War Cut II
Gerhard Richter
«War Cut II»
Öl auf Buchdeckel ; 2004 ; 25 x 21 cm
Auf dem Vorsatzpapier mit Bleistift signiert, datiert und „XI /XX h.c.“ nummeriert
Gerhard Richter setzt sich in seiner Kunst mit einer Vielzahl von Darstellungsformen auseinander. Schon in den Sechziger Jahren greift er in seiner Malerei auf Photographien aus seinen Photoalben und aus Zeitungen und Zeitschriften zurück und bricht hierdurch mit der Vorstellung des Künstlers als autonomem Bildschöpfer. Er beschäftigt sich ebenfalls intensiv mit den Möglichkeiten der Graphik und der Skulptur. Häufig entstehen Graphik-editionen und Editionen von Objekten, so genannte Multiples. Im Rahmen solcher Editionsarbeiten experimentiert Richter bis heute auch immer wieder mit den Möglichkeiten der Malerei auf bestimmten Objekten wie Photographien oder Büchern.
Ein besonders eindringliches Beispiel für Richters große Experimentierfreude ist die Edition „War Cut II“, in welcher der Künstler das Cover des Künstlerbuches „War Cut I“ mit Ölfarben übermalt. Das Künstlerbuch selbst beinhaltet auf 340 Seiten insgesamt 155 fortlaufende Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die ab dem 20. März 2003 – von Beginn an also – den Irak-Krieg schildern. Die Abbildungen zeigen jeweils unterschiedliche Detailaufnahmen des Ölgemäldes „Abstraktes Bild 648-2“ von 1987.
Die Malerei auf dem Buchdeckel ist, wie bei Richters abstrakten Gemälden üblich, in mehreren Schritten ausgeführt worden. Nacheinander hat Richter leuchtendes Rot, Gelb, Orange und Grün mit einem Rakel auf dem Buchdeckel abgezogen. Die verschiedenen Farbtöne vermischen sich zufällig, variieren und schimmern in vielfältigen Abstufungen und lassen das kleine Format zu einem besonders spannenden, konzentrierten Werk des Künstlers werden.
Richter ist auf enzyklopädische Weise tätig im System der Malerei, der Druckgraphik, der Photographie und der Skulptur wo er kontinuierlich die Möglichkeiten der jeweiligen Medien erkundet und dessen Grenzen hinterfragt. „Ich weiß noch gar nicht, ob ich von Grund auf Maler bin, da habe ich auch meine Zweifel gehabt, immer, noch immer.“1) Mit seinem Werk „War Cut II“ präsentiert Richter ein faszinierendes Gesamtkunstwerk, welches zwar zunächst als Gemälde gerahmt und wahrnehmbar ist, eigentlich jedoch eine Kombination aus Objekt, Malerei und Medienkunstwerk darstellt.

Anmerkungen.:

1) In einem Gespräch mit Dieter Schwarz (1999), Vgl. Hubertus Butin/Stefan Gronert, „Gerhard Richter – Werkverzeichnis der Editionen“, Ostfildern-Ruit 2004, S. 7.
Ausführliche Informationen zum Download: Werkangaben als PDF
Mehr Informationen erhalten Sie unter: mail@ludorff.com