Hermann Hesse, Tessiner Landschaft, 1959
Hermann Hesse
«Tessiner Landschaft»
Aquarell auf Papier ; 1959 ; 6 x 8 cm
Signiert
Provenienz:
Sammlung Friedrich Schnack
Ausstellung:
Galerie Ludorff, "Hermann Hesse – Aquarelle des Dichters", Düsseldorf 2008
Literatur:
Galerie Ludorff, "Hermann Hesse - Der Anfang aller Kunst ist die Liebe - Aquarelle und Gedichte von Hermann Hesse", Düsseldorf 2012.
Galerie Ludorff, "Hermann Hesse (1877-1962) – Aquarelle des Dichters", Ausst.-Kat. Nr. 125, Düsseldorf 2008
„Mir das Leben leicht und bequem zu machen, habe ich leider niemals verstanden. Eine Kunst aber ist mir immer zu Gebote gestanden:
die Kunst schön zu wohnen. Seit der Zeit, da ich meinen Wohnort mir selbst wählen konnte, habe ich immer außerordentlich schön gewohnt, zuweilen primitiv und mit sehr wenig Komfort, aber immer habe ich eine charakteristische, große, weite Landschaft vor meinen Fenstern gehabt. Nie aber habe ich so schön gewohnt wie im Tessin, und noch keinem meiner Wohnorte bin ich so viele Jahre treu geblieben wie meinem jetzigen, es sind fünfunddreißig Jahre, und ich werde ihn nicht mehr verlassen. Die Tessiner Landschaft,
die ich im Jahre 1907 zum erstenmal gründlicher kennenlernte, hat mich stets wie eine vorbestimmte Heimat oder doch wie ein ersehntes Asyl angezogen und empfangen. In vielen meiner Dichtungen ist sie beschrieben, in einigen spielt sie eine Hauptrolle, und eines meiner Bücher, das >Wanderung< heißt, ist nichts als ein Lobgesang an die Tessiner Landschaft. Sie ist mir zur Heimat geworden. Und auch die Tessiner liebe ich sehr, nicht nur ihre Landschaft und ihr Klima. Es hat in den Jahrzehnten, seit ich unter Ihnen wohne, Friede und Freundlichkeit zwischen uns geherrscht.“1)
Voll von Poesie ist die als „Dank ans Tessin“ betitelte Liebeserklärung von 1954, die Hermann Hesse seiner Wahlheimat widmet. Sie findet ihre Entsprechung in unserem kleinformatigen Aquarell, in dem er auf ebenso eindringliche Weise die Berge, Täler, Häuser,
Hügel und Bäume schildert. Es sind intime Schilderungen einer Landschaft, die Hesse mehr als vier Jahrzehnte bewohnte und an deren Motivreichtum er sich täglich erfreuen konnte.

Anmerkungen.:
1) Hermann Hesse, „Dank ans Tessin“ (1954), faksimiliert in: Volker Michels (Hg.), „Hermann Hesse, Tessin“, Frankfurt a. M. 1993, S. 224.
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