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Werk:
Der Maler, Bildhauer, Zeichner und Dichter Max Ernst ist einer der wichtigsten Vertreter des Dadaismus und Surrealismus im 20. Jahrhundert. Er will weiter sehen als andere, will Wirklichkeit umfassender wahrnehmen. Deshalb geht er dem Sichtbaren unter die Haut, begibt sich auf Tauchfahrt ins Unbewusste.
Immer wieder verwandelt sich sein Leben, pendelt der Weltbürger Max Ernst zwischen Deutschland, Frankreich und Amerika. Und mit ihm verwandelt sich seine Kunst. Denn überall, ob in den Maserungen des Holzes oder im nicht beachteten Alltagsgegenstand spürt er eigene mikroskopische Universen auf, reibt sie mit dem Zeichenstift hervor (Frottage) oder kratzt sie aus den Farbschichten seiner Leinwände heraus (Grattage).
Leben:
1891-1917: Max Ernst wird am 2. April 1891 in der Schlossstraße in Brühl als drittes von insgesamt neun Kindern des Taubstummenlehrers Philipp Ernst und Luise geb. Kopp geboren. Während seines Studiums in Bonn (1910-14: u. a. Klassische Philologie, Kunstgeschichte, Philosophie, Psychologie) beginnt er zu malen. Auf der Suche nach seinem eigenen Stil schließt er sich zunächst August Macke und den Rheinischen Expressionisten an. 1913 schreibt Ernst Kunst- und Theaterkritiken und beteiligt sich an der Ausstellung "Rheinische Expressionisten" in Bonn. Er lernt Hans Arp und Robert Delaunay kennen. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs meldet er sich 1914 freiwillig zum Militärdienst. Von 1914-1918 war Ernst in Frankreich und Polen im Einsatz. 1915 stellt Ernst in der Berliner Galerie "Der Sturm" aus und lernt während eines Fronturlaubs George Grosz und Wieland Herzfelde kennen. 1917 beteiligt sich Ernst an der "2. Sturm-Ausstellung" in der Galerie Dada in Zürich.
1918-1922: 1918 wird Ernst gegen seinen Willen zum Leutnant befördert. Nach Ende des Kriegs kehrt er nach Köln zurück. Heirat mit Luise Straus. Aus der Ehe geht sein Sohn Hans-Ulrich (1920-1984) hervor, der später unter dem Namen Jimmy Ernst in den USA als surrealistischer Maler bekannt wurde.
Nach seiner Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg wendet er sich wie viele junge desillusionierte Künstler dem Dadaismus zu. Mit seinen Kollegen Hans Arp und Johannes Theodor Baargeld begibt er sich auf die Suche: nach einer Wahrheit jenseits der klassischen Malerei, deren Scheinwirklichkeit sie genauso ablehnen wie traditionelle gesellschaftliche Werte. 1919 gründet er zusammen mit Arp die Kölner Gruppe "Zentrale W/3". 1920 lernt Ernst den Schriftsteller Paul Éluard (1895-1952) und seine Frau Gala kennen. In der Folgezeit entstehen zahlreiche Collagen. 1921 stellt Ernst erstmals in Paris aus und arbeitet intensiv mit Éluard an dem Gedichtband "Répétitions".
1922-1941: Angeregt durch Éluard und den Schriftsteller Andre Breton siedelt Max Ernst 1922 vollständig nach Paris über. Er wird von nun an über 20 Jahre in Paris und in Saint-Martin d'Ardèche (bei Avignon) verbringen. Er nimmt von nun an auch regelmäßig an Sitzungen und Ausstellungen der Surrealisten teil. 1923 wird Ernsts Gemälde "Rendez-vous der Freunde" im "Salon des Indépendants" ausgestellt. Mit dem Erlös aus seinen ersten verkauften Bildern reist Max Ernst 1924 gemeinsam mit Éluard nach Indochina. 1924 erfindet Max Ernst eine neue graphische Abreibetechnik für Bleistiftzeichnungen, die "Frottage", und ein Jahr später die für die Malerei adäquate "Grattage". Diese Techniken bestimmen den für ihn typischen Stil. 1926 wurde seine erste Ehe geschieden. 1927 entstehen erste Bildserien seiner ikonenhaften Vogel-, Wald- und Muschelmotive. 1930 übernimmt er die Rolle eines Räuberhauptmanns in dem surrealistischen Film "L'age d'or". 1932 nimmt er an der Gründungsveranstaltung der "Association des écrivains et artistes révolutionnaires" teil. 1933 wird Max Ernst von den Nationalsozialisten verfemt, seine Kunst als entartet gebrandmarkt. 1934 beginnt Ernst, auch an Skulpturen zu arbeiten. 1935 entstehen erste Bilder mit Dschungelmotiven und versteinerten Städten (Villes Entieres). Auf der NS-Ausstellung "Entartete Kunst" werden 1937 zwei seiner Gemälde gezeigt. Eines ist die "Schöne Gärtnerin" von 1924, ein Nacktportrait von Gala, welches seither als verschollen gilt. 1938 zog er sich mit Leonora Carrington nach St. Martin d'Ardèche in ein abgelegenes Bauernhaus zurück, wo trotz widriger Umstände wichtige Werke wie "Ein wenig Ruhe" und "Die faszinierende Zypresse" vollendet wurden. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wird Ernst 1939 als Deutscher in Frankreich interniert, doch auf Intervention Éluards zu Weihnachten wieder freigelassen. 1940 wird Ernst erneut interniert. Er bricht zweimal aus dem Internierungslager aus.
1941-1953: 1941 flüchtet der mittlerweile 50-jährige durch die Mithilfe seiner Mäzenin Peggy Guggenheim über Madrid und Lissabon in die Vereinigten Staaten. In den USA wird er zunächst als "feindlicher Ausländer" geführt. Heirat mit der Kunstsammlerin Peggy Guggenheim. Die Ehe wird zwei Jahre später geschieden. Ab 1942 gibt Ernst mit anderen Exilanten die Zeitschrift "VVV" heraus. Sie wird zum Ausgangspunkt einer surrealistischen Bewegung in den USA. Ernst nimmt weiterhin an surrealistischen Ausstellungen teil und beginnt verstärkt als Bildhauer zu arbeiten. 1946 heiratet er in Beverly Hills die Malerin Dorothea Tanning. Im selben Jahr gewann er den Bel Ami Wettbewerb mit seinem Gemälde "Die Versuchung des heiligen Antonius" und ließ sich mit Tanning in Arizona nieder. Mit seinem Rückzug aus New York in die karge Landschaft von Sedona (Arizona) beginnt eine Liebes- und Sammlungsgeschichte. Denn hier – mit und für seine vierte Frau – entwirft er zum Teil gewaltige Skulpturen wie „Capricorne" oder „The King playing with the Queen". 1948 erhält Ernst die amerikanische Staatsbürgerschaft. Zum Anlaß seines 60. Geburtstags veranstaltet die Stadt Brühl 1951 eine große Retrospektive, die an weiteren Orten gezeigt wird.
1953-1976: Rückkehr nach Paris. Max Ernsts Rückkehr nach Europa bringt für ihn den großen internationalen Durchbruch und Erfolg. 1954 erhält er den großen Preis für Malerei auf der 27. Biennale in Venedig. Max Ernst nimmt er an der documenta 1 in Kassel teil. Große Retrospektiven würdigen sein Schaffen. Seine Malerei wird unbeschwerter, seine inneren Welten beginnen auf der Leinwand zu leuchten. Himmel und Erde, Luft und Wasser fließen ineinander, wirbeln lebhaft, verflüchtigen sich.
Die Zeitschrift "Médium" gibt 1955 den Ausschluß Ernsts aus dem französischen Surrealistenkreis bekannt, da er den Malereipreis der 27. Biennale von Venedig im Jahr zuvor angenommen hat. Ernst siedelt nach Huismes bei Tours (Frankreich) über. 1956 wird Ernst Mitglied der Berliner Akademie der Künste und 1958 französischer Staatsbürger. Teilnahme an der documenta II (1959). 1960 wird Max Ernsts Buch "La nudité de la femme est plus sage que l'enseignement du philosophie" veröffentlicht. 1961 findet eine umfassende Retrospektive im Museum of Modern Art in New York statt. Peter Schamoni (*1934) dreht 1963 in Huismes den Film "Max Ernst - Entdeckungsfahrten ins Unbewußte". 1964 nimmt Max Ernst an der documenta III teil. Im selben Jahr wird ihm die Ehrenprofessur durch die Regierung Nordrhein-Westfalens verliehen. Er siedelt nach Seillans in der Provence über. 1966 wird er zum Offizier der Ehrenlegion ernannt. Da das Verhältnis zu seiner Geburtsstadt Brühl seit mehreren Ereignissen während seiner ersten deutschen Einzelausstellung in der Stadt 1951 immer noch getrübt war, lehnt Ernst 1966 die Ehrenbürgerschaft der Stadt ab. Erstmals besuchte er Brühl 1971, um der Einweihung des „Max-Ernst-Brunnens“ vor dem Rathaus beizuwohnen. 1970 wird ihm die Ehrendoktorwürde der Universität Bonn verliehen. 1975 reist Max Ernst zur Eröffnung der Retrospektive im Solomon R. Guggenheim Museum nach New York. Es findet eine weitere, die letzte Retrospektive zu Lebzeiten, im Pariser Grand Palais statt. 1976 wird ihm der Goslarer Kaiserring verliehen. Max Ernst stirbt am 1. April 1976, eine Nacht vor seinem 85. Geburtstag in Paris. Begraben wurde er nach seiner Einäscherung im Columbarium des Friedhofes Père Lachaise zu Paris.
Ihrem großen Sohn der Stadt zu Ehren eröffnete die Stadt Brühl 2005 das neue Max Ernst Museum Brühl.
Auszeichnungen und Ehrungen:
1954: Großer Preis für Malerei auf der 27. Biennale in Venedig, Italien
1964: Ehrenprofessur durch die Regierung Nordrhein-Westfalens
1966: Ernennung zum Offizier der Ehrenlegion Frankreichs
1970: Ehrendoktorwürde der Universität Bonn
1976: Kaiserring der Stadt Goslar
Weblinks:
Max Ernst Museum, Brühl
Arbeiten von Max Ernst im Museum of Modern Art, New York, USA
Literatur:
Monographien
Werner Spies: "Max Ernst - Retrospektive zum 100. Geburtstag". Prestel-Verlag, München 1991, ISBN 3-7913-1122-0
Werner Spies, Max Ernst - Leben und Werk, DuMont Verlag, Köln, 2005, ISBN: 3-8321-7521-0
Werner Spies; Sabine Rewald, Max Ernst - A Retrospective, The Metropolitan Museum of Art, New York, 7. April - 10. Juli 2005, ISBN: 0300107188
Ulrich Krempel (Hrsg.), Sprengel Macht Ernst - die Sammlung Max Ernst im Sprengel Museum, Hannover, 2006, ISBN: 3-89169-195-5
Jürgen Pech, Max Ernst - plastische Werke, DUMont Verlag, 2005, ISBN: 3-8321-7538-5
Martin Faass: Max Ernst - Traumlandschaften, Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Kunsthaus Apolda Avantgarde, Hamburg, 13. Juni - 5. September 2004, verlegt vom Ernst-Barlach-Haus - Stiftung Hermann F. Reemtsma, Hamburg, ISBN: 3-9807916-7-X
Gert Reising, Max Ernst: zwischen Traum und Wirklichkeit, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, Ausstellung vom 25. März bis 18. Juni 2000, ISBN: 3-925212-46-9
Karoline Hille: Gefährliche Musen: Frauen um Max Ernst, Edition Ebersbach, 2007, ISBN 3938740361
Lothar Fischer: Max Ernst: Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, Rowohlt Taschenbuch, 2005, ISBN 3499501511
Werner Spies (Hrsg.): Une Semaine de Bonté - Die weiße Woche: Ein Bilderbuch von Güte, Liebe und Menschlichkeit von Max Ernst, Dumont Buchverlag, 2008, ISBN 3832190783
Werner Spies (Hrsg.): Das Karmelienmädchen. Ein Traum, DuMont Reiseverlag, 1984, ISBN 3770106059
Werner Spies: Max Ernst 1950-1970. Die Rückkehr der Schönen Gärtnerin, DuMont Reiseverlag, 2002, ISBN 3770145534
Werner Spies: Max Ernst. Collagen.. Inventar und Widerspruch, DuMont Reiseverlag, 1974, ISBN 3770106520
William A. Camfield: Max Ernst. Dada and the Dawn of Surrealism, Prestel Verlag, 1993, ISBN 379131260X
Silvana Schmid: Loplops Geheimnis: Max Ernst und Leonora Carrington in Südfrankreich, Anabas Verlag, 2003, ISBN 3870383380
Werner Spies: Max Ernst, Skulpturen, Häuser, Landschaften, Dumont Buchverlag, 1998, ISBN 3832141642
Pierre Gallissaires (Hrsg.): Schnabelmax und Nachtigall: Texte und Bilder, Edition Nautilus, 2006, ISBN 3894014881
Werner Spies (Hrsg.):Max Ernst: Dream and Revolution, Hatje Cantz Verlag, 2008, ISBN 3775722351
Werner Spies (Hrsg.): Max Ernst: Im Garten der Nymphe Ancolie, Hatje Cantz Verlag, 2007, ISBN 3775720375
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