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Hans Purrmann (1880 - 1966)

Verfügbare Arbeiten Biographie


Hans Purrmann
"Porto d`Ischia"
Öl auf Leinwand ; um 1957
51 x 60 cm
Signiert.
Rückseitig auf dem Keilrahmen mit der Katalog-Nr. "1411 III" und der Nr. "N 1701" sowie mit einem Zollstempel versehen.
Werkverzeichnis Lenz/Billeter Vol. II, Nr. 1957/13, m. Abb. S. 241.


Hans Purrmann, der seit der Verfolgung durch die Nationalsozi-alisten in Montagnola in der Schweiz lebt, verbringt zwischen 1953 und 1959 regelmäßig die Sommermonate auf Ischia. Hier kann er in südlichem Licht vor dem Motiv malen. In Porto d’Ischia bildet sich um den Künstler ein Kreis von Malern, die tagsüber arbeiten und abends beim Calabresen, einer kleinen Gemischtwarenhandlung am Quai, zusammenkommen, trinken und diskutieren. Eine ähnliche örtliche Situation scheint auf unserem Bild “Porto d’Ischia” wiedergegeben zu sein. Als Halbkreis breitet sich im Vordergrund in strahlendem Blau das Hafenbecken aus. Ein Fischkutter und zwei kleine Boote bilden farbliche Akzente. Rund um die Bucht sind in lockerer Folge einige Häuser gruppiert, die in die üppige südliche Vegetation eingebettet sind. Etliche Palmen erzählen vom leichten mediterranen Leben, das zudem von einem azurblauen Himmel überstrahlt wird, lediglich durchzogen von ein paar kleinen weißen Wolken.

Trotz der überaus heiteren Stimmung, die Purrmann meisterlich wiederzugeben weiß, erlegt sich der Künstler in seiner Malweise strenge Gesetze auf. Im Motiv die Einheit bereits wahrnehmen zu können, vor der Natur von der Natur zu abstrahieren und in der Studie durch Auslassen, Verstärken und Zusammenfassen die künstleriche Übertragung herzustellen, dies ist sein immerwährender Anspruch, der ihn große Anstrengung kostet. Impetus und kompositionelle Erfordernis, Spontaneität der Auffassung und angestrebte Tektonik im Bild sind dabei die widerstreitenden Pole. Purrmanns Landschaftsbilder gehen somit über die Reproduktion des Empfangenen weit hinaus und sind auch keine Pleinairmalerei im üblichen Sinne. Häufig wird im Atelier weitergeführt, was vor dem Motiv begonnen wurde.

Die Einheit des Kunstwerkes und seine Rolle als Mittler zwischen Mensch und Natur ist für Purrmann in seinem Schaffen ein Kriterium von zentraler Bedeutung. Grundlegend für seine künstlerische Entwicklung ist dabei die Ansicht seines bewunderten Vorbilds Paul Cézanne, der die These von der Eigengesetzlichkeit vertritt, der die Darstellung auf einer Bildfläche gegenüber der dreidimensionalen Realität zu entsprechen habe, ohne das Sichtbare als Ausgangspunkt der Wahrnehmung dabei aufzugeben. Damit die Einheit des Kunstwerkes erreicht wird, ist es wichtig, dass der Maler von Anfang an eine Idee des Gesamteindrucks hat. Ständig soll der Künstler die Ensemble-Wirkung im Auge behalten.

Purrmann malt langsam und bedächtig. Freunde erinnern sich, wie auf eine neue Leinwand in leichter Pinselführung die ganze Komposition aufgetragen wird, gefolgt von einem mühsamen Suchen nach dem richtigen Gleichgewicht der Farbtöne. Je mehr das Gemälde sich seiner Vollendung nähert, desto mühsamer kommt die Arbeit voran. Jeder neue Pinselstrich kann das Gleichgewicht der Bildfläche zerstören und zur Dissonante im Gemälde werden. Für Purrmann gibt es im Arbeitsprozess drei Stadien: das erste, scheinbar gelungene, das zweite, in dem es ein “Chaos” ist und das dritte Stadium, das nur wenige Bilder erreichen: es ist der wiedergewonnene erste Zustand, bewusst, geglückt.

Der Übergang ins Spätwerk vollzieht sich bei Purrmann ohne harte Brüche. Das Lebenswerk, das sich ohnehin durch eine besondere Kontinuität auszeichnet, ist ausgereift und in sich gefestigt. Weniger der Einzelwert der Farbe steht im Vordergrund, als der einheitliche Zusammenklang aller Farb-töne. Der Künstler selbst erinnert sich: “Ich suchte farbig zu sein, eine Lichtwirkung zu erreichen, die mir das Motiv jeweils eingab, aber ohne mich von dem überwältigenden Licht des Himmels oder der Natur zu allzu hellen Farben hinreißen zu lassen. Meine Darstellung sollte sich flächenhaft auf der Leinwand abspielen und nur die jeweiligen Farbkontraste sollten mir das Mittel in die Hand geben, Licht und Erscheinung zu provozieren. Ich suchte auch Flächen gegeneinander auszuspielen und mit der Perspektive frei umzugehen. Es ist ja nicht so, dass die Natur ein fertig komponiertes Bild darstellt, das man nur abzumalen braucht.1)

Anm.:
1) Hans Purrmann: Vorwort zu „Stillleben und Landschaften“, zitiert in: Akademie der Künste der Deutschen Demokratischen Republik, „Hans Purrmann, 1880-1966, Malerei, Graphik, Zeichnungen, Plastik“, Ausst.-Kat., Berlin (Ost) 1982, S.100.



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