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Ewald Mataré
(1887 - 1965)
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Ewald Mataré
"Große liegende Kuh"
Bronze ; 1930
H. 16,5 cm, B. 55 cm, T. 24,5 cm
Signiert mit dem Monogramm
Ausstellung: Wilhelm-Lehmbruck-Museum, Duisburg 1976, „Deutsche Bildhauer 1900 - 1933. Plastik und Graphik“, Kat.-Nr. 119; Haus der Kunst, München 1997, Kat.-Nr. 585
Literatur: Gerhard Schön, „Die Kuh des Mataré“, in: Das Kunstwerk, 1949, Heft 8, mit Abb. S. 33
Werkverzeichnis Schilling Nr. 60 a
Laut Werkverzeichnis befinden sich Exemplare in folgenden Museen: Kunsthalle Bremen; Karl-Ernst-Osthaus Museum, Hagen; Städtisches Museum Abteiberg, Mönchengladbach; Museum Stuttgart
Darüber hinaus befinden sich neun Exemplare in privaten Sammlungen.
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Im Frühling 1930 bricht der Künstler Ewald Mataré zu einem längeren Aufenthalt nach Lill-Pellinge, einer Insel im Süden Finnlands auf. Hier am Meer, in der unberührten Natur, möchte er die Sommermonate verbringen, um neue Plastiken zu schaffen, denn zuvor hatte sich Mataré mit dem Holzschnitt beschäftigt. Voller Enthusiasmus geht Mataré in der Umgebung auf Erkundungstour und widmet sich seinem Lieblingsmotiv der Kuh. „Gleich am zweiten Tag begann ich, nochmals draußen die Kühe zu zeichnen. [...] An das ganze Problem Kuh gehe ich nun heran, [...] wo ich auf der Fläche die Tiere in aller Ruhe und befreit von allem beobachten konnte.“1) Zunächst aus Treibholz und später aus bedachtsam gewählten Edelhölzern entstehen auf der finnischen Insel zahlreiche Tierplastiken, u. a. auch der Vorläufer zu unserer aus Bronze gegossenen „Großen liegenden Kuh“: „[...] wie ich das denn auch bei fressenden Kühen beobachte, der ganze Leib hat etwas birnenförmiges, eben ein Ei mit einer Verlängerung nach vorn langsam auslaufend. Bei all diesen Formen, die ich einmal dort und einmal da akzentuiere, sind keine erdachten Vorstellungen, sondern ich mache sie alle nach genauer Beobachtung [...].“2)
In sich ruhend, liegt die große Kuh auf dem massiven Leib mit der zart verlaufenden Linie der Wirbelsäule, die in einen schlanken Hals übergeht, an den sich das Haupt mit dem halbmondförmigen Hörnerpaar anschließt. Wichtig für die Herausarbeitung von Kontur und Volumen ist bei Mataré die radikale und konsequente Vereinfachung des Tierwesens. Es ist die Suche nach dem Elementaren. Das Objekt wird zu einer Einheit. Die geschmeidige, polierte Bronzeoberfläche des Tieres betont die Reinheit der Form und regt den Tastsinn des Betrachters an, der auch die Schwere der Plastik spürt. Statt einem Programm folgt Mataré der Natur, die anregendes und auslösendes Moment seiner Kunst ist. Nichts ist dem Zufall überlassen. Seine Arbeit ist von der Suche nach der endgültigen Form gekennzeichnet, die das Wesentliche, das unter der Oberfläche Verborgene ausdrückt.
Immer wieder setzt sich der Künstler mit der Position des Liegens in seinem künstlerischen Schaffen auseinander und bringt dies in zahlreichen Werken zum Ausdruck. „Mein nun einmal gefasster Begriff, auch die liegende Kuh ihres naturalistischen Liegens zu entkleiden, gewissermaßen auch hier die Formen auseinander darzulegen, macht mir vor allem bei den Beinen, die bei der liegenden Kuh fast immer zum größten Teil verdeckt sind, die größten Schwierigkeiten, und auch das Prinzip, dass die Beine in die Rundung des Leibes hineinstoßen und so dessen Form verändern, hindert mich noch, eine klare Kunstform zu finden. Jetzt kämpfe ich schon seit 16 Jahren um dieses Biest, und was gelang mir bis jetzt daran?“3)
Die Bronze „Große liegende Kuh“ ist eine der harmonischsten und in den Proportionen ausgewogensten plastischen Arbeiten des rheinischen Künstlers.
Anm.:
1) Ewald Mataré, „Tagebücher“, Köln 1973, 30. Mai 1930, S. 108.
2) Ebenda, 21. Juli 1930, S. 111.
3) Ebenda, Hiddensee, 13. August 1934, S. 128.
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