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Aquatinta

Die Aquatinta ist wie die Radierung auch ein Ätzvorgang. Dies besagt auch schon der Name: der dunkle Plattenton (tinta) wird durch die Säure (aqua fortis) hergestellt.

Im Gegensatz zu dem Vorgang des Radierens, bei dem Linien in die Druckplatte geätzt werden, beruht die Technik der Aquatinta auf der Herstellung von Flächen.

Durch das Auftragen säurefesten Staubs wird die Druckplatte unter jedem einzelnen Korn vor dem darauffolgenden Ätzvorgang geschützt. Durch den Ätzvorgang entstehen nun an den nichtgeschützten Stellen mikroskopisch kleine Flächenvertiefungen.

Mit der Dauer der Ätzung bestimmt der Drucker nicht nur die Tiefe dieser Flächen, sondern auch die spätere Stärke des Farbauftrags. Eine flache Ätzung ergibt einen schwachen Farbton, eine tiefe Ätzung tiefe und satte Farbtöne.

Wie nun die Darstellung und die Variationsmöglichkeiten dieser zustande kommen erklären wir Ihnen jetzt genau:

Auf eine blanke Kupferplatte wird zuerst völlig gleichmäßig feiner Harzstaub, Asphaltstaub oder Kolophoniumstaub verteilt. Dies kann durch Aufstreuen mit einem feinen Sieb geschehen oder aber durch die Verwendung eines Staubkastens: In einem ca 80 cm hohen Kasten wird mit Hilfe eines Blasebalgs der Staub aufgewirbelt; schiebt man nun die Metallplatte ganz unten in den Kasten ein, so fängt sie den Staub auf ihrer Oberfläche als eine homogene Schicht auf. Da die gröberen Staubkörner zuerst und die feineren später auf die Metallplatte sinken, werden bereits bei diesem Vorgang Charaktereigenschaften des späteren Werks festgelegt:

a) Die Beschaffenheit des Staubs, grob oder fein.
b) Zu welchem Zeitpunkt die Metallplatte in den Kasten eingebracht wird.
c) Wie lange der Staub aufgefangen wird.

Nun wird die Platte von unten angewärmt, sodaß das Pulver weich wird und zu Schmelzen beginnt. Hier ist der nächste Gestaltungsfaktor gegeben:

d) Die Dauer des Anwärmens bestimmt die Dichte der Schicht.

Legt man nun die Platte in das Särebad, so werden die blank gebliebenen, haarfeinen Zwischenräume der Staubkörner geätzt. Auf der Platte entsteht ein Netz, welches den Flächenton (Grundton) der Aquatinta bestimmt.

An den Stellen wo später Farbtöne erscheinen sollen, wäscht man nun mit Hilfe eines Pinsels und einer lösenden Flüssigkeit die Deckschicht aus. Hierdurch können besonders interessante lavierende Wirkungen beim spä,teren Druck zustande kommen.

Lavismanier, um 1760 von J. B. Leprince in Frankreich erfundene besondere Art der Radierung mit feiner Tonabstufung und malerischer Wirkung, besonders zur Wiedergabe von Tuschzeichnungen: Auf die Kupfer- oder Zinkplatte wird ein säurebeständiger Belag von Kolophoniumstaub aufgeschmolzen, so dass beim Ätzen die Säure nur in die Zwischenräume zwischen den Staubpartikeln des Kolophoniums dringen kann. Erster Hauptmeister war F. Goya; neue künstlerische Möglichkeiten erschlossen E. Manet, P. Picasso, G. Rouault u. a.


Literaturtipp: Walter Koschatzky, Die Kunst der Graphik ; Technik, Geschichte, Meisterwerke bei www.amazon.de