Überblick Gabriele Münter, Rote Dahlien auf Rot, 1942
Rote Dahlien auf Rot
Öl auf Malkarton ; 1942 ; 66 x 49 cm
Signiert und datiert
Rückseitig nochmals signiert, datiert und "Rotes Blumenbild" bezeichnet. Das Werk ist im Arbeitsheft der Künstlerin aus dem Jahr 1942 unter der Nr. 19 mit dem Titel "Rote Dahlien auf Rot" aufgeführt und mit einer Kompositionsskizze festgehalten.
Expertise: Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München
Ausstellung:
"Meisterwerke des Expressionismus", 9. Oktober 2011 - 1. März 2012, Galerie Ludorff, Düsseldorf
Literatur:
Galerie Ludorff, "30 Jahre Galerie Ludorff", Kat. 115, Düsseldorf, 2005
Gabriele Münter zieht sich 1937, nachdem die Nationalsozialisten ihre Werke als entartet brandmarkten, aus dem öffentlichen Kunstleben zurück. In der Abgeschiedenheit Murnaus, wohin sie sechs Jahre zuvor übergesiedelt war, konzentriert sich die Malerin auf ihr vielfältiges Spätwerk. In den Kriegsjahren fällt ihr das Arbeiten jedoch schwer, und so entstehen nur wenige Bilder, vornehmlich Porträts und Blumenstilleben. Letzteren schenkt Münter seit den Dreißiger Jahren im besonderen Maße ihre Aufmerksamkeit. Nach Jahren der persönlichen und künstlerischen Neuorientierung innerlich zur Ruhe gekommen, bietet ihr das bescheidene Motiv unerschöpfliche Möglichkeiten, sinnliche Empfindungen zur Anschauung zu bringen. Dabei folgt Münter nicht mehr der schlagenden Expressivität ihrer frühen Schaffenszeit, als sie gemeinsam mit den Freunden der „Neuen Künstlervereinigung München“ innovative Wege in der Malerei markierte, sondern beschreibt nun in einer besonneneren Sichtweise das, was ihr bildwürdig erscheint. Was sie aber beibehält, ist ihre großzügige Bildsprache wie auch ihre leuchtende und vitale Palette. In einer großen Anzahl von Zeichnungen, Aquarellen und Ölbildern geht sie das Thema an und spürt immer neue Farb- und Formenkonstellationen auf: Vor einem bewegten, aus den Farbtönen der Blumen heraus gewonnenen Hintergrund stehen oft mehrere Topfpflanzen und in Vasen oder Krügen arrangierte Sträuße. Sie sind mit runden Konturen in kompakter Form zusammengefasst und manchmal mit fließenden Umrissen gegliedert. Trotz der stilistischen Unterschiede sind für die meisten Werke eine temperamentvolle Zeichnung und ein lebendiges Kolorit charakteristisch.
Im Vergleich zu diesen prallen Arrangements erscheinen ihre späten Blumenstillleben etwas reduzierter. Wie bei dem hier gezeigten Gemälde befindet sich nun häufig nur eine einzelne kleine Bauernvase oder ein Wasserglas in der Mitte des Bildes, aus denen sich prachtvolle Blumensträuße entfalten. Farbgebung sowie Pinselduktus wirken nun homogener. Gerade unser Gemälde beeindruckt durch sein stark eingeschränktes Kolorit. Blüten, Hintergrund und Tisch zeigen die große Bandbreite der Rot-Skala auf. In ihr setzen das Grün der Blätter und das Blau des rundlichen Gefäßes kräftige Akzente. Was hier besonders zum Tragen kommt, ist Münters subtiles Farbempfinden, das ihr Werk von Beginn an prägt. Vor allem von der eigentümlichen Farbkraft der bayerischen Hinterglasmalerei inspiriert, haben ihre Farben jedoch keinen Symbolwert; Münter sucht sie in der Natur.
Von dem Bild geht etwas Feierliches aus, das uns gefangen nimmt. Es ist eine tiefe, gesammelte Ruhe. Fern ab vom schrecklichen Kriegsgeschehen erfreut sich die 65-jährige Künstlerin in ihrem ländlichen Refugium an den einfachen Dingen des Lebens. Hier ist sie ganz im Einklang mit sich selbst und dem Rhythmus der Natur. Diese Harmonie verleiht ihrem Spätwerk eine unvergleichliche Intensität.
Für weitere Informationen senden Sie bitte eine Email an: mail@ludorff.com