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Ewald Mataré (1887 - 1965)

Verfügbare Arbeiten Biographie


Ewald Mataré
"Kleine Liegende Kuh II – Porzellankuh"
Bronze ; 1936
H. 8,5 cm, B. 22 cm, T. 12 cm
Signiert mit dem Monogramm
Provenienz: Privatsammlung Stockholm
Ausstellung: Hessisches Landesmuseum Darmstadt, 1974
Literatur: W. Beeh, „Bildwerke um 1800 bis 1979 im Hessischen Landesmuseum in Darmstadt“, Hanau 1974, Nr. 115 mit Abb.
Werkverzeichnis Schilling Nr. 119 a
Laut Werkverzeichnis befinden sich ein Exemplar im Hessischen Landesmuseum Darmstadt und zehn Güsse in Privatsammlungen

Die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts stehen unter keinem guten Stern für die Kunstschaffenden in Deutschland. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wird das Kunst- und Kulturleben unterdrückt. Auch der Künstler Ewald Mataré hat unter der Situation zu leiden. 1932 wird Mataré an die Staatliche Kunstakademie in Düsseldorf berufen und schon ein Jahr später ohne nähere Angaben von seinem Amt freigestellt. Mataré bezieht nun eine Position, die die Mehrheit der Künstler vertritt. Er darf zwar weiter arbeiten und erhält kein Ausstellungsverbot, aber er kapselt sich gegen die Außenwelt ab und lebt, außerhalb aller politischen Aktivitäten, zurückgezogen in einer „inneren Emigration“. Mit Aufträgen aus der Kirche und von einigen Privatpersonen kann er seinen Lebensunterhalt bestreiten.

Das Tier an sich reizt Mataré in der Skulptur, insbesondere mit Kühen setzt er sich gerne auseinander. Aus verschiedenen Perspektiven wird die Kuh immer wieder zunächst in Holz, dann in Bronze festgehalten und ihre Formen finden immer wieder neue Möglichkeiten im Ausdruck. Insbesondere in den Sommermonaten findet der Bildhauer Muße die Rinder darzustellen. Im Jahre 1936 verbringt Mataré den Sommer in Kappeln an der Schlei, im Norden Deutschlands, fernab vom Alltag und den Sorgen. „Am 3. des Monats bin ich aufgebrochen, um hier an der Ostseeküste etwas zum Aufenthalt zu finden. Ich war in Folshöft, das brauchbar war, aber keinen Platz für mich hatte. Dies Land ist stilvoll, die herrlichen Wiesen mit den braunen Kühen ist von einem besonderen Eindruck und ich glaube, sicher dort etwas zu Wege gebracht zu haben, wenn ich genügend Zeit gehabt hätte. […] Seit langer Zeit beschäftigen mich bei der Kuh neben der Form auch die Flecken, die, wie ich erkannte, keineswegs willkürlich auf dem Tier verlaufen. Gelingt es mir nun auch, die Flecken (schwarz und weiß) einzuordnen, so kann ich damit sicherlich eine Steigerung auch des formalen Ausdrucks erreichen, denn wenn sie nicht selbstständig, sondern von der Form abhängig sind, so müssen sie auch wieder eingeordnet das Ganze unterstreichen, [ …]“.1) In dieser Sommerzeit kreiert Mataré in Bronze unsere „Kleine liegende Kuh“, die mit einer goldbraunen Patina überzogen ist. Liegend mit angewinkelten Vorder- und Hinterhufen schmilzt die Kuh zu einer birnenförmigen Figur zusammen. Die hervorgehobenen Gliedmaßen, die Vorder- und Hinterbeine heben sich eckig von der weichen Formgebung ab und unterstreichen das Geometrische im Körper des Tieres. Leicht nach vorne geneigt, beschließt das Haupt mit den kegelförmigen Hörnern die Einheit der Form. Die Plastik lässt sich von allen Seiten betrachten und strahlt auf den Beobachter eine gewisse Wärme und Ruhe aus. Weich und doch schwer besticht unsere liegende Kuh durch die geometrisch vereinfachten Formen. In einmaliger Weise verbindet er Material und Form und kommt so zu völlig neuen Anordnungen. Mataré löst sich nie vom Naturvorbild, zielt aber in seinen Tierplastiken auf eine größtmögliche Abstraktion, die in seinem Werk eine Hauptrolle einnehmen. „[…] Vor allem ist es der plastische Ausdruck von Kopf und Hörnern, der […] als ein plastisches Ganzes zusammengefasst werden soll, wie ich überhaupt nun mehr beginnen kann, eine Zusammenfassung des ganzen Tieres, einer Art Komposition der einzelnen wesentlichen Teile anstrebe, ich rücke dabei äußerlich von der Natur ab, komme ihr aber darum auch wieder näher, weil ich gewissermaßen nur immer mehr vom Detail abstrahiere und alles Unwesentliche unbeachtet lasse.“2) Die Kuh wird zum Symboltier des herausragenden plastischen Schaffens des rheinischen Künstlers. Ewald Mataré bleibt in allen seinen formalen Experimenten dem Körper des Geschöpfes treu.

Anm.:
1) Ewald Mataré, „Tagebücher“, Köln 1973, 10. Juli 1936, S. 135.
2) Ebenda, 26. Mai 1927, S. 89.



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