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Fritz Winter (1905 - 1976)

Verfügbare Arbeiten Biographie


Fritz Winter
„Das blaue Kreuz“
Öl auf Leinwand ; 1965
135 x 145 cm
Signiert und „65“ datiert
Rückseitig nochmals signiert, datiert und betitelt
Provenienz: Privatsammlung Süddeutschland
Ausstellung: Kunst-Museum Ahlen, „Man lebt im Wirken der Schöpfung. Fritz Winter zum 100. Geburtstag“, 2005/2006

Fritz Winter wurde 1905 in Altenbögge als erstes Kind einer Bergmannsfamilie geboren. Nach einer Elektrikerausbildung besucht er tagsüber das Realgymnasium in Ahlen und arbeitet nachts als Bergmann unter Tage. Die Erlebnisse und Eindrücke dieser Zeit prägen nicht nur seinen Charakter und seine Persön-lichkeit, sondern auch sein späteres künstlerisches Schaffen. Den zunächst geäußerten Wunsch, Medizin zu studieren, gibt er 1927 schließlich zugunsten einer Bewerbung um Aufnahme am Ba-haus in Dessau auf. Hier erfährt er, als Schüler von Paul Klee, Wassily Kandinsky und Oskar Schlemmer, seine erste entscheidende künstlerische Prägung. Vor allem die Lehre Klees vermittelt ihm ein hohes Maß an kreativem Bewusstsein. Eine Freundschaft mit Ernst Ludwig Kirchner führt ihm im Gegenzug dazu eine freie Künstlerexistenz vor Augen. Nach dem Erwerb des Bauhausdiploms übernimmt Winter ein Lehreramt an der Pädagogischen Akademie in Halle, doch schon bald wird er durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten an seiner Tätigkeit gehindert. In der bayerischen Provinz, in Dießen am Ammersee, findet Winter ein Refugium, wo er in aller Stille sein künstlerisches Werk fortführt. Gleich zu Kriegsbeginn eingezogen, kosten ihn diese Jahre als auch die vierjährige russische Kriegsgefangenschaft wertvolle Zeit. Kaum heimgekehrt, wird Winter sofort wieder künstlerisch tätig. 1949 zählt er zu den Gründungsmitgliedern der Gruppe ZEN 49, im Jahr darauf wird er als Professor an die Kassler Kunstakademie berufen, ein Amt, welches er bis 1970 inne hat. Die Wiederaufnahme seines Schaffens erfolgt dabei nahtlos an der Stelle, wo der Krieg das künstlerische Arbeiten unmöglich gemacht hatte, „wenngleich Winter die Genese seines Werkes nun auf geradezu atemberaubende Weise dynamisierte und er dadurch in zuvor unbekannte Dimensionen vorstieß“1). Durch seine umfangreiche und innovative Schöpferkraft wird er zu einem der bedeutendsten Vertreter der Nachkriegsmoderne in Deutschland und auf internationaler Ebene. Jedoch findet erst 1965 die erste große Retrospektive mit Werken von Fritz Winter statt. Anlässlich seines 60. Geburtstages wird er mit dieser umfangreichen Wanderausstellung mit Stationen in Kassel, Hannover, Mannheim, Düsseldorf, Stuttgart und Berlin geehrt.

In diesem Jahr der künstlerischen Anerkennung ist auch unser Gemälde „Das blaue Kreuz“ entstanden. In einem überwältigenden Großformat setzt sich Winter darin mit der Thematik der Farbraummodulation auseinander, die ihn seit Beginn der sechziger Jahre beschäftigt. Mit sparsamen Mitteln charakterisiert Winter das Bild als ein Gefüge gegeneinander strebender Kräfte. Das große blaue Kreuz, welches den Bezug zum Titel des Gemäldes herstellt, ist etwas aus der Mitte gerückt. Von einem weißen, vieleckigen Riegel bedrängt, wird es in die rechte Bildhälfte verschoben. Gefräßig und dominant vertreibt dieser Riegel – gleich einem gefährlichen Raubfisch – alles um sich herum. Die Vielfalt an unregelmäßigen Rechtecken, die neben- und übereinander gelagert sind, verfestigt sich collagenhaft zu einem dichten Bezugssystem und verdeutlicht eindringlich Winters bildnerische Auseinandersetzung mit farbspezifischer Räumlichkeit. Vorder- und Hintergrund vereinen und separieren sich gleichzeitig voneinander. Die polygonalen Flächen sind zudem nicht scharf gegeneinander abgegrenzt, sondern ihre Konturen verschwimmen. Der Charakter des im Raum Schwebenden, der Fluss des Universums und der kosmischen Energien, die alle Dinge in Bewegung halten, wird auf diese Weise betont. „Man lebt im Wirken der Schöpfung, neigt sich still vor allen Wundern dieser Welt, die alles Ferne nah sein lässt, alles Nahe fern und alles verbunden in jener Tiefe, die ich als Quell Gottes im Menschen selbst sehe.“2) Für Winter, der die Wirklichkeit als ein Konglomerat aus Naturerlebnis und befreiten Aspekten des Unbewussten betrachtet, bedeutet Abstraktion die Verdeutlichung dieses Zusammenspiels auf der Bildfläche.

Anm.:

1) Fritz Winter Haus (Hg.), „Fritz Winter. Formwerdend. Malerei und Zeichnung“, Ausst.-Kat., Ahlen 2001, S. 7.
2) Fritz Winter rezitiert nach Lothar Romain, in: Fritz-Winter-Haus Ahlen (Hg.), „Fritz Winter zum 80. Geburtstag“, Ausst.-Kat., Ahlen 1985, S. 95.



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