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Gabriele Münter (1877 - 1962)

Verfügbare Arbeiten Biographie


Gabriele Münter
"Schneelandschaft am Moorsee"
Öl auf Malkarton/Leinwand ; 1939
33 x 41 cm
Rückseitig mit dem Nachlaßstempel versehen und handschriftlich "L 313" bezeichnet. Unter dieser Nummer im Bestandsbuch der Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung aufgeführt.
Im Arbeitsheft der Malerin aus dem Jahre 1939 befindet sich eine Malskizze unter der Nr. 21 "Schneelandschaft mit Moorsee". Gabriele Münter vermerkt dazu "Tauwetter auf Neuschnee im März".
Expertise: Professor Dr. Helmut Friedel, Gabriele Münter- u. Johannes Eichner-Stiftung, München
Provenienz: Gabriele Münter- u. Johannes Eichner-Stiftung, München ; Privatsammlung Hamburg


Nach langen Jahren unsteten Umherwanderns kehrt Gabriele Münter zusammen mit ihrem Lebensgefährten, dem Kunsthistoriker Johannes Eichner, 1931 wieder in ihr Haus nach Murnau zurück. Hier hatte sie bis 1915 zusammen mit Wassily Kandinsky gelebt. In der alten Umgebung knüpft die Malerin thematisch und stilistisch wieder an ihre Kunst aus der Zeit des Blauen Reiters an. Auf diese Weise zur Ruhe gekommen, fmdet Münter in der Abgeschiedenheit ihren malerischen Ausdruck in stimmungsvollen Bildern aus ihrer Umgebung. Sie sieht sich fortan wieder als jene ,,primitiv" Schaffende, die sich keiner Regel unterwirft und nur ihrer Intuition folgt. Sie lehnt verstandesmäßige Prinzipien und ein bewusstes Kunstwollen ab. Vielmehr betont die Künstlerin die Bedeutung der spontanen, ursprünglichen Schaffenskraft. Wie es auch schon die Künstlergruppe Blauer Reiter formuliert hatte, bedeutet fur Münter das losgelöste Arbeiten von gesellschaftlichen Bezügen ein Freisein von äußerer Beeinflussung - laut Kandinsky ein Wert, der den wahren, schöpferischen Künstler vom Scheinkünstler unterscheidet.1)

Das Spätwerk mit seinen Rückgriffen auf die Zeit des Blauen Reiters kann wie die frühe Murnauer Zeit zu den Höhepunkten von Münters künstlerischer Laufbahn gezählt werden. Für Arbeiten dieser Schaffensperiode ist die einfache klare Gliederung der Bilder in wenige synthetisierte Flächen charakteristisch. Mit starken Konturen werden die Hauptelemente der Kompositionen eingefasst, während die farbigen Zonen kaum Binnenzeichnung aufweisen. In den geschwungenen, leicht modellierten Formen stellt sich gegenüber der oft abrupten Kantigkeit früherer Arbeiten eine größere Milde ein. Auch etwas von der Stille und Unbeweglichkeit der Kunst der Neuen Sachlichkeit scheint als Sediment in das Werk Münters eingedrungen zu sein.

Dies sind Charakteristika, die auch unser Bild ,,Schneelandschaft mit Moorsee" bestimmen. Münter hatte zu dem Bild die Anmerkung ,,Tauwetter mit Neuschnee im März" notiert. Das Motiv der Tauflecken des schmelzenden Schnees hat Münter seit früher Zeit interessiert. Eine weiche, teilweise noch tief verschneite, hügelige Winterlandschaft breitet sich vor dem Betrachter aus. Wege ziehen sich in braunen Schwüngen durch das Bild. Im Hintergrund liegt das Oval des Moorsees in kraftigem Blau. Ihn umgibt ein brauner Kranz. Der schmale Himmelsstreifen in eben demselben Blau ist weiß gehöht, als würden Wolken von Schnee heraufziehen. Im Vordergrund steht ein kleines Haus in die Landschaft eingebettet. Wenige kahle Baume und Sträucher sind versprengt. Im Vordergrund läuft ein Spaziergänger -womöglich Johannes Eichner -, die Hände in den Hosentaschen verborgen. Sein Pullover leuchtet rot. Noch lässt die Natur keine Spuren des Vorfrühlings erkennen, auch wenn die Schneeschmelze bereits eingesetzt hat. Das Ganzheitliche von Münters Blick, dessen Wesen auf zeichnerischer Vereinfachung und flächiger Bildkomposition im Verbund mit einer spezifischen Farbigkeit beruht, bleibt der Grundzug ihres Schaffens. Man fühlt sich an Kandinskys Worte zur Charakterisierung ihrer Kunst erinnert: ,,Eine einfache, aus einigen ohne Ausnahme ernsten Farben bestehende eigene Harmonie, die durch ihre tiefen Töne mit der Zeichnung einen ruhigen Akkord bildet.2) Der Murnauer Landschaft, in der sie ihren personlichen Stil entwickelt hat, hielt Münter als einziges der überlebenden Mitglieder des Blauen Reiters die Treue.

Anm.: 1) Sabine Windecker, "Gabriele Münter. Eine Künstlerin aus dem Kreis des Blauen Reiter", Berlin 1991, S. 203.
2) "Der Blaue Reiter im Lenbachhaus München", Armin Zweite (Hrsg.), München 1991, o.S. (zu Farbtafel Nr. 73).

Falls Sie weiterführende Informationen zum Künstler oder Bildmaterial der abgebildeten oder weiterer verfügbarer Arbeiten benötigen sollten, senden Sie uns bitte eine Email an: mail@ludorff.com


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