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Carl Hofer (1878 - 1955)

Verfügbare Arbeiten Biographie

© VG Bildkunst

Werk:

Hofer begann seine künstlerische Laufbahn 1897 mit einem Studium an der Karlsruher Kunstakademie bei Leopold von Kalckreuth und Hans Thoma. Den ersten künstlerischen Einfluss übte um 1900 der Symbolismus auf ihn aus (Odilon Redon, Arnold Böcklin, Edvard Munch). Wesentlich für die weitere Entwicklung war die Bekanntschaft mit dem Schweizer Kaufmann Theodor Reinhart, der Hofer ab 1903 mäzenatisch unterstützte und dem Künstler die Übersiedelung nach Rom ermöglichte. Die zweite für Hofer in dieser Phase wichtige Persönlichkeit war der Kunstschriftsteller Julius Meier-Graefe, den er bereits 1901 in Paris kennen gelernt hatte und der ihn auf das bis dahin völlig vergessene Werk des deutsch-römischen Künstlers Hans von Marées aufmerksam machte. Marées Fresken in der "Statione Zoologica" in Neapel hielt er auch später noch für die "einzige moderne Lösung einer Freskenaufgabe seit der Renaissance und Antike." In Rom, wo nach Hofers Auffassung die "Atmosphäre von Form" herrschte, verflüchtigte sich der inhaltsschwere symbolistische Einfluss und er beschäftigte sich fortan - wie sein großes Vorbild Marées - mit den Form- und Farbproblemen bei der Gestaltung der Bildfläche. Marées war im Austausch mit seinem Mäzen und Freund, dem Kunsttheoretiker Conrad Fiedler auf den Spuren des autonomen Kunstwerks, das jeglichen inhaltlichen, narrativen Ballast abwerfen wollte, der in der offiziellen deutschen Kunst zwischen 1850 und 1900, insbesondere in der Historienmalerei gefordert wurde. Zwar hielt sich Hofer zusammenhängend nur fünf Jahre in Rom auf, doch blieb die Stadt der Ausgangspunkt seiner künstlerischen Bestimmung. Man kann den Künstler als letzten der späten klassisch orientierten und idealistischen Deutsch-Römer (Böcklin, Feuerbach, Marées) bezeichnen. Bereits am Ende seines römischen Aufenthalts erschien ihm der starke Einfluss der formalen Elemente und die Vernachlässigung des rein Malerischen als Gefahr. Er siedelte 1908 - wiederum durch Meier-Graefe bestärkt - nach Paris über, wo er schon im Herbst 1907 die rund 50 Werke umfassende Cézanne-Retrospektive gesehen hatte. Die Werke des großen französischen Neuerers Paul Cézanne, dessen Kunst schließlich den Weg in den Kubismus öffnete (Picasso, Braque), veränderten mit dem bisweilen auch aufscheinenden Einfluss El Grecos erneut die Malerei Hofers. 1909 gründet er zusammen mit Wassily Kandinsky, Adolf Erbslöh, Alexej von Jawlensky, Gabriele Münter, Marianne von Werefkin, Alexander Kanoldt, Wladimir von Bechtejeff und Alexander Kubin die Neue Künstlervereinigung München, einem Vorgänger von Der Blaue Reiter. Zweifellos schob sich vor diese Welt mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs, wie Hofer selbst sagte, ein "grauer Vorhang, der mit dem zweiten Krieg noch düsterer wurde. Wer nicht das Leben vor dieser Zeit gekannt hat, weiß nicht wie schön, heiter und unbeschwert das Dasein auch in bescheidenen Verhältnissen sein konnte."

Für Hofer veränderte sich das Leben schlagartig, als er bei einem Sommeraufenthalt in dem französischen Seebad Ambleteuse bei Boulogne kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs mit anderen Deutschen zusammen verhaftet und bis 1917 interniert wurde. Nach einem Zwischenaufenthalt in der Schweiz kehrte er erst 1919 nach Deutschland zurück. In Berlin sicherte ein Zweijahresvertrag mit der Kunsthandlung Cassirer vorerst seine Existenz, nachdem sein treuer Gönner Reinhart im selben Jahr verstorben war. In dieser Zeit entwickelte der mittlerweile über vierzigjährige Künstler seinen unverkennbaren, expressiven Stil und die typische Farbpalette, z.B. in "Yellow Dog Blues" um 1924/25(Privatbesitz). Gleichzeitig erlebte er seinen endgültigen künstlerischen Durchbruch, der sich in zahlreichen nationalen Ausstellungen (Galerie Flechtheim Berlin, Galerie Caspari München, Städtische Kunsthalle Mannheim), aber auch international dokumentieren lässt (Carnegie Institut Pittsburgh). Fortan nahm seine Malerei kassandrahafte, prophetische Züge an. "Sie wundern sich", schrieb Hofer 1947 an Hans-Carsten Hager, "daß in meinem Werk viel Vorahnung des Kommenden sich findet. Der Künstler ist eben ein Seismograph, der das Unheil vorausregistriert. Nicht nur bei mir findet sich diese Erscheinung". Wie Werner Heldt im "Aufmarsch der Nullen" (1933/34) erahnte er das kommende Unheil und schuf magische Metaphern, etwa in "Die Gefangenen" von 1933 (Berlin, Berlinische Galerie), die die Entwürdigung und Entindivualisierung des Menschen thematisierten. Seinem Erfolg als Künstler und Hochschullehrer wurde in Deutschland ein jähes Ende gesetzt, als er, Professor der Hochschule der Künste in Berlin, bereits 1933 seines Amtes enthoben wurde. Der künstlerisch schwerste Schicksalsschlag aber war die Vernichtung fast des gesamten Frühwerks und das der mittleren Schaffensperiode in seinem Berliner Atelier bei einem alliierten Bombenangriff am 1. März 1943: "Etwa einhundertfünfzig Bilder", so berichtet Hofer in seinen Erinnerungen, "über tausend Zeichnungen nebst allem, was mich an mein früheres Dasein band, alles, was diese Aufzeichnungen hätte illustrieren können, war dahin, bis auf den Schlüssel, den ich in der Tasche trug."

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Hofer im Juli 1945 zum Direktor der Hochschule der Künste in Berlin berufen. In dieser Zeit widmete er sich vor allem auch der kulturpolitischen Arbeit. Er war Gründungsmitglied des Kulturbundes, der sich die demokratische Erneuerung Deutschlands zum Ziel gesetzt hatte. Zusammen mit Oskar Nerlinger gab er bis 1949 die Zeitschrift "Bildende Kunst" heraus und wurde 1950 erster Präsident der wiedergegründeten Deutschen Künstlerbundes. Dennoch fühlte sich der späte Hofer mit seinem Festhalten am Ideal des Menschenbildes und der deutschen Tradition der figurativen Malerei unverstanden. Nach der Katastrophe des Dritten Reichs begann in Deutschland die Internationalisierung und Vorherrschaft der abstrakten Kunst, die vor allem auch einer Grundstimmung entgegenkam, nämlich mit der Illusion der "Stunde Null" einen Neuanfang wagen zu können, der jeden Missbrauch der Kunst zu Machtzwecken ausschloss. Die Konfrontation von Figuration und Abstraktion mündete schließlich 1950 im sogenannten "Darmstädter Gespräch" auf der Mathildenhöhe, in dessen Zentrum insbesondere die Thesen des Kunsthistorikers Hans Sedlmayr ("Verlust der Mitte") auf der einen und die Überzeugungen der Vertreter der Abstraktion wie Willi Baumeister auf der anderen kämpferisch vertreten wurden. Im Jahre 1955 entbrannte zwischen Hofer und dem Kunstkritiker Will Grohmann - vehementer Verfechter und Förderer der abstrakten Kunst - ein öffentlicher, polemisch geführter Streit über die gegenstandslose Kunst. Während Hofer den Kunstkritiker zu den "Panegyrikern" der internationalen abstrakten Kunst zählte, warf ihm dieser vor, die Kunst der Gegenwart aus einer "geradezu rätselhaften Haßpsychose" heraus anzugreifen. Hofer plante tatsächlich einen umfassenden schriftlichen Angriff, der sich schon im Titel gegen das Manifest der abstrakten Kunst schlechthin richtete, nämlich gegen Wassily Kandinskys 1912 erstmals und 1952 erneut in der von Nina Kandinsky autorisierten Auflage erschienene Schrift "Über das Geistige in der Kunst". Hofer erlebte allerdings das Erscheinen seiner Kampfschrift "Über das Gesetzliche in der bildenden Kunst" nicht mehr, denn im selben Jahr 1955, auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzung, erlitt der Künstler einen Schlaganfall, dem er wenig später erlag. Ein Teil der Schrift wurde posthum in redigierter Form von Kurt Martin 1956 herausgegeben. Das Buch blieb jedoch ohne bedeutende Wirkung. Teile des Manuskripts sind untergegangen, und das gesamte noch erhaltene Fragment wurde von Daniel Kupper im Auftrag Elisabeth Hofer-Richolds im Hofer-Archiv gesichtet und 1995 kommentiert herausgegeben. Zusammen mit den von Christine Fischer-Defoy ebenfalls 1995 herausgegebenen "Reden und Stellungnahmen" ist nun der Einblick in ein Denken und Schaffen gestattet, das die Entwicklung der deutschen Malerei in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wesentlich beeinflusst und geprägt hat. Einige seiner Werke wurden postum auf der documenta 1 im Jahr 1955 in Kassel gezeigt. Die Bedeutung Hofers für die deutsche Malerei der Nachkriegszeit liegt in seinem Beharren darauf, dass die Antinomie von figurativer und abstrakter Malerei unsinnig sei; ihm erschien die "Wertunterscheidung von gegenständlich und ungegenständlich als eine sinnlose Absurdität". Die geschichtliche Entwicklung hatte aus dem Deutsch-Römer Hofer einen "desillusionierten Idealisten" werden lassen: Gerade "die Insistenz in der Litanei dieses persönlichen Stils hat Hofer seinen unverrückbaren Platz in der deutschen Malerei zwischen den Kriegen gegeben. Da war ein Mensch, der mit einem umgrenzten Traum von Schönheit und einer Vision des Klassischen begann; und dann war es das Auftreffen auf die Wirklichkeit, die diesen Traum zerschlug."(Werner Haftmann)

Leben:

1878 Am 11. Oktober in Karlsruhe geboren. Sein Vater, der Militärmusiker Karl Hofer stirbt 4 Wochen nach der Geburt. Die Mutter Othilde (geb. Hengst) muss auswärts arbeiten, so dass Hofer bei seinen beiden Tanten aufwächst.
1889 Unterbringung in einem Waisenhaus, Verwandlung von einem wilden Gassenjungen in einen stillen Einzelgänger
1892 Beginn einer kaufmännische Lehre
1896 Beginn der Freundschaft mit dem späteren Philosophen Leopold Ziegler
1897-1903 Hoffer studiert an der Großherzoglich Badischen Akademie der Künste in Karlsruhe bei Hans Thoma und Leopold von Kalckreuth, dem er im November 1902 nach Stuttgart folgt
1900-1901 Von August bis März in Paris, Bekanntschaft mit Julius Meier-Graefe
1901 Beginn der Förderung durch den Winterthurer Großkaufmann Theodor Reinhart bis zu dessen Tode 1919
1903 Heirat mit Mathilde Scheinberger in Wien
1903-08 Hofer lebt in Rom, wo 1904 sein erster Sohn Karl (Carlino) geboren wird.
1904 Geburt des Sohnes Karl Johannes Arnold (Carlino)
1905 Geburt des zweiten Sohnes Titus Wolfgang, der 3 Monate später stirbt. Erste Einzelausstellung in Zürich und Karlsruhe
1907 Große Schiffsreise. Neapel, Rotterdam, Narwik
1908 Mitglied der Berliner Sezession
1908-13 Hofer lebt in Paris
1910-11 Erster mehrmonatiger Aufenthalt in Indien
1911 Geburt des dritten Sohnes Hans-Rudi
1913 Zweite Indienreise und Übersiedlung nach Berlin
1914-17 Zivilinternierung in Frankreich, wo sich Hofer bei Kriegsausbruch befand
1917-19 Als Austauschgefangener in Zürich
1919 Rückkehr nach Berlin, Ausstellung bei Cassirer
1920 Berufung an die Kunsthochschule Berlin-Charlottenburg, 1921 Professur
1923 Mitglied der Preußischen Akademie der Künste, 1929 Senatsmitglied
1924 Benno Reifenberg veröffentlicht seine Hofer-Monographie
1925 Beginn der regelmäßigen Sommeraufenthalte im Tessin
1927 Mitbegründer der Badischen Sezession. Reise in die USA
1928 Umfassende Retrospektive in Mannheim und Berlin. Deutscher Vertreter in der Jury der Carnegie-Ausstellungen in Pittsburgh
1929 Berufung in den Senat der Preußischen Akademie der Künste
1932 Freundschaft mit Hermann Hesse
1933 Im April Beurlaubung vom Lehramt, 1934 Entlassung
1937 311 Arbeiten werden als "entartet" aus deutschen Museen beschlagnahmt
1938 Scheidung von Mathilde Hofer, Ausschluß aus der Preußischen Akademie der Künste, Heirat mit Lisbeth Schmidt in Berlin
1940/41 Einjähriger Aufenthalt bei Bruno Leiner in Konstanz
1942 Tod von Mathilde Hofer im Konzentrationslager Auschwitz
1943 Nach der Zerstörung des Ateliers mit 150 Gemälden und ca. 1000 Zeichnungen und später auch der Wohnung in Berlin findet Hofer Zuflucht im Privatsanatorium Dr. Sinns in Potsdam-Babelsberg
1945 Berufung zum Direktor der Hochschule für Bildende Künste Berlin-Charlottenburg. Mitbegründer des Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands
1946 Adolf Jannasch veröffentlicht seine Hofer-Monographie
1947 Hofers Sohn Carlino wird von Einbrechern erschossen
1947-49 Mitherausgeber der Zeitschrift "Bildende Kunst"
1948 anläßlich des 70. Geburtstages zahlreiche Würdigungen und Ausstellungen
1950 Erster Vorsitzender des Deutschen Künstlerbundes
1952 Orden Pour le Mérite Autobiographie "Aus Leben und Kunst"
1953 Autobiographie "Erinnerungen eines Malers". Großes Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland, Berliner Kunstpreis
1955 Hofers Artikel "Zur Situation der bildenden Kunst" löst heftige Angriffe durch Vertreter der abstrakten Kunst aus (Grohmann Hofer-Debatte). Am 3. April stirbt Karl Hofer an einem Schlaganfall in Berlin.


Auszeichnungen und Ehrungen:

1948: Ehrendoktorwürde der Humboldt-Universität in Berlin
1948: Ehrenbürger der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe
1950: Präsident des Deutschen Künstlerbundes
1953: Kunstpreis der Stadt Berlin
1953: Großes Bundesverdienstkreuz

Weblinks:

Der Maler Karl Hofer

Literatur:

Hans Gerhard Evers (Hg.): Darmstädter Gespräch - Das Menschenbild in unserer Zeit. Darmstadt 1951
Karl Hofer: Über das Gesetzliche in der bildenden Kunst. Hg. v. Kurt Martin. Berlin 1956
Karl Hofer: Erinnerungen eines Malers. München 1963
Ernst Rathenau: Karl Hofer - Das graphische Werk. Berlin 1969
Katherine Rigby: Karl Hofer. New York/London 1976
Elisabeth Furler (Hg.): Karl Hofer - Leben und Werk in Daten und Bildern. Frankfurt/a.M. 1978
Elisabeth Hofer-Richold, Ursula u. Günther Feist: Karl Hofer. Berlin 1983
Renate Hartleb: Karl Hofer. Leipzig 1987
Ausstellungskatalog: In Memoriam Will Grohmann - Wegbereiter der Moderne. Stuttgart 1987/88
Ausstellungskatalog: Abstraktion und Figuration. Galerie Pels-Leusden. Berlin 1989
Ursula u. Günther Feist (Hg.): Karl Hofer - Theodor Reinhart. Maler und Mäzen. Ein Briefwechsel in Auswahl. Berlin 1989
Jürgen Schilling: Karl Hofer. Unna 1991
Christine Fischer-Defoy (Hg.:Karl-Hofer-Gesellschaft): Ich habe das Meine gesagt! - Reden und Stellungnahmen von Karl Hofer zu Kunst, Kultur und Politik in Deutschland 1945-1955. Berlin 1995
Daniel Kupper (Hg.): Karl Hofer - Schriften. Berlin 1995


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