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Erich Heckel (1883 - 1970)

Verfügbare Arbeiten Biographie


Erich Heckel
"Obstbäume"
Aquarell und Bleistift ; 1921
45,5 x 59 cm
Signiert, datiert und betitelt.
Provenienz: Privatsammlung New York.


Erich Heckel gehört wohl mit zu den bedeutendsten Künstlern des deutschen Expressionistnus. Schon früh engagiert er sich in der Künstlergemeinschaft die ,,Brücke", die 1905 in Dresden zusammenfand. Innerhalb der Gemeinschaft ist er als Geschäftsführer eine treibende Kraft, knüpft wichtige Kontakte und organisiert Ausstellungen. Doch Heckels Stärken liegen nicht nur im sozialen und organisatorischen Bereich, auch in künstlerischen Fragen ist seine Arbeit vorausweisend. Seinen Impulsen ist die Handschrift zu verdanken, die landlaufig als ,,Brücke-Stil" bezeichnet wird und die ihre Höhepunkte in der wiederauflebenden Technik des Holzschnitts feiert. Neben der Graphik, die sich zu einem bevorzugten Medium Erich Heckels entwickelt, fasziniert ihn die Aquarellmalerei. Vor allem bei Landschaftsbildern bedient er sich häufig der spontanen Naß-in-Naß-Technik.

Heckels erste Landschaftsdarstellungen entstehen um 1907, als er sich mit Karl Schmidt-Rottluff im Nordseebad Dangast aufhält.1) Die weite Landschaft rund um den Jadebusen bietet eine Fülle an Motiven. Sie ist für ihn Ausdruck des ursprünglichen, paradiesischen Seins und entspricht dem in der Künstlergemeinschaft angestrebten Ideal einer Einheit von Mensch, Natur und Leben. Mit Heckels Übersiedlung nach Berlin 1911 verringert sich die Zahl der Landschaftsbilder. Der Mensch rückt stärker in den Vordergrund. Die Natur taucht zwar immer wieder auf, allerdings in einer kristalli-sierten Formensprache. Sie hat ihre ursprünglich trostspendende Kraft verloren. Erst während der Kriegsjahre, Heckel dient als Sanitäter in der Nahe von Ostende, entstehen wieder mehr Landschaftsbilder. Doch adäquat zu seinen Kriegserlebnissen gibt er die Natur zerstört wieder, so als könne kein Leben mehr aus ihr herauswachsen. Schwermütigkeit und Resignation machen sich breit.

Anfang der zwanziger Jahre, der Zeit, aus der auch unser Landschaftsaquarell stammt, spiegelt sich in den Landschaftsbildern ein neues Naturgefühl wider. Heckel reist zu dieser Zeit regelmäßig an die Flensburger Förde. Dort mietet er sich in Osterholz bei Mary Hogner ein. In dem großen reetgedeckten Bauernhaus, das auf unserem Aquarell in der rechten Bildhälfte zu sehen ist, malte Heckel den gesamten Dachstuhl aus. Das Haus liegt in einem weitlaufigen Nutzgarten mit Obstbäumen und anderen Hölzern. Besonders eindrucksvoll sind die beiden großen Bäume, die links und rechts leicht schräg in die Bildmitte hineinragen. Ihre verknorpelten Stämme und kräftigen Äste verweisen auf ein hohes Alter und ihre Kronen reichen weit über den Bildrand hinaus. Sie geben der Szene etwas Kulissenhaftes, wenngleich auch ein behütendes Moment in ihnen ruht. Im Gegensatz zu den anderen Bäumen, die sich im harschen Küstenwind ächzend beugen, verharren diese stoisch in den stürmischen Boen. Nichts vermag sie erschüttern. Charakteristisch für die Landschaften der zwanziger Jahre ist, neben der Formvereinfachung und dem schnell gesetzten Duktus, vor allem die Heroisierung der Natur. Heckel neigt dazu, die Natur durch Details anzureichern und mit zeichnerischen Akzenten zu füllen, um die innerbildliche Spannung zu beleben.2) Die Landschaft wird zum Zeichen des überdauernden Beständigen, das auch in Zukunft als Quelle des menschlichen Seins immer gegenwärtig bleiben wird.

Anm.: 1) Felix Zdenek (Hrsg.): Erich Heckel 1883-1970. Aquarelle, Zeichnungen und Graphik, München 1983, S. 29.
2) Vgl. Ausst. Kat. Städtische Galerie Karlsruhe 1983: Erich Heckel. Zeichnungen, Aquarelle, S. 178.

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