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Gabriele Münter
(1877 - 1962)
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Gabriele Münter
"Rote Dahlien auf Rot"
Öl auf Malkarton ; 1942
65,5 x 48,8 cm
Signiert und "1942" datiert.
Rückseitig nochmals signiert, datiert und "Rotes Blumenbild" bezeichnet.
Expertise: Professor Dr. Helmut Friedel, Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, im Lenbachhaus, München.
Das Werk ist im Arbeitsheft der Künstlerin aus dem Jahr 1942 unter der Nr. 19 mit dem Titel "Rote Dahlien auf Rot" aufgeführt und mit einer Kompositionsskizze festgehalten. Nach diesem Eintrag malte Gabriele Münter das Bild zwischen dem 23. und dem 26. 7. 1942.
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Als 1937 ihre Bilder unter nationalsozialistische Zensur geraten, zieht sich Gabriele Münter aus dem öffentlichen Kunstleben zurück. In der Abgeschiedenheit Murnaus, wohin sie sechs Jahre zuvor übergesiedelt war, konzentriert sich die Malerin auf ihr vielfältiges Spätwerk. In den Kriegsjahren von 1940 bis 1945 fällt ihr das Arbeiten jedoch schwer, und so entstehen nur wenige Bilder, vornehmlich Porträts und Blumenstilleben. Letzteren schenkt Münter seit den dreißiger Jahren im besonderen Maße ihre Aufmerksamkeit. Nach den Jahren der persönlichen und künstlerischen Neuorientierung innerlich zur Ruhe gekommen, bietet ihr das bescheidene Motiv unerschöpfliche Möglichkeiten, sinnliche Empfindungen zur Anschauung zu bringen. Dabei folgt Münter nicht mehr der schlagenden Expressivitat ihrer frühen Schaffenszeit, als sie gemeinsam mit den Freunden der ,,Neuen Künstlervereinigung München" innovative Wege in der Malerei markierte, sondern beschreibt nun in einer besonneneren Sichtweise das, was ihr bildwürdig erscheint. Was sie aber beibehält, ist ihre lapidare und großzügige Bildsprache wie auch ihre leuchtende und vitale Palette. In einer großen Anzahl von Zeichnungen, Aquarellen und Ölbildern geht sie das Thema an und spürt immer neue Farb-und Formenkonstellationen auf: Vor einem bewegten, aus den Farbtönen der Blumen heraus gewonnenen Hintergrund stehen oft mehrere Topfpflanzen und in Vasen oder Krügen arrangierte Sträusse. Sie sind mit runden flüssigen Konturen in kompakter Form zusammengefasst oder manchmal mit verfließenden Umrissen gegliedert. Trotz der stilistischen Unterschiede sind für die meisten Werke eine temperamentvolle Zeichnung und ein lebendiges Kolorit charakteristisch. Im Vergleich zu diesen prallen Arrangements erscheinen die Stilleben der ersten Hälfte des folgenden Jahrzehnts eher karg. Wie bei dem hier gezeigten Gemälde befindet sich jetzt häufig nur eine einzelne kleine Bauernvase oder ein Wasserglas in der Mitte des Bildes, aus denen sich prachtvolle Blumensträuße entfalten. Farbgebung sowie Pinselduktus wirken nun homogener. Gerade unser Gemälde beeindruckt durch sein stark eingeschränktes Kolorit. Blüten, Hintergrund und Tisch zeigen die große Bandbreite der Rot-Skala auf. In ihr setzen das Grün der Blätter und das Blau des rundlichen Gefäßes kräftige Akzente. Was hier besonders zum Tragen kommt, ist Münters subtiles Farbempfinden, das ihr Werk von Beginn an prägt. Vor allem von der eigentümlichen Farbkraft der bayerischen Hinterglasmalerei inspiriert, haben ihre Farben jedoch keinen Symbolwert; Münter sucht sie in der Natur.
Etwas Feierliches geht von dem Bild aus, das uns gefangen nimmt. Es ist eine tiefe, gesammelte Ruhe. Sie erwächst aus den allgegenwärtigen und sich immer erneuernden Kräften des Daseins. Fern ab vom schrecklichen Kriegsgeschehen erfreut sich die 65jährige Künstlerin in ihrem ländlichen Refugium an den einfachen Dingen des Lebens. Hier ist sie ganz im Einklang mit sich und dem Rhythmus der Natur. Diese zeitlos unwandelbare Energie gibt ihrer Bildwelt der späten Schaffensjahre Intensität und Dauer.
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