Gerhard Richter
Dresden, 19. Februar 1932
Gerhard Richter
«Fuji 839-16»
Öl auf Aluminium /Alucobond ; 1996 ; 29 x 37 cm
Rückseitig signiert, mit einem Klebezettel der Edition versehen und nummeriert
Gerhard Richter setzt sich seit den siebziger Jahren intensiv mit der Abstraktion auseinander. Ende der neunziger Jahre entwickelt er in 110 Tafeln die Reihe „Fuji“, aus der uns hier das besonders attraktive Exemplar mit der Nummer 16 vorliegt. Im Rahmen der „Fuji“-Serie trägt Richter erstmals die Farbe nicht mehr auf eine Leinwand, sondern auf Alucobond, eine Platte aus Aluminium und Kunststoff, auf. Auf dieser glatten Oberfläche lassen sich besonders feingliedrige Farbstrukturen erzeugen. Auf die Unterlage trägt Richter die drei Grundfarben, ein leuchtendes Rot, ein sattes Grün und ein warmes Gelb-Orange, in drei horizontalen Bahnen auf. Mit einem Rakel, einem einer schmalen Kunststoffleiste gleichenden Malwerkzeug, legt der Maler die weiße Ölfarbe auf und zieht diese in dünnen Farbschichten über die Farbfläche vom oberen zum unteren Bildrand ab. Die weiße Farbe vermischt sich mit den Tönen des Untergrunds. Durch Luftblasen in der weißen Farbe und durch die Unebenheit der zuerst aufgetragenen Farbschichten bleiben einige Stellen vom Weiß unbedeckt. Durch diese Bearbeitung entsteht auf unserer Tafel eine hochkomplexe, delikate Struktur von großer malerischer Feinheit. Von oben nach unten verläuft das Rot in das Grün und löst sich dann im Weiß auf. Über die Mitte der Komposition scheint ein rot-orangefarbiger Balken zu schweben. Im unteren Teil des Bildes vermischt sich das Weiß mit Grün und Rot zu einigen durchschimmernden dunkelblauen Partien. Da der Farbauftrag mit einem Rakel sich nur bedingt steuern lässt, kommt hier das Prinzip des Zufalls zum Tragen. Der Künstler äußert sich dazu: „Ich habe eben nicht ein ganz bestimmtes Bild vor Augen, sondern möchte am Ende ein Bild erhalten, das ich gar nicht geplant hatte. Also, diese Arbeitsmethode mit Willkür, Zufall, Einfall und Zerstörung lässt einen gewissen Bildtypus entstehen, aber nie ein vorherbestimmtes Bild. […] Ich möchte ja gern etwas Interessantes erhalten als das, was ich mir ausdenken kann.“1)
Der Titel „Fuji“ könnte zwei Bedeutungen haben und zwar, „[…] der kegelförmige Vulkan auf der Insel Honshu, der als heiliger Berg Japans das Wahrzeichen des Landes ist, und der auch in Deutschland mit seinen Produkten weitverbreitete, gleichnamige japanische Film- und Photohersteller. Als Photograph benutzt Richter manchmal Filme der Marke Fuji, und 1991 bereiste er zwei Wochen lang Japan, wobei er auch den berühmten Berg sah. Einige Exemplare der Gemälde erinnern mit ihren schlierenhaften, mitunter fast graphischen Strukturelementen entfernt tatsächlich an altmeisterliche japanische oder chinesische Landschaftsdarstellungen.“2) Hintergrund der Entstehungsge-schichte der „Fuji“-Bilder ist das Herantreten des Direktors der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, Helmut Friedel, an den Künstler. Für die Sammlung des Lenbachhauses sollte Richters „Atlas”, eine Sammlung von Photos, Skizzen, Dokumenten und Vorlagen des Künstlers, erworben werden. Um den Ankauf zu finanzieren, erklärte sich Richter bereit, eine Serie von Ölgemälden für das Museum zu malen. Die Einnahmen vom Verkauf dieser „Fuji-Bilder“ haben maßgeblich dazu beigetragen, dass das Museum die Dokumentensammlung „Atlas“ erwerben konnte.
Die Erscheinung jedes einzelnen Gemäldes der Fuji-Edition ist sehr unterschiedlich. Zum einen unterscheiden sich einzelne „Fujis“ dadurch, dass sie nicht im Quer- sondern im Hochformat gemalt wurden. Zum anderen bedingen die unterschiedlichen Trocknungszustände der Grundfarben zum Zeitpunkt des Auftrags der weißen Farbschicht eine immer wieder ganz unterschiedliche Vermischung der Farben. Während einzelne „Fujis“ mit ihren äußerst feingliedrigen Farbvermischungen zum Entdecken der Detailstrukturen einladen, strahlen andere in starkem Kontrast besonders viel Selbstbewusstsein aus. Obwohl es sich bei den „Fujis“ um eine Reihe von 110 Arbeiten handelt, die sinngemäß gleich konzipiert wurden, besitzt jedes einzelne Unikatcharakter und verdeutlicht auf wundersame Art und Weise das Prinzip der abstrakten Malerei Gerhard Richters, welche sich auf dem Grat zwischen konzeptuellem Arbeiten und dem Prinzip des Zufalls bewegt.
Anmerkungen.:
1)Hubertus Butin/Stefan Gronert, „Gerhard Richter – Werkverzeichnis der Editionen 1965-2004“, Ostfildern-Ruit 2004, S. 35.
2)Hubertus Butin in: F.A.Z., 29. Oktober 2005.
Der Titel „Fuji“ könnte zwei Bedeutungen haben und zwar, „[…] der kegelförmige Vulkan auf der Insel Honshu, der als heiliger Berg Japans das Wahrzeichen des Landes ist, und der auch in Deutschland mit seinen Produkten weitverbreitete, gleichnamige japanische Film- und Photohersteller. Als Photograph benutzt Richter manchmal Filme der Marke Fuji, und 1991 bereiste er zwei Wochen lang Japan, wobei er auch den berühmten Berg sah. Einige Exemplare der Gemälde erinnern mit ihren schlierenhaften, mitunter fast graphischen Strukturelementen entfernt tatsächlich an altmeisterliche japanische oder chinesische Landschaftsdarstellungen.“2) Hintergrund der Entstehungsge-schichte der „Fuji“-Bilder ist das Herantreten des Direktors der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, Helmut Friedel, an den Künstler. Für die Sammlung des Lenbachhauses sollte Richters „Atlas”, eine Sammlung von Photos, Skizzen, Dokumenten und Vorlagen des Künstlers, erworben werden. Um den Ankauf zu finanzieren, erklärte sich Richter bereit, eine Serie von Ölgemälden für das Museum zu malen. Die Einnahmen vom Verkauf dieser „Fuji-Bilder“ haben maßgeblich dazu beigetragen, dass das Museum die Dokumentensammlung „Atlas“ erwerben konnte.
Die Erscheinung jedes einzelnen Gemäldes der Fuji-Edition ist sehr unterschiedlich. Zum einen unterscheiden sich einzelne „Fujis“ dadurch, dass sie nicht im Quer- sondern im Hochformat gemalt wurden. Zum anderen bedingen die unterschiedlichen Trocknungszustände der Grundfarben zum Zeitpunkt des Auftrags der weißen Farbschicht eine immer wieder ganz unterschiedliche Vermischung der Farben. Während einzelne „Fujis“ mit ihren äußerst feingliedrigen Farbvermischungen zum Entdecken der Detailstrukturen einladen, strahlen andere in starkem Kontrast besonders viel Selbstbewusstsein aus. Obwohl es sich bei den „Fujis“ um eine Reihe von 110 Arbeiten handelt, die sinngemäß gleich konzipiert wurden, besitzt jedes einzelne Unikatcharakter und verdeutlicht auf wundersame Art und Weise das Prinzip der abstrakten Malerei Gerhard Richters, welche sich auf dem Grat zwischen konzeptuellem Arbeiten und dem Prinzip des Zufalls bewegt.
Anmerkungen.:
1)Hubertus Butin/Stefan Gronert, „Gerhard Richter – Werkverzeichnis der Editionen 1965-2004“, Ostfildern-Ruit 2004, S. 35.
2)Hubertus Butin in: F.A.Z., 29. Oktober 2005.
Ausführliche Informationen zum Download: Werkangaben als PDF
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