Carl Hofer
Karlsruhe, 1878 - 1955, Berlin
Carl Hofer
«Montagnola»
Öl auf Leinwand ; um 1930 ; 80 x 100 cm
Signiert mit dem Monogramm
Karl Bernhard Wohlert, Dortmund
Provenienz:
Nachlass Hofer, Nr. 284; Galerie Wirnitzer, Baden-Baden, Nr. 256; Baukunst Galerie, Köln; Privatsammlung Köln
Nachlass Hofer, Nr. 284; Galerie Wirnitzer, Baden-Baden, Nr. 256; Baukunst Galerie, Köln; Privatsammlung Köln
Austellung:
Galerie auf der Empore - Universität Konstanz, "Ölbilder, Aquarelle, Zeichnungen von Karl Hofer", Konstanz 1979
Baukunst Galerie, "Karl Hofer", Köln 1978
Baukunst-Galerie, "Retrospektiv - Ausstellung Karl Hofer. Ölbilder, Aquarelle, Handzeichnungen, Druckgraphik", Köln 1975
Baukunst-Galerie, "Karl Hofer. Ölbilder, Zeichnungen, Druckgraphik der Jahre 1922 bis 1955", Köln 1972/1973
Kunsthalle Wilhelmshaven, "Karl Hofer. Retrospektiv-Ausstellung. Ölbilder, Aquarelle, Zeichnungen, Lithographien", Wilhelmshaven 1969
Baukunst-Galerie, "Anlässlich der 90. Wiederkehr des Geburtstages von Karl Hofer", Köln 1968
Riksförbundet for Bildande Konst, "Tysk nutidskonst/Deutsche Gegenwartskunst", Wanderausstellung Nr. 164, Stockholm (u.a). 1956/57
Galerie auf der Empore - Universität Konstanz, "Ölbilder, Aquarelle, Zeichnungen von Karl Hofer", Konstanz 1979
Baukunst Galerie, "Karl Hofer", Köln 1978
Baukunst-Galerie, "Retrospektiv - Ausstellung Karl Hofer. Ölbilder, Aquarelle, Handzeichnungen, Druckgraphik", Köln 1975
Baukunst-Galerie, "Karl Hofer. Ölbilder, Zeichnungen, Druckgraphik der Jahre 1922 bis 1955", Köln 1972/1973
Kunsthalle Wilhelmshaven, "Karl Hofer. Retrospektiv-Ausstellung. Ölbilder, Aquarelle, Zeichnungen, Lithographien", Wilhelmshaven 1969
Baukunst-Galerie, "Anlässlich der 90. Wiederkehr des Geburtstages von Karl Hofer", Köln 1968
Riksförbundet for Bildande Konst, "Tysk nutidskonst/Deutsche Gegenwartskunst", Wanderausstellung Nr. 164, Stockholm (u.a). 1956/57
Literatur:
Karl Bernhard Wohlert/Markus Eisenbeis, "Karl Hofer. Werkverzeichnis der Gemälde", Bd. II, Bonn 2008
Baukunst-Galerie, "Retrospektiv - Ausstellung Karl Hofer. Ölbilder, Aquarelle, Handzeichnungen, Druckgraphik", Ausst.-Kat., Köln 1975
Kunsthalle Wilhelmshaven, "Karl Hofer. Retrospektiv-Ausstellung. Ölbilder, Aquarelle, Zeichnungen, Lithographien", Ausst.-Kat., Wilhelmshaven 1969
Karl Bernhard Wohlert/Markus Eisenbeis, "Karl Hofer. Werkverzeichnis der Gemälde", Bd. II, Bonn 2008
Baukunst-Galerie, "Retrospektiv - Ausstellung Karl Hofer. Ölbilder, Aquarelle, Handzeichnungen, Druckgraphik", Ausst.-Kat., Köln 1975
Kunsthalle Wilhelmshaven, "Karl Hofer. Retrospektiv-Ausstellung. Ölbilder, Aquarelle, Zeichnungen, Lithographien", Ausst.-Kat., Wilhelmshaven 1969
Carl Hofers Leben und Werk sind umfassend von den politischen Umwälzungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geprägt. Während des 1. Weltkrieges verbringt der Künstler drei Jahre in einem französischen Internierungslager. Diese verzweifelten, desillusionierenden Erfahrungen werden im Weiteren seinen Malstil prägen. Von 1919 bis 1933 lehrt Hofer als Professor an der Berliner Akademie für bildende Künste, ein Amt aus dem er nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten sogleich entlassen wird. Seine Bilder werden aus den deutschen Museen entfernt und versteigert. Während des 2. Weltkrieges verliert der Künstler dann einen Großteil seines Œuvres bei einem Bombenbrand seines Ateliers. 1945 wird Hofer zum Direktor der Hochschule für bildende Künste in Berlin-Charlottenburg berufen, deren Wiederaufbau er maßgeblich betreibt. Zum Ende seines Lebens gerät er jedoch nochmals zwischen die Fronten in dem erbitterten Streit zwischen den Anhängern gegenständlicher und abstrakter Malerei, was womöglich auch seine letzten Kräfte aufgezehrt haben mag.
Gleich nach dem Ende des 1. Weltkrieges bereist Hofer zum ersten Mal das Tessin, eine Landschaft, die ihn immer wieder anziehen wird. 1931 kauft er sich hier ein Haus und verbringt bis zum Ausbruch des Krieges seine Zeit wechselweise in Berlin und im Tessin. Hofer, dessen Werk seit Anfang der zwanziger Jahre von stärksten seelischen Spannungen erfüllt ist, dessen Malweise von spröden, kantigen Umrissen und gedämpften, herben Farben geprägt ist, durchlebt in den Tessiner Landschaften ein zeitweiliges Aufblühen seiner Palette. Zählt auch unser Gemälde „Montagnola“ in die Reihe dieser bedeutenden Tessin-Landschaften, so scheint doch sein Charakter deutlich von den Zeitumständen 1940 geprägt. Einsamkeit und Verlassenheit herrschen hier. Kein Lebewesen ist weit und breit in dieser grün-gelb leuchtenden Landschaft zu erblicken. Von einem erhöhten Standpunkt aus sieht man über eine kleine Häuseransammlung hinweg auf die Weite des Sees, der von hohen Bergen umstanden ist. Lautlose Stille beherrscht die in ihrer Farbigkeit fast unwirklich erscheinende Landschaft. Helle, reine, klare Töne stehen neben solchen, die dunkel, tiefgründig und gebrochen erscheinen. Gewohntes im Farbenaufgebot ist von unwirklich Fremdartigem begleitet, was sich zu einer Harmonie von eigenartiger Stimmigkeit verbindet. Kupfergrün und warmes Gelb sind in Hofers Palette die charakteristischen Töne. Der Künstler trägt dabei in einer „trockenen“ Malweise die verschiedenen Töne einer Grundfarbe übereinander mit wenig Bindemittel auf. Die einzelnen Körper wirken wie gebaut und sind dabei voneinander stark separiert. In dieser strengen Kompositionsweise kommt Hofer in die Nähe Cézannscher Prinzipien.
Hofer ist in künstlerischer Hinsicht ein Einzelgänger. Seine entscheidenden Vorbilder sind die idealisierende Figurenmalerei des Deutsch-Römers Hans von Marées und die konstruktive Logik Cézannes. Er ist ein Klassizist unter den deutschen Modernen, ein durch bittere Erfahrungen desillusionierter Idealist oder wie er es selbst formuliert: „Ich besaß das Romantische; ich habe das Klassische gesucht.“1) Hofer beginnt mit einem umgrenzten Traum von Schönheit und einer Vision des Klassischen. Und dann ist es das Auftreffen auf die Wirklichkeit, die diesen Traum zerschlägt. Diesem desillusionierten Idealismus entspringen die Bilder, die einsam über die Zeit hinaus für sich stehen, und doch ganz in den Möglichkeiten unserer Zeit eingebunden sind. So bleibt im Prozess eines langwährenden wehmütigen Beschwörens und schmerzhaften Umformens von ersehnter klassischer Schönheit und hinterfragter gebrochener Harmonie als Substanz ein geheimnisvolles Über-Sich-Hinausweisen. Der bildgewordene Humanismus in der Kunst Hofers ist untrennbar, oft geradezu seismographisch vorausahnend mit den Entwicklungen des Jahrhunderts verbunden: „Der Künstler hat Ausdruck seiner Zeit zu sein in überzeitlicher Gestaltung,“2) konstatiert er selbst.
Anmerkungen.:
1)Carl Hofer zitiert in: Hartwig Garnerus, „Karl Hofer (1878-1955)“, Ausst.-Kat., München/Schwerin/Kassel 1998, S. 8
2)Carl Hofer 1949, zitiert ebenda, S. 11
Gleich nach dem Ende des 1. Weltkrieges bereist Hofer zum ersten Mal das Tessin, eine Landschaft, die ihn immer wieder anziehen wird. 1931 kauft er sich hier ein Haus und verbringt bis zum Ausbruch des Krieges seine Zeit wechselweise in Berlin und im Tessin. Hofer, dessen Werk seit Anfang der zwanziger Jahre von stärksten seelischen Spannungen erfüllt ist, dessen Malweise von spröden, kantigen Umrissen und gedämpften, herben Farben geprägt ist, durchlebt in den Tessiner Landschaften ein zeitweiliges Aufblühen seiner Palette. Zählt auch unser Gemälde „Montagnola“ in die Reihe dieser bedeutenden Tessin-Landschaften, so scheint doch sein Charakter deutlich von den Zeitumständen 1940 geprägt. Einsamkeit und Verlassenheit herrschen hier. Kein Lebewesen ist weit und breit in dieser grün-gelb leuchtenden Landschaft zu erblicken. Von einem erhöhten Standpunkt aus sieht man über eine kleine Häuseransammlung hinweg auf die Weite des Sees, der von hohen Bergen umstanden ist. Lautlose Stille beherrscht die in ihrer Farbigkeit fast unwirklich erscheinende Landschaft. Helle, reine, klare Töne stehen neben solchen, die dunkel, tiefgründig und gebrochen erscheinen. Gewohntes im Farbenaufgebot ist von unwirklich Fremdartigem begleitet, was sich zu einer Harmonie von eigenartiger Stimmigkeit verbindet. Kupfergrün und warmes Gelb sind in Hofers Palette die charakteristischen Töne. Der Künstler trägt dabei in einer „trockenen“ Malweise die verschiedenen Töne einer Grundfarbe übereinander mit wenig Bindemittel auf. Die einzelnen Körper wirken wie gebaut und sind dabei voneinander stark separiert. In dieser strengen Kompositionsweise kommt Hofer in die Nähe Cézannscher Prinzipien.
Hofer ist in künstlerischer Hinsicht ein Einzelgänger. Seine entscheidenden Vorbilder sind die idealisierende Figurenmalerei des Deutsch-Römers Hans von Marées und die konstruktive Logik Cézannes. Er ist ein Klassizist unter den deutschen Modernen, ein durch bittere Erfahrungen desillusionierter Idealist oder wie er es selbst formuliert: „Ich besaß das Romantische; ich habe das Klassische gesucht.“1) Hofer beginnt mit einem umgrenzten Traum von Schönheit und einer Vision des Klassischen. Und dann ist es das Auftreffen auf die Wirklichkeit, die diesen Traum zerschlägt. Diesem desillusionierten Idealismus entspringen die Bilder, die einsam über die Zeit hinaus für sich stehen, und doch ganz in den Möglichkeiten unserer Zeit eingebunden sind. So bleibt im Prozess eines langwährenden wehmütigen Beschwörens und schmerzhaften Umformens von ersehnter klassischer Schönheit und hinterfragter gebrochener Harmonie als Substanz ein geheimnisvolles Über-Sich-Hinausweisen. Der bildgewordene Humanismus in der Kunst Hofers ist untrennbar, oft geradezu seismographisch vorausahnend mit den Entwicklungen des Jahrhunderts verbunden: „Der Künstler hat Ausdruck seiner Zeit zu sein in überzeitlicher Gestaltung,“2) konstatiert er selbst.
Anmerkungen.:
1)Carl Hofer zitiert in: Hartwig Garnerus, „Karl Hofer (1878-1955)“, Ausst.-Kat., München/Schwerin/Kassel 1998, S. 8
2)Carl Hofer 1949, zitiert ebenda, S. 11
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