Überblick Gabriele Münter, Dahlien und Rosen in braunem Krug, 1960
Dahlien und Rosen in braunem Krug
Öl auf Malkarton ; 1960 ; 63 x 45 cm
Signiert mit dem Monogramm und "B.B 12 /60 (50 /42)" bezeichnet
Das Werk ist in den Arbeitsheften der Künstlerin unter dem Datum “17.3./18.3. 1960” mit dem Titel “Dahlien und Rosen in braunem Krug” verzeichnet. Die Nummerierung “50/42” bezieht sich auf ein Blumenbild aus dem Jahre 1942 aus dem persönlichen Besitz der Künstlerin, das sie als Vorlage für unser Gemälde benutzte
Provenienz:
Atelier der Künstlerin ; Privatsammlung USA
Ausstellung:
"Meisterwerke des Expressionismus", 9. Oktober 2011 - 1. März 2012, Galerie Ludorff, Düsseldorf
Literatur:
Galerie Ludorff, "30 Jahre Galerie Ludorff", Kat. 115, Düsseldorf, 2005
Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen", Kat. 111, 79, Düsseldorf, 2004
In ihren letzten Schaffensjahren widmet sich Gabriele Münter wieder mit großer Vorliebe der in der Zeit des „Blauen Reiters“ so intensiv betriebenen Stilllebenmalerei, nachdem sie sich in den Zwanziger Jahren und in der skandinavischen Zeit vorzugsweise anderen Bildthemen zugewandt hatte. Dabei sind die Blumen das am häufigsten gewählte Motiv, das sie in zahlreichen Variationen wieder und wieder malt und zu einer letzten großen Reife führt. In den Bildern dieser Werkphase wird jedoch kein einheitlicher Stil ausgebildet. Nicht nur thematisch variiert Münter das Thema „Blumenstillleben“, sondern sie legt sich auch technisch nicht fest. Die Künstlerin arbeitet unter anderem mit Bleistift, Tusche, Kugelschreiber sowie mit Öl auf Papier. Die Arbeiten weisen, häufig in kleinem Format gegeben, eine große malerische Konzentration auf. Hier wird Münters starkes zeichnerisches Talent nochmals sichtbar. Mit der schwarzen Kontur, die sie von der Hinterglasmalerei einst übernommen hatte, erfasst sie präzise das Charakteristische der Blumen. Mit großer Einfühlung versteht sie das lebendig wuchernde Wesen der Pflanzen festzuhalten. Der Hintergrund der Arbeiten bleibt nun vielfach weiß.

So sieht man auf unserer, für diese Periode sehr charakteristischen Arbeit „Dahlien und Rosen in braunem Krug“ einen farbenfrohen Blumenstrauß mittig im Bild positioniert. Die Blüten entfalten eine sommerliche Farbenpracht, die in ihrer Isolation vor dem weißen Hintergrund fast etwas Zeichenhaftes bekommt. Außer der Anordnung der drei Gefäße sind keine räumlichen oder örtlichen Zusammenhänge erkennbar. Die Blumen stehen ganz für sich, was durch die Betonung der Einzelform mit der schwarzen Kontur noch unterstrichen wird. Das Vorbild unseres Blattes – ein Gemälde, das Münter offenbar so sehr schätzte, dass sie es nicht veräußern wollte – ist 1942 entstanden. In einer Zeit also, in der die Künstlerin in tiefster Abgeschlossenheit im Murnauer Haus arbeitet. Sie malt vorwiegend nachts und muss sich dabei ihrer Palette sehr sicher sein, um auch im Dunkeln die Wirkung der Farben bei Tageslicht richtig einschätzen zu können. Auch in der Nachkriegszeit behält sie diese Technik teilweise bei, da abends gemalte Bilder am Tage mächtiger und intensiver wirken. Als 1958 Münters Lebenspartner Johannes Eichner überraschend an einem Hirnschlag stirbt, zieht sich die Künstlerin noch mehr in ihr Murnauer Haus zurück. Noch immer fertigt sie kleinere Arbeiten zumeist auf Papier, wobei sie häufig – wie auch in unserem Fall – ältere Vorlagen kopiert.

Münters Spätwerk ist durch eine zunehmende Abstraktion gekennzeichnet. In ihren späten Werken wird die spontane, ursprüngliche Schaffenskraft betont und verstandesmäßige Prinzipien und ein bewußtes Kunstwollen abgelehnt. Allerdings verzichtet Münter jetzt auf den typischen weltanschaulichen Hintergrund mit seiner mystifizierenden Komponente, wie er für den „Blauen Reiter“ charakteristisch war, sondern zieht sich vor allem ganz ins Private zurück und sucht so ungestört und unabhängig von Zeitströmungen stimmungsvolle Bilder zu malen, die keine vorgefaßte Weltanschauung zum Ausdruck bringen.
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