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Werk:
Sein Frühwerk war noch der realistischen Tradition verpflichtet; erst um 1900 nach seiner Übersiedelung nach München löste er sich vom Realismus und malte eine Zeit in der Art des nordischen Impressionismus eines Anders Zorn ("Helene im spanischen Kostüm", um 1901).
Mit Werefkin unternahm er mehrere Reisen, vor allem nach Frankreich. Hier beschäftigte er sich mit der Kunst der Fauves. Die während dieser Zeit entstandenen Gemälde stellte er im Oktober 1905 im Pariser "Salon d`automne", darunter auch das in der Bretagne entstandene Gemälde "Der Bucklige" (1905). Wenngleich die Farben der Bilder jener Zeit oft an Matisse erinnern, ist der Duktus noch von van Gogh beeinflusst, dessen Gemälde "La maison du père Pilon" er 1908 erwirbt.
Etwa von 1906 bis 1908 wandelte sich der Stil Jawlenskys in Folge mehrerer Aufenthalte in Wasserburg und Murnau, wo er gemeinsam mit Werefkin,Münter und Kandinsky einige Sommer verbrachte. In dieser Zeit entstanden vo allem expressive Stillleben und Landschaften ("Die Lampe", 1908). Ab etwa 1910 konzentrierte sich Jawlensky immer stärker auf das Bildnis. Angeregt durch einen Aufenthalt im Ostseebad Prerow entstanden vor allem in den Jahren 1911/12 bedeutende, starkfarbige Porträts, so zum Beispiel "Der Buckel" (1911), "Selbstbildnis" (1912) und "Barbarenfürstin" (1912).
Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges endet diese schöpferische Phase. Im Exil in der Schweiz wird er als einer der ersten zum Maler von Serien. Die erste dieser Serien nannte er "Variationen". Von ihnen malte er in den Jahren 1914 bis 1921 mehrere hundert Stück. Dabei variierte er immer ein und die selbe Landschaft durch unterschiedliche Farbkombinationen und Blickwinkel. Noch in der Schweiz begann er die Serien der "Mystischen Köpfe" und "Heiligengesichte". Die Serie der "Abstrakten Köpfe" entstand vor allem nach Jawlenskys Umzug nach Wiesbaden 1921 bis etwa 1934.
Sein Spätwerk zeichnet sich durch die Konzentration auf einfache und kraftvolle Formen aus. Ab 1934 malte er zunehmend bis zur Abstraktion reduzierte Gesichter, die Jawlensky selbst Meditationen nannte. Der zum Teil grobe Farbauftrag bei diesen Werken hängt auch mit seiner schweren Arthritiserkrankung zusammen. Als Folge dieser Krankheit traten bei Jawlensky immer öfter Lähmungserscheinungen auf, die ihn schließlich 1939 endgültig zur Aufgabe der Malerei zwangen. Die "Meditationen" werden auch als eine Art moderner Ikonen verstanden. Die Konzentration auf das Gesicht als Ausdruck einer verinnerlichten Empfindung machen die besondere Bedeutung Jawlenskys für die Kunst des 20. Jahrhunderts aus.
Leben:
1864 13. März: Alexej von Jawlensky wird in Torschok (Gouvernement Twer, Rußland) als Sohn des Obersten Georgi von Jawlensky und dessen Frau Alexandra (geb. Medwedewa) geboren. Er ist das fünfte Kind einer Familie aus russischem Erbadel.
1869 Aufgrund der Dienstversetzung des Vaters zieht die Familie nach Neswish (bei Minsk, Weißrußland).
1874 Die Mutter zieht mit den Kindern nach Moskau, um ihnen eine adäquate Ausbildung zu bieten.
1877 Entsprechend der Familientradition kommt Jawlensky an eine Kadettenschule in Moskau.
1880 Er besucht die Moskauer Weltausstellung und begeistert sich für die Malerei. Fortan geht er jeden Sonntag in die Tretjakow-Galerie und beginnt in seiner Freizeit zu zeichnen. In der Schule werden Bilder von ihm gerahmt und im Klassenzimmer ausgestellt.
1882 Der Tod des Vaters bringt die Familie in finanzielle Schwierigkeiten. Die Hoffnung auf das geplante Studium an einer Kunstakademie muß Jawlensky zunächst aufgeben. Er tritt in die Moskauer Militärhochschule ein, besucht aber weiterhin regelmäßig die Tretjakow-Galerie.
1884 Als Leutnant wird er einem Moskauer Infanterieregiment zugeordnet. Er mietet sich ein Zimmer bei einem Maler, durch den er Kontakt zu weiteren Künstlern findet. Seinen Urlaub verbringt er mit anderen Malern auf Landschaftsfahrten.
1887 Da in Moskau für einen Offizier der Besuch einer Kunstakademie verboten ist, bemüht Jawlensky sich um eine Versetzung nach St. Petersburg. Zur Vorbereitung auf die Aufnahmeprüfung kopiert er Bilder aus der Tretjakow-Galerie.
1889 Er wird nach St. Petersburg versetzt. Nach der bestandenen Aufnahmeprüfung an der Kunstakademie erhält er die Erlaubnis zum Besuch der Akademie neben seiner Militärlaufbahn.
1890-1895 Jawlensky macht die Bekanntschaft zahlreicher anerkannter Künstler. Er besucht regelmäßig die Eremitage und das Museum für moderne russische Kunst.
1891 Er schließt Freundschaft mit der Malerin Marianne von Werefkin (1860-1938), die als Vertreterin des Realismus bekannt ist.
1895 Auf einer Künstlerfahrt lernt er über Werefkin die vierzehnjährige Helene Nesnakomoff, Tochter eines Unternehmers, kennen. Sie werden ein Paar und verbringen mehrere Monate gemeinsam mit Zeichnen und Malen.
1896 Mit Werefkin und der Tochter seines vorgesetzten Generals unternimmt Jawlensky eine mehrmonatige Reise durch Deutschland, Belgien und Holland. Sie besuchen Galerien und Museen in Dresden, Berlin, Brüssel und Antwerpen und reisen über Paris und London zurück. Er tritt aus der Armee aus und erhält eine regelmäßige Pension, die ihm eine Karriere als Künstler ermöglicht. Aus Unzufriedenheit mit der Akademieausbildung übersiedelt Jawlensky mit den befreundeten Malern Igor Grabar (1871-1960) und Dimitri Kardowsky (1866-1943) sowie Werefkin und Nesnakomoff nach München. Er bezieht gemeinsam mit den beiden Frauen eine Wohnung und besucht die Azbè-Schule. Werefkin gibt das Malen auf und protegiert Jawlenskys Karriere.
1897 Er lernt an der Schule Wassily Kandinsky kennen. Beide verbindet fortan eine enge Freundschaft.
1899 Jawlensky unternimmt mit Werefkin, Grabar und Kardowsky eine Studienreise nach Venedig. Nach seiner Rückkehr verläßt er die Azbè-Schule und beginnt als freier Maler zu arbeiten.
1901 Bei einem Besuch in Rußland erkrankt er an Typhus und fährt zur Kur auf die Krim.
1902 In München arbeitet Jawlensky an Aktstudien, denen meist Nesnakomoff und deren jüngere Schwester Modell stehen. Auf Anregung von Lovis Corinth schickt Jawlensky ein Gemälde an die Berliner Secession , das dort ausgestellt wird. Der Sohn Andreas wird geboren. Er bleibt das einzige Kind Nesnakomoffs und Jawlenskys.
1903 Jawlensky und Werefkin reisen in die Normandie und nach Paris. Er lernt in München den Graphiker Alfred Kubin (1877-1959) kennen.
1904 In seinem Sommeraufenthalt in Reichertshausen (Oberbayern) malt Jawlensky eine Reihe von Landschaftsgemälden.
1905 Auf der Ausstellung im Pariser "Salon d'Automne" ist Jawlensky mit sechs Werken vertreten.
1905/06 Reisen nach Frankreich, wo er sich mit den Werken von Paul Cézanne , Paul Gauguin (1848-1903), Vincent van Gogh (1853-1890) und Henri Matisse (1869-1954) auseinandersetzt. Letzteren lernt er persönlich kennen und beschäftigt sich mit dessen Stil des Fauvismus.
1906 Jawlensky reist nach St. Petersburg, um neun seiner Werke auszustellen. Den Sommer verbringt er in Wasserburg/Inn (Bayern), wo er vor allem Landschaftsbilder und Porträts malt. Er entwickelt seinen expressionistischen Stil mit einfachen Formen und starker Expressivität.
1908 Zusammenarbeit mit Werefkin und Kandinsky im Atelier von Gabriele Münter in Murnau am Staffelsee.
1909 Nach einem weiteren Sommer mit Malerfreunden initiiert Jawlensky gemeinsam mit Werefkin, Kandinsky, Münter und Kubin die "Neue Künstlervereinigung München". Kandinsky wird Erster Vorsitzender, Jawlensky sein Vertreter. Es folgt eine erste Kollektivausstellung der Gruppe, die große Kritik bei Publikum und Rezensenten hervorruft.
1910 Ausstellungen in Kiew und Odessa 1911 Jawlensky besucht Franz Marc in Sindelsdorf (Oberbayern). Während eines Sommeraufenthalts in Prerow/Darß malt Jawlensky seine bekanntesten Landschaftsbilder mit starker und leuchtender Farbgebung. Erste Einzelausstellung in der Ruhmeshalle in Barmen (bei Wuppertal).
1912 Austritt aus der "Neuen Künstlervereinigung" und Anschluß an den von Kandinsky und Marc gegründeten " Blauen Reiter ". Jawlensky schließt enge Freundschaften mit den von ihm bewunderten Paul Klee und Emil Nolde .
1913 Auf der von Herwarth Walden (1878-1941) organisierten Futuristen- und Expressionisten-Ausstellung in Budapest und Lemberg (heute: Lwow, Ukraine) werden 41 Gemälde von Jawlensky gezeigt.
1914 Jawlensky tritt der "Neuen Münchener Secession" bei. August: Bei Beginn des Ersten Weltkriegs wird Jawlensky aufgefordert, innerhalb von 48 Stunden Deutschland zu verlassen. Er siedelt in die Schweiz nach St. Prex am Genfer See über und verliert den Kontakt zu den Münchner Künstlern.
1914-1917 Obwohl er kein Atelier mehr hat, arbeitet er weiter an Landschaftsvariationen.
1917 Gemeinsam mit seiner Familie und Werefkin siedelt er nach Zürich über. Er verkehrt dort mit Wilhelm Lehmbruck und den Dadaisten Hans Arp, Hugo Ball (1886-1927) sowie Paul Cassirer .
1918 Mit seiner Familie und Werefkin bezieht Jawlensky ein großes Haus in Ascona (Italien). Er beginnt mit der konstruktivistischen Bilderserie der "Abstrakten Köpfe".
1920 Obwohl er nach Deutschland zurückkehren möchte, lehnt er eine Berufung als Professor an das Bauhaus nach Dessau ab, weil er Kunst für nicht lehrbar hält. In Locarno trifft er mit Rainer Maria Rilke zusammen.
1921 Nach langen Konflikten trennt sich Jawlensky von Werefkin. Er zieht allein nach Wiesbaden und bereitet eine Ausstellung seiner Werke vor.
1922 Nesnakomoff folgt ihm nach Wiesbaden, wo sie heiraten. Er arbeitet in der Folgezeit vorrangig an den "Abstrakten Köpfen".
1924 Gemeinsam mit Kandinsky, Klee und Lyonel Feininger gründet er die Gruppe "Die Blauen Vier", deren erste Ausstellung in San Francisco stattfindet.
1925 Auf einer Rundreise in Deutschland trifft er mit George Grosz zusammen.
1927 Erste Symptome einer schweren Arthritis (Gelenkentzündung).
1928 Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten eröffnet Jawlenskys Frau einen Schönheitssalon in Wiesbaden.
1929 Gründung der "Jawlensky-Gesellschaft", deren Mitglieder gegen jährliche Zahlungen Anspruch auf zukünftige Bilder haben.
1930 Starke Schmerzzustände zwingen ihn zu Klinikaufenthalten in Stuttgart und Piestany (Tschechoslowakei, heute: Slowakei). Jawlensky beantragt die deutsche Staatsbürgerschaft mit Verweis auf seine Mitgliedschaft in verschiedenen deutschen Künstlervereinigungen. Er macht die Bekanntschaft von Karl Schmidt-Rottluff .
1932 Hohe Arztrechnungen und die Schließung des Schönheitssalons bringen Jawlensky in finanzielle Bedrängnis.
1933 Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten erhält Jawlensky Ausstellungsverbot in Deutschland. Er schickt vermehrt Bilder zu Ausstellungen in die USA. Mehrere Kuren verlaufen ergebnislos, Jawlenskys Zustand verschlechtert sich.
1934 Die zunehmende Lähmung von Hand- und Kniegelenken zwingt ihn, in sehr kleinen Bildformaten zu malen. Er arbeitet an den "Meditationen" genannten abstrakten Porträts. Jawlensky wird aufgrund seiner Mitgliedschaft in deutschen Künstlervereinigungen deutscher Staatsbürger.
1935 Auf einer Reise in die Schweiz besucht er Klee in Bern und beginnt, seine Memoiren zu diktieren.
1937 65 seiner Werke werden beschlagnahmt und als "entartet" diffamiert. Während eines Aufenthalts in München besucht er die Ausstellung " Entartete Kunst ", wo auch einige seiner Werke gezeigt werden. Jawlensky ist gehunfähig und verläßt kaum noch sein Studio. Er beendet seine Memoiren.
1938 Aufgrund der vollständigen körperlichen Paralyse muß er das Malen aufgeben, er bleibt fortan an das Bett gefesselt. Diktat von Briefen an Freunde und Bekannte.
1941 15. März: Alexej von Jawlensky stirbt in Wiesbaden.
Weblinks:
Jawlensky: Meine Liebe Galka!, Ausstellung im Museum Wiesbaden, Oktober 2004 - März 2005
Jawlensky Archiv, Locarno, Schweiz
Literatur:
Clemens Weiler (Hrsg.): Köpfe, Gesichte, Meditationen, 1970, H. Peters Verlag, Hanau, ISBN 3-8762-7217-3
Bernd Fäthke: Jawlensky und seine Weggefährten in neuem Licht, 2004, Hirmer Verlag, ISBN 3-7774-2455-2
Isabel Wünsche: Galka E. Scheyer & Die Blaue Vier. Briefwechsel 1924-1945, Benteli Verlag, 2006, ISBN 3-7165-1429-2
Volker Rattemeyer (Hrsg.): Jawlensky. Meine liebe Galka!, 2005, ISBN 3-89258-059-6 (broschierte Ausgabe), ISBN 3-89258-062-6 (leinengebundene Ausgabe)
Tayfun Belgin: Alexej von Jawlensky. Reisen, Freunde, Wandlungen, Umschau/Braus Verlag, 2002, ISBN 3-8295-7000-7
Tayfun Belgin: Alexej von Jawlensky. Eine Künstlerbiographie, 1998, Umschau Buchverlag, ISBN 3-8295-7001-5
Angelika Affentranger-Kirchrath: Jawlensky. Das andere Gesicht. Begegnungen mit Arp, Hodler, Janco, Klee, Lehmbruck, Richter, Taeuber-Arp; Benteli Verlag; 2000; ISBN 3-7165-1184-6
Stefan Gronert: Jawlensky. Große Meditation. ' Verhaltene Glut', 2001, Insel Verlag, ISBN 3-4583-3683-4
Barbara Krause: Der blaue Vogel auf meiner Hand: Marianne Werefkin und Alexej Jawlensky, 2001, Herder Verlag, ISBN 3-4510-4922-8
Armin Zweite: Alexej Jawlensky (1864-1941), Prestel Verlag, 1985, ISBN 3-7913-0629-4 
Alexej Jawlensky: Meditationen, 2., veränd. A. (1991), H. Peters Verlag, ISBN 3-8762-7065-0
Vivian Endicott Barnett (Hrsg.) et al.: Die Blaue Vier: Feininger, Jawlensky, Kandinsky, Paul Klee in der Neuen Welt, 1997, DuMont Reiseverlag, ISBN 3-7701-4415-5
Helga Lukowsky: Jawlenskys Abendsonne / Der Maler und die Kuenstlerin Lisa Kuemmel, 2000, Ulrike Helmer Verlag, ISBN 3-8974-1050-8 
Schloßmuseum des Marktes Murnau (Hrsg.): 1908/2008. Vor 100 Jahren. Kandinsky, Münter, Jawlensky, Werefkin in Murnau, Markt Murnau Verlag, 2008, ISBN 3-9322-7629-9
Volker Rattemeyer: Jawlensky in Wiesbaden: Gemälde und graphische Arbeiten in der Kunstsammlung des Museums Wiesbaden, Museum Wiesbaden, 2007, ISBN 3-8925-8072-3 
Dietmar Elger: Expressionismus: Eine deutsche Kunstrevolution, Taschen Verlag, 2007, ISBN 3-8228-3142-5
Maria Jawlensky, Lucia Pieroni-Jawlensky and Angelica Jawlensky: Alexej von Jawlensky, Catalogue Raisonné of the Oil Paintings Volumes I-III, London/München/Mailand/New York 1991-1993 Umfangreiches Werkverzeichnis der Gemälde in Band I bis III. Der Band IV (Graphisches Werk) enthält zahlreiche Werke, die heute nicht mehr Alexej von Jawlensky zugeschrieben werden
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