© VG Bildkunst, Bonn
Leben:
1867 Käthe Kollwitz kommt am 8. Juli 1867 als fünftes Kind des Maurermeisters und Predigers Carl Schmidt und Katharina Schmidt, geb. Rupp, in Königsberg (heute Kaliningrad) zur Welt. Ihr Großvater Julius Rupp gründete in Königsberg die erste "Freie evangelische Gemeinde" Deutschlands, deren erster Prediger er wurde. Nach seinem Tod übernahm der Schwiegersohn Carl Schmidt dieses Amt. Der Vater hatte Jura studiert, musste jedoch die juristische Laufbahn wegen seiner Zugehörigkeit zur "Freien evangelischen Gemeinde" aufgeben. Er erlernte daraufhin das Maurerhandwerk und wurde ein erfolgreicher Bauunternehmer.
1881-86 Käthe Kollwitz' zeichnerische Begabung wird vom Vater entdeckt, dem sie die Ausbildung zur Künstlerin verdankt. Sie erhält ersten Unterricht in Königsberg bei dem Maler Gustav Naujok und dem Kupferstecher Rudolf Mauer.
1886 Auf einer Reise ins Engadin lernt Käthe Kollwitz in Berlin die beiden Schriftsteller Gerhart Hauptmann und Arno Holz kennen. In München begeistern sie die Werke von Rubens in der Alten Pinakothek. Im Anschluss an die Reise besucht sie für ein Jahr bei Karl Stauffer-Bern auf der Berliner Künstlerinnenschule die Malklasse für Portraitstudien. Stauffer-Bern macht sie auf den Radierer Max Klinger aufmerksam.
1887 Käthe Kollwitz kehrt nach Königsberg zurück und erhält Unterricht bei dem Maler Emil Neide. Sie verlobt sich mit dem Medizinstudenten Karl Kollwitz, einem Schulfreund ihres Bruders Konrad. Karl Kollwitz ist Mitglied der Sozialdemokratie und steht der "Freien evangelischen Gemeinde" nahe.
1888-90 Käthe Kollwitz studiert an der Münchner Künstlerinnenschule bei Ludwig Herterich.
1890 Nach Königsberg zurückgekehrt, setzt Käthe Kollwitz die schon in München begonnene Beschäftigung mit Emile Zolas Bergarbeiterroman "Germinal" fort. Sie macht hierfür Studien in Matrosenkneipen. Von ihrem früheren Lehrer Rudolf Mauer lässt sie sich in die druckgraphischen Techniken einführen.
1891 13. Juni: Heirat mit Dr. med. Karl Kollwitz und Übersiedlung nach Berlin, wo Karl Kollwitz im Berliner Arbeiterbezirk Prenzlauer Berg (heute: Kollwitzstraße 56A) eine Kassenarztpraxis eröffnet. (Der in der näheren Umgebung befindliche Wörther Platz wurde ebenfalls 1947 nach ihr benannt). Durch die Lektüre der kunsttheoretischen Schrift "Malerei und Zeichnung" von Max Klinger erhält Käthe Kollwitz den entscheidenden Impuls für ihre Hinwendung zur Graphik und die Anregung, in der Gattung die schwierigen Seiten des menschlichen Lebens darzustellen. Sie plant einen druckgraphischen Zyklus zu Zolas Roman "Germinal", den sie 1893 abbricht.
1892 Geburt des ersten Sohnes Hans
1893 Unter dem Eindruck der Uraufführung des Dramas "Die Weber" von Gerhart Hauptmann, dem die Hungerrevolte der schlesischen Weber von 1844 zugrunde liegt, beginnt Käthe Kollwitz ihren ersten druckgraphischen Zyklus "Ein Weberaufstand". Im Jahr 1897 schließt sie die Arbeiten an dem Zyklus erfolgreich ab.
1895 Teilnahme an der "Freien Kunstausstellung" in Berlin mit drei Werken.
1896 Geburt des zweiten Sohnes Peter.
1896 Geburt des zweiten Sohnes Peter.
1898 Käthe Kollwitz gelingt mit ihrem Zyklus "Ein Weberaufstand" auf der "Großen Berliner Kunstausstellung" der künstlerische Durchbruch. Den Vorschlag der Jury, die Künstlerin dafür mit einer Medaille auszuzeichnen, lehnt Kaiser Wilhelm II. ab.
1898-1903 Lehrerin an der Künstlerinnenschule in Berlin.
1899 Mit dem Erwerb von "Ein Weberaufstand" beginnt das Dresdner Kupferstichkabinett eine Sammlung ihrer Werke. Verleihung der Kleinen Goldenen Medaille auf der Deutschen Kunstausstellung in Dresden, nachdem ihre Nominierung im Vorjahr abgelehnt wurde. Auch das Berliner Kupferstichkabinett legt den grundstein zur heute wichtigsten öffentlichen Kollwitz-Sammlung.
1901-1908 Arbeiten an dem Zyklus "Bauernkrieg", für den sie den Villa-Romana-Preis erhält.
1904 Kollwitz lebt ein Jahr in Paris und arbeitet in der Plastikklasse der Académie Julian. Kontakt mit Auguste Rodin und Théophile Alexandre Steinlen (1859-1923).
1906 Januar: Ihr Plakat für die Deutsche Heimarbeit-Ausstellung wird auf Wunsch der Kaiserin Auguste Viktoria von allen Anschlagsäulen entfernt, da dieser die Darstellung einer abgearbeiteten Frau mißfällt.
1907 Die Verleihung des durch Max Klinger gestifteten "Villa-Romana-Preises" ermöglicht einen mehrmonatigen Aufenthalt in Florenz. Mit einer Freundin unternimmt sie von dort eine dreiwöchige Fußwanderung nach Rom.
1908 Fertigstellung des Zyklus' "Bauernkrieg". Von September 1908 bis Mai 1943 sind die Tagebuchaufzeichnungen der Künstlerin überliefert. Von 1908 bis 1910 ist Käthe Kollwitz freie Mitarbeiterin des "Simplicissimus". In 14 Zeichnungen für die satirische Zeitschrift wendet sich die Künstlerin direkt den aktuellen Problemen des Proletariats zu. Sie macht ihre Graphik zunehmend zum Instrument sozialen und politischen Engagements.
1909 Beginn der plastischen Arbeiten. Sie schafft ein Bildnisrelief ihres Großvaters Julius Rupp für einen Gedenkstein in Königsberg, der anlässlich seines 100. Geburtstages errichtet wurde.
1912 Käthe Kollwitz wird zum Vorstandsmitglied der "Berliner Secession" gewählt. Wegen "Aufreizung zum Klassenhass" wird ihr Plakat für den "Zweckverband Groß-Berlin" verboten. Es verweist auf die krasse Wohnungsnot in der Stadt.
1913Nach Spaltung der "Berliner Secession" wechselt Käthe Kollwitz zur "Freien Secession", deren Vorstand die Künstlerin 1914-16 angehört. Mitbegründerin und erste Vorsitzende des Frauenkunstverbandes bis 1923. Ihre Plastik "Liebespaar" entsteht 1913-15.
1914 22./23. Oktober: Ihr Sohn Peter fällt im Ersten Weltkrieg bei Dixmuiden (Flandern). Dieser Verlust brachte sie in Kontakt mit dem Pazifismus und auch mit Sozialisten.
1917 Zahlreiche Ausstellungen in ganz Deutschland zu ihrem 50. Geburtstag.
1918 30. Oktober: Nachdem Richard Dehmel ein Durchhalten des Krieges gefordert hat, widerspricht sie im "Vorwärts": "Es ist genug gestorben! Keiner darf mehr fallen. Ich berufe mich gegen Richard Dehmel auf einen Größeren, welcher sagt: 'Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden.'"
1919 24. Januar: Sie wird als erste Frau Mitglied der Preußischen Akademie der Künste und erhält gleichzeitig den Professorentitel.
1920 Rede im Auftrag der "Freien Secession" am Grab von Max Klinger. Die Künstlerin engagiert sich erstmals mit einem Plakat und mit "Flugblättern gegen den Wucher" gegen die Nachkriegsnot. Angeregt durch Holzschnitte Ernst Barlachs, entsteht als eines ihrer ersten Blätter in dieser Technik das Gedenkblatt für Karl Liebknecht.
1921-1924 Arbeit für die Internationale Arbeiter-Hilfe (IAH), der viele linke Intellektuelle angehören. Während dieser Zeit entstehen sozialpolitische Plakate wie "Nie wieder Krieg" für den Mitteldeutschen Jugendtag in Leipzig und "Nieder mit den Abtreibungs-Paragraphen!"
1922/23 Kollwitz arbeitet an der Holzschnittfolge "Krieg", die von den Werken Ernst Barlachs beeinflußt ist.
1925 Die Mutter von Käthe Kollwitz, Katharina Schmidt, die seit 1919 in der Wohnung der Familie Kollwitz lebte, stirbt. Die Holzschnittfolge "Proletariat" entsteht.
1926 Bis 1932 schafft Käthe Kollwitz ihr plastisches Selbstbildnis. Käthe Kollwitz reist mit ihrem Mann nach Belgien und besucht den Soldatenfriedhof in Roggevelde bei Dixmuiden, auf dem ihr Sohn Peter bestattet ist. Die Arbeit am Mahnmal "Die trauernden Eltern" tritt danach in seine abschließende Phase.
1927 Zahlreiche Ehrungen und Ausstellungen zum 60. Geburtstag. Im November reist Käthe Kollwitz in Begleitung ihres Mannes zu den Feierlichkeiten des 10. Jahrestages der "Oktober-Revolution" in Moskau.
1928 Leitung des Meisterateliers für Graphik an der Akademie der Künste in Berlin.
1929 Ausstellung im Kupferstichkabinett in Basel. Verleihung des Ordens Pour le Mérite für Wissenschafen und Künste.
1931 Käthe Kollwitz vollendet ihr plastisches Hauptwerk, das Mahnmal "Die trauernden Eltern", und zeigt die beiden Gipsfiguren erstmals auf der Berliner Akademieausstellung.
1932 Aufstellung des Mahnmals "Die Eltern" für den gefallenen Sohn Peter auf dem Soldatenfriedhof in Roggevelde nahe Dixmuiden, das sie schon seit 1914 geplant hat.
1933 Kollwitz wird zum Austritt aus der Preußischen Akademie der Künste gezwungen. Amtsenthebung als Leiterin in der Meisterklasse für Graphik, später zudem indirektes Ausstellungsverbot durch Entfernung ihrer Arbeiten aus der Akademieausstellung und dem Kronprinzenpalais.
1934/35 Sie schafft ihren letzten Zyklus "Vom Tode" (Lithographien).
1935 Beginn des inoffiziellen Ausstellungsverbotes. 1935/36 entsteht das Bronzerelief "Ruht im Frieden seiner Hände" für die eigene Familiengrabstätte auf dem Zentralfriedhof Berlin-Friedrichsfelde.
1936 Ein Artikel in der Moskauer Zeitung "Isvestija", dem ein Interview mit Käthe Kollwitz zugrunde liegt, führt zu einem Verhör durch die Gestapo. Ihr wird für den Wiederholungsfall die Haft im Konzentrationslager angedroht. Die zur Berliner Akademieausstellung eingereichten Exponate der Künstlerin werden einen Tag vor Eröffnung der Ausstellung entfernt.
1937 Da in Deutschland alle Ausstellungspläne zum 70. Geburtstag scheitern, zeigt Käthe Kollwitz eine Auswahl ihrer Arbeiten in ihrem Atelier in der Klosterstraße. Die Künstlerin lässt die 1936 vollendete Plastik "Mutter mit zwei Kindern" in Muschelkalk aushauen. Ihre Plastik "Pietà" entsteht zwischen 1937 und 1938/39.
1938 Teilnahme am Begräbnis von Ernst Barlach. Ihre Trauer findet Ausdruck in dem Bronzerelief "Die Klage", das 1940 abgeschlossen wird.
1940 19. Juli: Tod ihres Mannes. In der Kleinplastik "Abschied" (1940/41) verarbeitet Käthe Kollwitz den Verlust ihres Mannes.
1942 22. September: Ihr Enkelsohn Peter fällt in Rußland. Es entsteht die Lithographie "Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden".
1943 Übersiedlung nach Nordhausen zu der Bildhauerin Margret Böning. 25. November: Ihre Berliner Wohnung, in der sie seit 1891 lebte, wird durch Bomben zerstört; viele Drucke und Platten werden vernichtet.
1944 20. Juli: Umsiedlung nach Moritzburg bei Dresden auf Einladung des Prinzen Heinrich von Sachsen.
1945 Am 22. April, wenige Tage vor Kriegsende, stirbt Käthe Kollwitz in Moritzburg. Im Herbst wird die Urne der Künstlerin nach Berlin überführt und im Familiengrab auf dem Zentralfriedhof in Berlin-Friedrichsfelde beigesetzt..
Auszeichnungen und Ehrungen:
1908: Villa-Romana-Preis
Weblinks:
Käthe-Kollwitz-Museum, Köln
Literatur über Käthe Kollwitz in der Deutschen Nationalbibliothek
Literatur:
Schmalenbach, Fritz: Käthe Kollwitz. Königstein i. Ts. 1965, 2003 Langewiesche, ISBN 3-7845-2671-3
Ursula Trüper: Leider war ich ein Mädchen - Über Käthe Kollwitz, Edition Nautilus, 2001, ISBN 3894013702
Fritsch, Martin (Hg.): Zeichnung, Plastik, Grafik, E. A. Seemann Verlag, Leipzig, ISBN 3-8650-2036-4
Fritsch, Martin (Hg.): Hommage an/Homage to: Käthe Kollwitz, E. A. Seemann Verlag, Leipzig, ISBN 3-8650-2117-4
Werner Schmidt (Hrsg.): Die Kollwitz-Sammlung des Dresdner Kupferstichkabinetts. Graphik und Zeichnungen 1890-1912. DuMont, Köln 1988, ISBN 3770122976
Elmar Jansen: Ernst Barlach, Käthe Kollwitz - Berührungen, Grenzen, Gegenbilder, Union Verlag, 1989, ISBN 3372002571
Uwe M. Schneede: Käthe Kollwitz. Das zeichnerische Werk, Schirmer /Mosel Verlag, 1981, ISBN 388814082X
Käthe & Hans Kollwitz: Ich sah die Welt mit liebevollen Blicken. Ein Leben in Selbstzeugnissen, Fourier Verlag, 1990, ISBN 392169521X
Catherine Krahmer: Käthe Kollwitz: Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, Rowohlt Verlag, 2003, ISBN 3499502941
Käthe Kollwitz: Briefe an den Sohn 1904 bis 1945, Siedler Verlag, 2002, ISBN 3886802507
Käthe & Hans Kollwitz: Ich will wirken in dieser Zeit, Ullstein Taschenbuchverlag, 1981, ISBN 3548360629
Jutta Bohnke-Kollwitz (Hrsg.): Die Tagebücher: 1908-1943, bTb Verlag, 2007, ISBN 3442736838
Martin Fritsch (Hrsg.): Käthe Kollwitz: Selbstbildnisse. Self-Portraits, Seemann Verlag, 2007, ISBN 3865021719
Roswitha Mair: Käthe Kollwitz. Leidenschaft des Lebens, Herder Verlag, 2002, ISBN 3451047691
Lotte Bormuth: Käthe Kollwitz - Aus dem Leben einer engagierten Künstlerin, Francke-Buchhandlung, 2006, ISBN 3861228041
Käthe Kollwitz: Katalog der Handzeichnungen. Käthe- Kollwitz- Sammlung der Kreissparkasse Köln, Lübbe Verlag, 1985, ISBN 3785704070
Käthe Kollwitz: Aus meinem Leben. Ein Testament des Herzens, Herder Verlag, 2006, ISBN 3451057573
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