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Ernst Barlach (1870 - 1938)

Verfügbare Arbeiten Biographie

© Ernst Barlach Lizenzverwaltung, Ratzeburg

Werk:

Bereits Barlachs frühe Arbeiten setzen sich mit dem Menschen, seinen Lebensbedingungen und seinen Haltungen zum Leben auseinander. Besonders beschäftigte er sich nach seiner Einberufung 1915 zum Landsturm mit dem Erlebnis „Krieg“. Ab 1910 nahm er regelmäßig an Ausstellungen der Berliner Secession, des Sonderbundes und beim Kunstsammler Paul Cassirer in Berlin teil. Seit diesem Zeitpunkt war sein Wohnsitz Güstrow. Hier entstand auch sein Hauptwerk. 1925 wurde er Ehrenmitglied der Akademie der Bildenden Künste München.

In kurzen Abständen entstehen seine Dramen „Der tote Tag“ (1912), „Der arme Vetter“ (1918), „Die echten Sedemunds“ (1920), „Der Findling“ (1922), die „Sündflut“ (1924), „Der blaue Boll“ (1926) und 1927 arbeitet er am Drama „Der Graf von Ratzeburg“.

Als Bildhauer schuf er Ehren- und Mahnmale, die nach 1933 entfernt bzw. zerstört und nach 1945 wieder erneuert wurden, z.B. Der schwebende Engel im Dom von Güstrow. Der Geistkämpfer in Kiel und eine Figurengruppe im Magdeburger Dom wurden wieder aufgestellt. Barlach war auch bekannt für seine Holzplastiken und Bronzen, außerdem hinterließ er ein vielgestaltiges druckgraphisches, zeichnerisches und literarisches Werk.

1922 wurde in Kiel das erste Ehrenmal „Schmerzensmutter“ eingeweiht. Das Ehrenmal für die Gefallenen „Der Schwebende“ im Güstrower Dom entstand 1927. Bereits ein Jahr später (1928) wurde vor der Kieler Universitätskirche der „Geistkämpfer“ aufgestellt. 1929 folgte das Ehrenmal im Magdeburger Dom, 1931 das Hamburger Ehrenmal. Der Entwurf einer Pieta für Stralsund kam 1932 wegen Anfeindungen aus nationalsozialistischen Kreisen nicht mehr zur Vollendung. Die gegen Barlach entfachte Rufmordkampagne führte 1934 zur Magazinierung des Magdeburger Ehrenmals, 1937 zur Entfernung des Kieler „Geistkämpfers“ und des Güstrower Ehrenmals, das eingeschmolzen wurde. 1938 folgte die Entfernung des Reliefs „Trauernde Mutter mit Kind“ vom Hamburger Ehrenmal und der erzwungene Austritt aus der Preußischen Akademie der Künste. Mehr als 400 seiner Werke wurden als „entartete Kunst“ aus öffentlichen Sammlungen entfernt, und 1937 belegte ihn die Reichskammer der Bildenden Künste mit einem Ausstellungsverbot.

Ein Großteil seiner Werke befindet sich heute in Güstrow - in seinem Atelier am Inselsee, in der Gertrudenkapelle und im Güstrower Dom, für den vom Zweitguss des Schwebenden in der Kölner Antoniterkirche einer neuer Abguss abgenommen wurde -, in den Museen der Ernst-Barlach-Gesellschaft in Ratzeburg und Wedel sowie im Ernst-Barlach-Haus in Hamburg. Einige seiner Werke wurden posthum auf der documenta 1 (1955), und der documenta III im Jahr 1964 in Kassel gezeigt.

Leben:

2. Januar 1870 Ernst Heinrich Barlach in Wedel/Holstein geboren.
1872 Umzug nach Schönberg/Mecklenburg
1884 Tod des Vaters
1891 bis 1896 Studium der Bildhauerei an der Königlichen Akademie der bildenden Künste in Dresden bei Robert Diez
1895 bis 1896 Studienaufenthalt in Paris, danach Friedrichroda/Thüringen
1897 bis 1899 Zweiter Aufenthalt in Paris, danach Hamburg. Gestaltung des Giebelreliefs am Altonaer Rathaus
1899 bis 1905 Arbeit als Bildhauer und Lehrer
1905 Für ein halbes Jahr als Lehrer an der Fachschule für Keramik in Höhr-Grenzhausen/Westerwald tätig, danach Übersiedlung nach Berlin
1906 Rußland-Reise, künstlerischer Neubeginn nach schwerer persönlicher und künstlerischer Krise
1907 Ausstellung in der Berliner Secession, Bekanntschaft mit Kunsthändler Cassirer, der Barlachs Werke gegen ein jährliches Salär übernimmt
1909 Italien-Reise, Bekanntschaft mit Künstlern verschiedener Genres
1910 Übersiedlung nach Güstrow/Mecklenburg. Hier hat er nach seinen Bedürfnissen ein Atelier und Wohnhaus am Inselsee bauen lassen, das noch heute besichtigt werden kann und in dem ein Großteil seiner Werke ausgestellt werden.
1912 erstes Drama "Der tote Tag"
1913 Mecklenburg-Reise mit Theodor Däubler, Roman "Seespeck", Arbeit an den "Güstrower Fragmenten"
1914 bis 1917 Landsturmsoldat, Helfer in einem Güstrower Kinderhort
1918 sozialkritische Schnitte über die Kriegsnot, Drama "Der arme Vetter"
1919 Ordentliches Mitglied der Preußischen Akademie der Künste in Berlin
1920 Drama "Die echten Sedemunds"
1921 Aufenthalt in Kiel, Arbeit am "Denkmal für die Gefallenen" an der Kieler Nikolaikirche
1922 "Schmerzensmutter" in der Kieler Nikolaikirche, Lithographien "Die Ausgestoßenen", Holzschnittfolge "Die Wandlungen Gottes", Drama "Der Findling"
1924 Bekannschaft mit Ehepaar Bernhard und Marga Böhmer
1926 engere Bindung an die Böhmers, oftmalige Aufenthalte am Güstrower Heidberg
1927 Autobiographie "Ein Selbsterzähltes Leben", "Denkmal für die Gefallenen" in Güstrow
1928 Aufstellung des "Kieler Mals" an der Kieler Universitätskirche
1931 Ausstellung von Skulpturen im Museum of Modern Art, New York, Bezug einer gemeinsamen Wohnung mit Marga Böhmer
1933 bis 1938 Entfernung verschiedener Werke durch die Nartionalsozialisten, Barlach gilt als "entartet"
24. Oktober 1938 Ernst Barlach in der Rostocker Klinik St. Georg gestorben

Auszeichnungen und Ehrungen:

1909: Villa-Romana-Preis, verbunden mit einem Stipendium in Florenz
1924: Kleist-Preis
1925: Ehrenmitglied der Kunstakademie München
1931: Ehrenmitglied des Vereins deutscher Buchkünstler
1933: Orden Pour le mérite
1936: Ehrenmitglied der Wiener Secession
1936: Ehrenmitglied des Künstlerverbandes Österreichischer Bildhauer der Akademie der bildenden Künste Wien

Weblinks:

Ernst Barlach Lizenzverwaltung, Ratzeburg
Ernst Barlach Gesellschaft, Hamburg
Ernst Barlach Haus, Hamburg
Ernst Barlach Stiftung, Güstrow

Literatur:

Autobiografie und Briefe

Ernst Barlach: "Ein selbsterzähltes Leben". Berlin, 1928, Paul Cassirer. Mit 25 Illustrationen und 83 Abbildungen auf Tafeln (Fotografien von Barlachs Werken) - Nachgedruckt 1948 und 1962, Piper & Co Verlag, München
Ernst Barlach: "Frühe und späte Briefe", Hrsg. von P. Schurek und H. Sieker. Hamburg, 1962, Claasen

Aufsätze

Lexikon der Kunst, Bd.1 (1987), S.404-406
Ursula Peters: Moderne Zeiten. Die Sammlung zum 20. Jahrhundert in Zusammenarbeit mit Andrea Legde, Nürnberg 2000 (Kulturgeschichtliche Spaziergänge im Germanischen Nationalmuseum, Bd.3), S.81-83

Monographien

Brigitte Birnbaum: Ernst Barlach - Annäherungen. Demmler Verlag, Schwerin 1996, ISBN 3-910150-32-2
Ditte Clemens: Marga Böhmer, Barlachs Lebensgefährtin. Demmler Verlag, Schwerin 1996, ISBN 3-910150-35-7
Jürgen Doppelstein (Hrsg.): Barlach und Goethe (Ausstellungskatalog). Seemann, Leipzig 1997, ISBN 3-363-00665-9
Johann Wolfgang von Goethe: Gedichte. Mit Steinzeichnungen von Ernst Barlach. Edition Leipzig, Leipzig 1978
Naomi J. Groves: Ernst Barlach, Leben im Werk. Plastiken, Zeichnungen und Graphiken, Dramen, Prosawerke und Briefe (Auswahl). Langewiesche Verlag, Königstein/T. 1972, ISBN 3-7845-4150-X
Elmar Jansen (Hrsg.): Die Ernst Barlach Museen. Güstrow, Ratzeburg, Hamburg, Wedel. E. A. Seemann, Leipzig 1998, ISBN 3-363-00682-9
Catherine Krahmer: Ernst Barlach, mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Reinbek: Rowohlt, 1984 (Jan. 2002 in 8. Aufl.) ISBN 3-499-50335-2
Elisabeth Laur: Ernst Barlach, die Druckgraphik (Werkverzeichnis 1). Seemann, Leipzig 2001
Wolfgang Maier-Preusker: Ernst Barlach (1870-1938). Biographische Notizen und Dokumentation der Holzschnitte zum Drama "Der Findling" von 1922. Selbstverlag, Wien 2003
Curd Ochwadt (Hrsg.): Ernst Barlach, Hugo Körtzinger und Hermann Reemtsma, Briefwechsel. Ein Beitrag zur Biographie der letzten Lebensjahre Ernst Barlachs mit 30 bisher unveröffentlichten Briefen Barlachs. Hejo-Verlag, Hannover 1988, ISBN 3-924212-02-3
Peter Paret: Ein Künstler im Dritten Reich. Ernst Barlach 1933–1938. Wjs-Verlag, Berlin, 2006, ISBN 3-937989-15-3
Friedrich Schult: Barlach im Gespräch. Insel-Verlag, Leipzig 1989, ISBN 3-7351-0081-3

Belletristik

Alfred Andersch: Sansibar oder der letzte Grund; Die Plastik des Lesenden Klosterschülers ist nach Barlachs Buchleser und Singendem Klosterschüler gestaltet.
Franz Fühmann: Barlach in Güstrow. Reclam Leipzig 1993, ISBN 3-379-00277-1

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