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Georg Meistermann (1911 - 1990)

Verfügbare Arbeiten Biographie


Georg Meistermann
"Komposition"
Öl auf Leinwand ; 1952
53 x 65 cm
Signiert mit dem Monogramm. Rückseitig nochmals signiert mit dem Monogramm und „52“ datiert.
Provenienz: Privatsammlung Hannover
Ausstellungen: Kestner-Gesellschaft, Hannover 1954, „Zeitgenössische Kunst aus Hannoveraner Privatbesitz,“ Kat. Nr. 105
Werkverzeichnis Herold Nr. 259 (o. Abb.)

Georg Meistermann gehört nicht zu jenen Künstlern, die nach dem Zweiten Weltkrieg den Weg der gestisch-expressiven Malerei des „Informel“ beschreiten, auch wenn die meist spontane Linienführung daran erinnern mag. Denn seine Kompositionen sind niemals dem Zufall überlassen, sondern sind Ergebnis eines durchdachten und ausgewogenen Bildauf-baus, bei dem der Form-, Farb- und Linienzusammenhang immer erhalten bleibt. Seine Malerei kann eher als eine lyrisch-kontemplative Abstraktion verstanden werden, die sich an der französischen Tradition orientiert und von Alfred Manessiers beeinflusst wird. So geht es Meistermann nicht darum, „die Bildfläche [...] zur Ebene der Emotion werden zu lassen. Er sucht nach [...] Chiffren, die für menschliche Anteilnahme und inneres Erleben stehen, die nicht die Sache an sich, sondern die durch sie hervorgerufene Reaktion des Künstlers und Menschen bezeichnen, als Symbole der Meditation zu verstehen.“1)

In den frühen fünfziger Jahren beschäftigt Meistermann vor allem die malerische Umsetzung des Urzustandes des menschlichen Geistes, der Natur und des Kosmos in Form von Bewegung und Spannungsverhältnissen als dessen Sinnzeichen. Dabei bearbeitet er häufig das Thema der Befreiung, wie in diesem Werk: Heftig streben hier zwei organische Gebilde auseinander. Auslöser für diese Reaktion ist die, an einen Samen oder Wassertropfen erinnernde, herabstürzende Form in der Bildmitte. So ist dieses Motiv als Symbol der Aufsprengung geistiger – worauf die Farbe Blau verweist – wie auch formaler Fesseln durch Wachstum und Verwandlung zu verstehen.

Kennzeichnend für seine Gestaltungsweise dieser Schaffens-periode sind relativ geschlossene, meist nicht konturierte, sich überlagernde und durchdringende Farbflächen und -bänder, die vor einem hellen, diffusen Hintergrund schweben, wobei den Künstler weniger deren Farbwert als die Dynamisierung der gesamten Bildfläche interessiert. Sie stehen im Kontrast zu dem bildbestimmenden scheinbar zufällig gesetzten, geschwungenen schwarzen Liniengefüge, das in Verbindung mit den breiten Balken oder dicken Punkten eine kalligraphische, zeichnerische Wirkung ergibt. Diese Lineatur verleiht der Komposition einen spannungsvollen, bewegten Ausdruck.



Anm.:
1) Paul Vogt, „Geschichte der deutschen Malerei im 20. Jahrhundert“, Köln 1989, S. 393f.


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