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Max Liebermann & Lesser Ury
5. Mai bis 31. Juli 2007
 

Max Liebermann (1847 – 1935) und Lesser Ury (1861 – 1931) stehen im Zentrum dieser Ausstellung, die den Blick auf zwei wichtige und prägende Vertreter des deutschen Impressionismus an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert richtet. Liebermanns heiteren, sonnenbeschienenen Garten-, Allee- und Strandszenerien stehen die rauchgeschwängerten Kaffeehausdarstellungen und nächtlichen Straßenansichten Urys gegenüber, die ein spannungsreiches künstlerisches Zusammenspiel voller wechselseitiger Impulse offenbaren.

Der eine in Berlin gebürtig, der andere ein Zugereister, treffen die beiden Künstler 1887 in der Metropole an der Spree erstmalig aufeinander. Mit einem Empfehlungsschreiben von Fritz von Uhde im Gepäck wendet sich Ury nach seiner Ankunft in der Hauptstadt hoffnungsvoll an den vierzehn Jahre älteren Max Liebermann. Liebermann, dessen künstlerisches Talent früh erkannt und gefördert wurde, genießt in der Kunstwelt bereits hohes Ansehen. Aufgrund seines wohlhabenden Elternhauses ist er in die Gesellschaft eingeführt, in einflussreiche Kunst- und Kulturkreise integriert und finanziell unabhängig. Ury, der noch am Anfang seiner künstlerischen Laufbahn steht, stammt dagegen aus einem ganz anderen Milieu. Aus einer Arbeiterfamilie kommend, versucht er trotz aller Widrigkeiten seiner Berufung als Künstler zu folgen. Nicht nur in ihrer Herkunft unterscheiden sich die beiden, auch zwei ganz unterschiedliche Charaktere zeichnen sie aus. Liebermann ist ein Familienmensch, gesellig und gastfreundlich. Ury ist dagegen ein Einzelgänger, öffentliche Veranstaltungen und Feierlichkeiten sind ihm ein Gräuel. Sein langjähriges Modell und Geliebte hält er vor der Öffentlichkeit verborgen und führt mit ihr ein Leben am Rande der Gesellschaft.

Dem anfänglich freundschaftlichen Verhältnis der beiden Künstler folgt bereits Ende des Jahres 1891 das Zerwürfnis, das seine Auswirkungen vor allem zum Nachteil Urys zeigt. Der Streit entfacht sich an einer unbedachten Äußerung des jungen Wahlberliners. In seinem Bekanntenkreis rühmt sich Ury, der zeitweilig im Atelier Liebermanns tätig war, damit, dass er dessen Gemälde „Flachsscheuer in Laren“ durch Lichtakzente zur Vollendung gebracht hat. „Det is mir egal, dass erzählt wird, meine Bilder seien von Lesser. Aber wenn Ury sagt, dass seine Bilder von mir sind, dann verklage ich ihn“1), so die Reaktion des etablierten Malers. Bezeichnend ist, dass Ury sich der Konsequenzen dieser Aussage nicht bewusst zu sein scheint. Gerade unterwegs auf Reisen durch Italien, schreibt er mehrere, unbefangene Briefe an Liebermann, die unbeantwortet bleiben. Zurückgekehrt in Berlin findet sich Ury jedoch plötzlich vor der veränderten Situation wieder, die sich auch dahingehend äußert, dass Liebermann ihm fortan den Zutritt zu wichtigen Künstlerkreisen verwehrt - weder bei der avantgardistischen Künstlervereinigung „XI“ ist Ury 1892 dabei noch bei Gründung der „Berliner Secession“ 1898, in welcher Liebermann die Präsidentschaft innehat. Erst als Lovis Corinth Nachfolger von Liebermann wird, erhält Ury Zugang zur Secession, deren Ehrenmitglied er 1921 wird.

Die persönlichen Differenzen hindern Liebermann und Ury jedoch nicht daran, in ihren Schöpfungen gleichsam neue Wege zu beschreiten und wechselseitig darin Anregungen zu finden. Erste impressionistische Elemente und Einflüsse - eine zunehmend lichtere Farbigkeit und ein lockerer Pinselstrich - finden sich bei Liebermann schon in den frühen achtziger Jahren, zu dieser Zeit geht Ury noch seinen Studien in Paris nach. Andererseits nimmt das intensive Kolorit der Malerei Urys, das die Problematik der Lichtreflexion und Spiegelung aufgreift und dabei selbst Schatten farbig schimmern lässt, eine Vorreiterstellung ein. Insbesondere seine nächtlichen Großstadtimpressionen sind dafür bezeichnend.

Sowohl Liebermann als auch Ury schaffen ein umfangreiches malerisches OEuvre – Gemälde und Pastelle nehmen einen breiten Raum in ihrer Kunst ein. Doch gleichfalls als Zeichner und Graphiker sind sie von unbändigem Gestaltungsdrang, wobei Ury erst spät zu graphischen Techniken findet, sich dann aber umso intensiver damit auseinandersetzt. Mit Stift, Pinsel und Farben im Gepäck sind beide Künstler immer wieder im Berliner Tiergarten anzutreffen. Die Alleen, Spaziergänger, Reiter und Kutschen in dem zentral gelegenen Stadtwald sind Inspirationsquell unzähliger Arbeiten. Zieht es Liebermann zudem des Öfteren zum Malen in seinen Garten am Wannsee, wo er sich an der Blütenpracht seiner selbst angepflanzten Blumen erfreut, streift Ury als rastloser Beobachter durch die Straßen der Stadt. Beide Künstler entdecken desgleichen auf Reisen anregende und inspirierende Motivwelten: Liebermann hält sich mit Vorliebe an der holländischen Küste auf. Ury reist an den Gardasee oder nach Thüringen, später auch nach London und Paris. Doch Berlin bleibt der jeweilige Lebensund Schaffensmittelpunkt. Dabei betont Liebermann in seinen Werken stärker den Momentcharakter und ist bestrebt, den vergänglichen Augenblick in seiner jeweiligen Spezifität ins Bild zu bannen. Seine in Farben und Formen ausgereiften Kompositionen lassen auch immer den exzellenten Zeichner erkennen. Ury strebt danach, über die Darstellung des flüchtigen Augenblicks hinaus eine allgemeingültige Wiedergabe des visuellen Eindrucks auf der Leinwand festzuhalten. Atmosphärische Besonderheiten, das Flirren und Vibrieren der Luft und insbesondere das nächtliche Lichtspiel sind Gegenstand seiner künstlerischen Auseinandersetzung, die sich in intensiven, rauschenden Farbenvisionen ausdrückt.

In der spannungsreichen Gegenüberstellung dieser beiden Künstler, die mit ihrer Plein-Air-Malerei den künstlerischen Auftakt zur Moderne in Deutschland bildeten, offenbaren die hier ausgestellten Werke die herausragende Bedeutung ihrer Kunst, die Konventionen überwand

Anm.:1) Max Liebermann, zitiert in: Hans Oswald (Hg), „Das Liebermann-Buch“, Berlin 1930, S. 204.

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