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Serge Poliakoff
(1900 - 1969)
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Serge Poliakoff
"Composition abstraite"
Öl auf Leinwand, 1968
71,4 x 58,7 cm
Signiert. Rückseitig nochmals signiert und datiert
Provenienz: Atelier des Künstlers; Privatsammlung London
Expertise: Alexis Poliakoff, Paris
Aufgenommen in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis der Ölgemälde von Alexis Poliakoff
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Der aus Russland stammende Künstler Serge Poliakoff flieht vor der Russischen Revolution und gelangt auf abenteuerlichen Wegen über Konstantinopel im Alter von 24 Jahren nach Paris. Er erlangt die französische Staatsbürgerschaft und hier in der Metropole an der Seine geschieht etwas Entscheidendes: Serge Poliakoff erkennt – wie er später zu Andre Malraux sagen wird – , dass er „sein Zuhause gefunden hat“1). Da er musikalisch veranlagt ist, hält sich Poliakoff als Gitarrenspieler in verschiedenen Nachtcafés über Wasser. Tagsüber malt er in seinem Atelier und nimmt an den wöchentlichen Treffen des Künstlerehepaares Delaunay teil, die sich als hilfreich erweisen, ihm seinen Weg in der Kunst aufzuzeigen. 1937 erfolgt seine erste Einzelausstellung in der Galerie Zak in Paris. Im darauf folgenden Jahr wendet sich Poliakoff zur abstrakten Kunst hin. Bis 1944 entstehen zwar noch vereinzelt gegenständliche Werke, sein Hauptaugenmerk liegt jedoch auf den Möglichkeiten abstrakten Arbeitens. Zu einer Vermischung beider Stile kommt es in diesen Jahren nie. Ab 1952 stellt sich der Erfolg in seiner künstlerischen Laufbahn ein. Poliakoff kann es sich nun leisten, sich ausschließlich auf die Malerei zu konzentrieren. Seine Arbeit wird von nun an in einer Vielzahl internationaler Ausstellungen gewürdigt. Zu diesem Zeitpunkt hat Poliakoff in seiner Kunst den Weg zur Abstraktion gefunden. Besondere Erkennungsmerkmale seiner Bilder sind die gegeneinander gesetzten, oft stark farbigen Farbfeldkompo-sitionen, zu denen auch unser hochformatiges Ölbild von 1968 zählt. In kräftigem Blau, Türkis, Gelb, Schwarz, Weiß und Rot verzahnen sich die geometrischen Formen. Die Bewegung der Formen verläuft vom unteren Rand über die Mitte zum oberen Rand des Bildes hin, wodurch eine Dynamik im Bildaufbau entsteht. In leuchtenden und kühlen Tönen mischen sich die Formen im Auge des Betrachters zu einem bunten Farbteppich. „Mit Hilfe eines einzigen Pinselstrichs setzt er die Farbe zunächst ins Innere einer jeden Form und schiebt schließlich ihre stärkste Wirkung bis zur äußeren Begrenzung wo sie wie eine sublimierte Linie wirkt.“2) Hier geben das Material und die Farbe der Form ihre Klarheit und nicht die Kontur, welche nicht in Erscheinung tritt. Eine Form grenzt direkt an die andere, ohne dass die Ebenen gebrochen werden, ganz im Gegenteil, sie werden durch ihre innere Kraft aneinander gebunden und es entsteht somit ein Ganzes aus dem Bild. Serge Poliakoff weiß: „Man darf nicht vergessen, dass jede Form zwei Farben besitzt, eine innere und eine äußere. So ist das Ei außen weiß und innen gelb. Dies gilt für alle Dinge.“3) An dem uns vorliegenden besonders ausdrucksstarken und frischen Beispiel verdeutlicht sich Poliakoffs Fähigkeit, Farbflächen so anzuordnen, dass immer wieder neue Gleichge-wichte und Gegenüberstellungen entstehen. Poliakoffs Absichten erschließen sich jedoch nicht darin, Farbharmonien zu erzeugen. Vielmehr untersucht er in seinen Arbeiten vor allem die malerische Textur und die Wirkung der Farben auf die innere Leuchtkraft der jeweils umliegenden Felder. Hierdurch zeichnet sich Poliakoff als Meister der Abstraktion aus.
Anm.:
1)Museum Würth (Hg.), „Poliakoff – Eine Retrospektive – Arbeiten
aus den Jahren 1931 bis 1969“, Ausst.-Kat., Künzelsau 1997, S. 234.
2)Dora Vallier, „Serge Poliakoff“; Paris 1959, rezitiert in:
Sylvia C. Weber, „Poliakoff – Eine Retrospektive – Arbeiten
aus den Jahren 1931 bis 1969“, Künzelsau 1997, S. 9.
3)Serge Poliakoff, „Cahier I“, Sankt-Gallen 1973, rezitiert in: Gerard
Durozoi „Die Kunst Poliakoffs – oder die Ausweitung des malerischen
Raums“ in: Ebenda, S. 25.
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