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Willi Baumeister (1889 - 1955)

Verfügbare Arbeiten Biographie


Willi Baumeister
"Fantome auf Grün"
Öl mit Kunstharz auf Hartfaserplatte ; 1951
46 x 54 cm
Signiert. Rückseitig nochmals signiert, datiert und betitelt.
Expertise: Felicitas Baumeister, Archiv Baumeister, Stuttgart.
Aufgenommen in den in Vorbereitung befindlichen Nachtrag des Werkkatalogs der Gemälde von peter Beye und Felicitas Baumeister.
Provenienz: Hanna Bekker vom Rath, Frankfurt ; Privatsammlung USA


Das Jahr 1945 bezeichnet die ,,Stunde Null" in der Geschichte der deutschen Malerei. Der Krieg hatte die großen Kunstmetropolen mit ihren Akademien zerstört und einen Großteil der Galerien vernichtet. Zahlreiche Künstler waren ins Exil geflohen, verstorben oder befanden sich noch in Kriegsgefangenschaft. Vor diesem Hintergrund gleicht der Entwicklungsweg Willi Baumeisters eher einer Ausnahme. Er gehört zu einer kleinen Anzahl von Künstlern, die trotz des Arbeitsverbotes und ihrer Diffamierung als ,,entartete Künstler" wahrend der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland geblieben waren und die unmittelbar nach Kriegsende wieder in das Blickfeld der Öffentlichkeit traten. Bereits 1946 wurde er an die Kunstakademie in Stuttgart berufen. Ein Jahr spater veröffentlichte er sein seit langer Zeit vorbereitetes Kompendium ,,Das Unbekannte in der Kunst". Ein Buch, das über die abstrakte Kunst ,,aufklären" will und den Zugang zu vielen seiner eigenen Werke erleichtert.

"Das Kunstschaffen ist ein einfacher Vorgang vom Standpunkt des originalen Künstlers aus", so ist bei Baumeister zu lesen, ,,Alle Kräfte, die Kräfte des Künstlers, des Scheinziels, die der malerischen Mittel, werden lebendig durch die Magie, die das Unbekannte als magnetische Kraft ausstrahlt. Nichts kann ohne den Magnet des Unbekannten wahrhaft entstehen. (...) Es enthält Naturkräfte, die der Künstler nicht kennt, um so mehr aber in sich führt".1) Das Unbekannte bezieht sich auf das Geheimnis der Schöpfung. Es steht in unmittelbarem Zusammenhang mit den Wirkkräften der Natur und spielt eine wesentliche Rolle in der abstrakten Malerei. Es ist zugleich die Quintessenz von Willi Baumeisters Kunst, die auch bei unserem Gemälde ,,Fantome auf Grün" erfahrbar wird. Schon im Titel verweist Baumeister auf etwas Geheimnisvolles, denn als Phantome bezeichnen wir widersinnige Träumereien und Phantasiegebilde ebenso wie etwas Nicht-Benennbares oder Unfaßbares.

Die Komposition selbst gleicht dem Blick durch ein Mikroskop. Auf der gesamten Bildfläche verteilt, bewegen sich große und kleine amorphe Gebilde auf einem leuchtend grünen Grund. Eine Welt voll unbekannter Naturformen und Lebewesen. Besonders signifikant ist eine große blaue, mit roten Punkten akzentuierte Form in der linken Bildhälfte, die sich schwebend zur Bildmitte bewegt. Mit ihrem auskragenden Arm an der Unterseite der Form, fühlt sich der Betrachter an ein Tier oder Vergleichbares erinnert. Am unteren Bildrand taucht, wie ein Fisch, der zum Luftholen zur Wasseroberfläche vordringt, ein gelb-weißes Halboval auf. Darüber befinden sich zwei weitere weiße Formen, die die ovale Form begleiten. Den farbigen Valeurs stellt Baumeister in der rechten Bildhälfte schwarze Formgebilde gegenüber. Sie wirken wie eine konsequente Weiterentwicklung aus den Figuren der Eidos-Bilder, die zwischen 1938 und 1940 entstanden. Mit ihrer dunklen Tonung und ihren ,,ausfransenden" Rändern erscheinen sie wie fossile Funde, die seit Jahrhunderten in der Tiefe der Erde verborgen liegen und nun erstmals das Tageslicht erblicken.

Das Verborgene und Unbekannte sichtbar zu machen, ist ein zentrales Leitmotiv des Künstlers, das sein ganzes Werk durchzieht. Baumeister eröffnet uns mit seinen Gemälden eine Dingwelt, die weit außerhalb unserer Vorstellungswelt liegt. Die amöbenhaften Gebilde aus seiner Phantasiewelt beginnen ein Eigenleben auf der Bildfläche zu führen. Sie gemahnen an das Absolute, an das unfassbare Leben und die der Natur zugrunde liegenden Urkräfte. Anm.: 1) Willi Baumeister, Das Unbekannte in der Kunst, Köln 1988, S.149 f.

Falls Sie weiterführende Informationen zum Künstler oder Bildmaterial der abgebildeten oder weiterer verfügbarer Arbeiten benötigen sollten, senden Sie uns bitte eine Email an: mail@ludorff.com


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