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Erich Heckel (1883 - 1970)

Verfügbare Arbeiten Biographie


Erich Heckel
"Häuser am Wasser"
Aquarell über schwarzer Kreide ; 1912
30,9 x 36,5 cm
Signiert, datiert und "Häuser am Wasser" betitelt.


Bei der Gründung der Künstlergruppe ,,Brücke" im Jahr 1905 ist Erich Heckel die treibende Kraft. Er hat eine idealistische, fast schwärmerische Vorstellung von der künstlerischen Gemeinschaft und das Zurückstellen eigener Interessen ist ihm dabei selbstverständlich. Eine seiner ersten Begegnungen mit Heckel schildert Fritz Bleyl, der mit Ernst Ludwig Kirchner in Dresden bereits freundschaftlich verbunden ist, wie folgt: ,,1904 trat nach seinem in Chemnitz abgelegten Abitur ein anderer junger Kunstbeflissener unserem Freundeskreis bei, ein selbstbewußter, eigenwilliger Jüngling, mit hoher, geistvoller Stirn. Er machte einen asketischen Eindruck und war voll Begeisterung fur alles Künstlerische. Es war Erich Heckel."1) Er ist es auch, der in Dresden-Friedrichstadt ein leeres Ladenlokal zum Atelier umbaut, wo sich die vier Freunde Ernst Ludwig Kirchner, Fritz Bleyl, Karl Schmidt-Rottluff und eben Heckel selbst zusammenfinden: Sie arbeiten und diskutieren nicht nur gemeinsam, sie leben auch hier und teilen die Sorgen des Alltags. Der Schwung, der die Gruppe acht Jahre lang bis 1913 zusammenhält, hat in dieser Gemeinschaft ihren Ursprung. Es ist der Glaube an eine neue Brüderlichkeit, an die Solidarität aller Menschen, die vor allem von der künstlerischen Jugend zu verwirklichen sei. Nur im Kollektiv, so meinen die ,,Brücke-Maler" seien die Stürme der Zeit zu überstehen und der Entwurf einer neuen besseren Welt und eines neuen Menschentyps durchzusetzen. Im Jahr 1911 zieht die Künstlergemeinschaft ,,Brücke" dann zusammen nach Berlin um. Als sie dort zwei Jahre später zerbricht, ist es Heckel, den das Scheitern am meisten bewegt.

Im Sommer 1912, dem Entstehungszeitpunkt unseres Blattes ,,Häuser am Wasser", arbeitet Heckel zunachst auf Hiddensee und anschließend zusammen mit Kirchner auf der Insel Fehmarn. Der Künstler hat sich von den ungebändigten, zügellosen Stürmen des Gefühls und Instinkts in seiner Malerei bereits abgewendet und bezeugt in den ums Jahr 1912 entstandenen Arbeiten statt der wilden, flatternden Erregung gesammelte Einfachheit und suggestive Hieratik. Er strebt nach einpragsamer Gestaltung durch Vereinfachung und Synthese der Impressionen. So zeigt uns Heckel in ,,Häuser am Wasser" die nordische Küstenlandschaft in weich geschwungenen, in die Tiefe gestaffelten Formen. Im Vordergrund breitet sich braun eine soeben bestellte Ackerfläche aus. Das dazugehörige Gehoft steht dahinter auf einer Landzunge, die in das lichte Blau des Wassers hineinragt. Man denkt an eine Boddenlandschaft. Im Hintergrund wird das Blatt von einer Hügelkette abgeschlossen, über der sich strahlendblau der Himmel erhebt.

Heckel arbeitet in dieser Zeit an der Darstellung von Raumtiefe ,,ein Problem, das ihn bislang wenig interessiert hat. Die Vorstellung von Räumlichkeit wird dabei mit Mitteln erreicht, die denen Cezannes ähnlich sind. Er führt kubische Elemente ein und erzeugt durch hintereinander gestaffelte Bildebenen seine Raumvorstellung. Es werden geometrisierende Tendenzen deutlich, mit denen Heckel seinen Arbeiten eine gewisse Strenge verleiht. Der Linie, dem Zeichnerischen überhaupt, kommt nun besondere Bedeutung zu. Sie dient nicht nur dazu, den Gegenstand zu umgrenzen, sondern sie wird stark betont, zum tragenden Kompositionselement und gibt den Bildern zugleich rhythmische Bewegung. Bei alldem hält Heckel weiter an seinem koloristischen Gefühlsausdruck fest. So entsteht diese seltsame Mischung von konstruktiver Nüchternheit und gesteigerter Empfindung, die für Heckel so bezeichnend ist. Die unakademisch einfache Technik, die Strenge und Herbheit seiner Formen und seiner Farben geben Heckels Bildern ihre seltsame transzendierte Schönheit. Ihr Ideengehalt wird durch die Einfachheit der Malerei besonders eindrücklich."1)

Anm.: 1) Zitiert nach Lothar-Günther Buchheim, ,,Die Künstlergemeinschaft Brücke", Feldafing 1956, S. 105.

Falls Sie weiterführende Informationen zum Künstler oder Bildmaterial der abgebildeten oder weiterer verfügbarer Arbeiten benötigen sollten, senden Sie uns bitte eine Email an: mail@ludorff.com


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