingefressen. […] Dazu habe ich das Ackerland hinten, also ein bedeutend breiteres Arbeitsfeld als in Nidden.“1) Dieser Neubeginn macht sich auch in seinem Werk bemerkbar, denn nach der expressionistischen „Brücke-Zeit“ ist die Malerei der zwanziger Jahre bei Pechstein von einer unabhängigen Formgestaltung und kostbaren Farbigkeit geprägt. Diese Zeit ist eine sehr intensive und arbeitsreiche Schaffensphase, insbesondere das Jahr 1922: Pechstein malt in jenem Sommer unser querformatiges Ölbild „Kornfeld“. Auf seinen Streifzügen durch die Umgebung entdeckt der Künstler reizvolle Motive, die er auf der Leinwand festhält. Bei Pechstein findet nun eine Richtungsänderung statt, eine neue Leichtigkeit dominiert das Bild. Das Bild ist in der klassischen Hell-Dunkel Komposition aufgeteilt und vom Vordergrund in die Tiefe gestaffelt. Mit breitem Pinselstrich erfasst der Künstler die hinter dem Kornfeld liegenden Bauernhäuser. In großen und farbigen Flächen aufgeteilt, entsteht ein bestechendes farbiges Zusammenspiel aus Gelb, Rot, Grün und Blau, welche satt leuchten und die Atmosphäre eines sommerlich heißen Tages einfangen. Auch hebt das Bild die wiedergewonnene Lebenskraft des Künstlers deutlich hervor, der in dem Ort Leba zwischen den Dünen gelegen sein neues Sommerdomizil gefunden hat. Pechstein kann die ihm vertraute Landschaft weiter darstellen und bestimmte Motive werden immer wieder in seinem Schaffen anzutreffen sein, wie er seinem Freund Paul Fechter wissen lässt: „Mein Gehirn ist nur mit Bildern gefüllt und jagt mich die Idee des zu Malenden von einem Ort zum andern.“2)



Anm.: 1)Hermann Max Pechstein zitiert in: Magdalena Moeller (Hg.), „Max Pechstein – Sein malerisches Werk“, Ausst.-Kat. Brücke Museum Berlin, München 1996, S. 18. 2) Ebenda, S. 18.



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