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August Macke
(1887 - 1914)
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August Macke
"Beim Elefanten (groß)"
Bleistiftzeichnung, 1913
28,5 x 21,6 cm
Rückseitig sowie auf dem Unterlagekarton mit dem Nachlassstempel und der Bezeichnung des Nachlasses „August Macke,
Beim Elefanten, 1913“ versehen. Auf einem zweiten Unterlagekarton ebenfalls mit dem Nachlassstempel und der darin enthaltenen Nummerierung „BZ3,31“ versehen und nochmals „August Macke, 1913“
bezeichnet und „Beim Elefanten (Bleistiftzeichnung)“ betitelt.
Provenienz: Günther Franke, München; Sophie Franke, München; Tilly von Manz, Bayern; Privatsammlung Westdeutschland
Ausstellungen: Kunstverein Frankfurt/Nassauer Kunstverein Wiesbaden; „Gedächtnisausstellung August Macke“, 1920; Kunstverein Freiburg i. Br., „Meister der Moderne – Sammlung Günther Franke“, 1952, Kat.-Nr. 62; Westfälischer Kunstverein/Wilhelms-Universität/Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster, „August Macke. Gedenkausstellung zum 70. Geburtstag“,
1957; Kat.-Nr. 203; Städtische Galerie München, „Sammlung Günther Franke. Gemälde, Zeichnungen, Druckgraphik“,
1960, Kat.-Nr. 420 mit Abb.
Werkverzeichnis der Zeichnungen von Ursula Heiderich, Stuttgart 1993, Nr. 1870, Abb. S. 527
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Im Frühjahr 1907 entdeckt August Macke auf einer Studienreise in Basel Photographien von Arbeiten französischer Impressionis-ten. Tief beeindruckt davon, drängt es ihn, diese Werke im Original kennen zu lernen. Durch die Unterstützung von Bernhard Koehler, Kunstmäzen und Onkel seiner zukünftigen Frau Elisabeth Gerhardt, reist er kurz darauf nach Paris. Die intensive Auseinandersetzung mit den Impressionisten führt Macke zu einem wichtigen Thema, der Darstellung des Lichtes: In zahlreichen Skizzen und Studien fängt er Spaziergänger in sonnendurchfluteten Parks und Figuren in schattigen Cafés ein, welche wenige Jahre später, wenngleich in anderer Art und Weise, seine Gemälde immer wieder aufs Neue beleben werden.
In den Wintermonaten 1907/08 begibt sich Macke nach Berlin und wird Schüler bei Lovis Corinth. Hier nimmt er Anregungen auf, die ihn zu einer Vereinfachung und Klärung der Form führen. Auf seiner anschließenden zweiten Parisreise richtet Macke sein Augenmerk nun vor allem auch auf Paul Cézanne und entdeckt wahrscheinlich auch Henri Matisse.
Die Übersiedlung nach Tegernsee/Bayern im Herbst 1908 fördert die Freundschaft mit Franz Marc, der ihn mit dem Kreis um Wassily Kandinsky bekannt macht. Die gemeinsame Arbeit am Almanach „Der Blaue Reiter“ führt ihn zu einer Annäherung an die gleichnamige Künstlervereinigung, die sich für Macke aber nur als kurze Episode erweist.
Prägender ist für Macke seit 1912 jedoch die Auseinandersetzung mit dem Kubismus und dem italienischen Futurismus, die ihn zu einer Rhythmisierung der Formen führt, wobei er seine ganz spezifische Motivwelt beibehält. Die Kenntnis der Arbeit von Robert Delaunay ist zudem von entscheidender Bedeutung für Mackes Farbwirkung. Damit vollzieht sich in Mackes Kunst zwischen 1911 und 1913 eine entscheidende Fortentwicklung, die ihm eine exponierte Stellung in der avantgardistischen Kunstentwicklung beimisst.1)
Macke widmet sich während seines künstlerischen Schaffens nicht nur der Malerei, tausende Blätter füllt er mit flüchtigen Skizzen, Studien oder bildhaft ausformulierten Zeichnungen. Für längere Zeit beschäftigt ihn in zahlreichen Variationen das Sujet der flanierenden Passanten und Spaziergänger unter Bäumen, am See oder auf den Straßen, welches er nun durch das Hinzufügen der Tierwelt, in der sich insbesondere die Faszination für außereuropäische Tiere ausdrückt, bereichert. Das Motiv der Zoo-besucher vor den Gehegen von Papageien, Flamingos oder Tigern zieht Macke wiederholt in seinen Bann. 1912 entsteht das Gemälde „Zoologischer Garten I“ und zahlreiche Studien folgen für das geplante Triptychon „Großer Zoologischer Garten“. Dass diesen vorbereitenden Studien und Zeichnungen jedoch nicht nur der Stellenwert einer Vorarbeit beigemessen werden kann, sondern vielmehr als eigenständige und vollwertige Zeichnungen zu bewer-ten sind, verdeutlicht unser Blatt „Beim Elefanten“ von 1913.
Eine kleine Figurengruppe steht, vom Betrachter abgewandt, in einiger Entfernung zum Gehege des Elefanten. Die Personen sind genau beobachtet und in sorgfältig geführter Strichführung wiedergegeben. Hüte, Frisuren, Kleidung und Kragen sind präzise ausformuliert. Von hier ausgehend wird der Blick zu einer zweiten Personengruppe im Bildmittelgrund weitergeleitet, vor der sich der imposante Dickhäuter erhebt. Auch hier setzt Macke Linien und Schraffuren mit Bedacht. Kontrastierend zur sorgfältig gezeichneten figürlichen Binnenzeichnung ist die Darstellung der Landschaft, in welche sie eingebettet ist. Schwungvoll neigt sich vom linken Bildrand ausgehend ein mächtiger Baum über Mensch und Gehege. In impulsiven Wischern charakterisiert Macke das Blattwerk als umschließendes und verbindendes Element der dargestellten Szene. Das Licht, welches durch die dichten Baumkronen fällt, wirft kantige Schatten auf den Boden und weist auf Mackes eigenständige Verarbeitung kubistischer Einflüsse hin. Ein starker Hell-Dunkel-Kontrast betont dabei die Plastizität des Dargestellten und unterstreicht die von Macke angestrebte Lebendigkeit in der künstlerischen Arbeit. Unser Blatt, in dem sich die zeichnerische Meisterschaft des noch jungen Künstlers ausdrückt, ist ein eindrucksvolles Zeugnis dafür, wie sich Macke vergangene und aktuelle Kunsttendenzen zu eigen macht, sie selektiv in sich aufsaugt, um daraus ein ganz eigenständiges, charakteristisches Ausdrucks- und Formenreper-toire zu entwickeln.
Anm.: 1)Vgl. Erich Franz, „August Macke – Form und Lebendigkeit“, in:
Magdalena M. Moeller (Hg.), „August Macke und die Rheinischen
Expressionisten“, Ausst.-Kat. Brücke-Museum Berlin und Kunsthalle
Tübingen, München 2002, S. 39ff.
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