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Karl Schmidt-Rottluff (1884 - 1976)

Verfügbare Arbeiten Biographie


Karl Schmidt-Rottluff
"Sommerblumen"
Aquarell ; um 1925
68,5 x 50 cm
Signiert.


Über einen sehr langen Zeitraum, von 1905 bis 1970, widmet sich Karl Schmidt-Rottluff der Aquarellmalerei; so ist es nicht verwunderlich, dass sie die umfangreichste Werkgruppe seines Schaffens bildet. Weder als Notizen noch als Vorentwürfe für spätere Ölgemalde führt er die meist großformatigen Blätter aus, sondern legt sie immer als eigenständige Kompositionen an. Immer wieder ist das Arbeiten mit den Wasserfarben für ihn eine besondere Herausforderung, wobei er bewusst nicht die freie Handhabung eines Emil Nolde anstrebt. Die Technik bietet Schmidt-Rottluff die Möglichkeit, schnell auf Eindrücke zu reagieren. Aber auch wenn er mit dem malerischen Vokabular das Vorübergehende veranschaulicht, sind seine Aquarelle doch keine Augenblicksbilder, denn das entspräche nicht der Wesensart des Malers.

Auf unserem Blatt entfacht sich ein spätsommerliches Feuerwerk: Aus wolkenartigen Formationen in erdigen Braun- und luftigen Blautönen funkeln die Blüten - die Farben ihrer Blätter kann man oftmals nur durch die transparenten ,,bunten" Umrißlinien erahnen - wie weiße Blitze hervor, in deren Zentrum kräftige gelbe Staubgefäße erstrahlen. Frei geht Schmidt-Rottluff hier mit den Wasserfarben um, läßt sie ineinander übergehen oder überlappen, so dass sich gemeinsam mit der raumschaffenden Wirkung der Farben ein lebhaftes Vor und Zurück ergibt. Ihr Verlauf bestimmt aber auch den Rhythmus und die Spannung, die durch das kontrastierende Kolorit eine Steigerung erfährt. Die Farben scheinen beinahe zu schweben. Nur das Weiß des freigelassenen Malgrundes und die schwarze Kontur der Vase binden sie an die Bildfläche. Darüber hinaus gibt allein diese Umrißlinie der Komposition einen tektonischen Halt. Der Künstler verdichtet hier die klaren, knappen Formen, die subtile Farbigkeit und die dynamischen Bewegungen zu einer Einheit, die dem Aquarell Feierlichkeit und innere Monumentalität verleiht.

Als Schmidt-Rottluff dieses Bild malt, verläuft sein Schaffen bereits in ruhigeren Bahnen als wahrend seiner ,,Sturm-und-Drang-Zeit". Es geht ihm nun nicht mehr allein um die neue Sicht auf die Dinge, sondern auch um das Erkennen der transzendenten Ebene jenseits der beobachteten Wirklichkeit. Damit einhergehend löst er sich zugunsten einer zunehmenden Naturnähe von seiner stark abstrahierenden Darstellungsweise: Er gibt die flächige Ausbreitung der Gegenstände immer mehr auf, lässt sie plastischer erscheinen und an Volumen gewinnen. Zugleich findet er zu einem beruhigten Bildaufbau und einer gedämpfteren Farbgebung. In der folgenden Dekade erarbeitet sich Schmidt-Rottluff dann weitere neue künstlerische Ansatze, die sich in einer harten, plastischen Formulierung und intensiveren Farbwahl äussern.

Falls Sie weiterführende Informationen zum Künstler oder Bildmaterial der abgebildeten oder weiterer verfügbarer Arbeiten benötigen sollten, senden Sie uns bitte eine Email an: mail@ludorff.com


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