Hermann Hesse
Calw, 02. Juli 1877 - 09. August 1962, Montagnola
Hermann Hesse
«Tessiner Landschaft»
Aquarell und Tusche auf Papier ; 1933 ; 32 x 36 cm
Signiert mit dem Monogramm und "33" datiert
Provenienz:
Privatsammlung Basel, Schweiz; direkt vom Künstler erworben
Privatsammlung Basel, Schweiz; direkt vom Künstler erworben
Ausstellung:
Galerie Ludorff, "Der Anfang aller Kunst ist die Liebe – Aquarelle und Gedichte von Hermann Hesse", Düsseldorf 2012
Galerie Ludorff, "Der Anfang aller Kunst ist die Liebe – Aquarelle und Gedichte von Hermann Hesse", Düsseldorf 2012
Literatur:
Galerie Ludorff, "Hermann Hesse - Der Anfang aller Kunst ist die Liebe - Aquarelle und Gedichte von Hermann Hesse", Düsseldorf 2012.
Galerie Ludorff, "Hermann Hesse - Der Anfang aller Kunst ist die Liebe - Aquarelle und Gedichte von Hermann Hesse", Düsseldorf 2012.
Der Schriftsteller und Maler Hermann Hesse wird am 2. Juli 1877 in Calw im Nordschwarzwald geboren. In seiner Jugend absolviert er eine Buchhändlerlehre in Esslingen. Ab 1895 übt er diesen Beruf in Tübingen und ab 1899 in Basel aus. In seiner Freizeit beginnt der junge Hesse zu schreiben und veröffentlicht den Roman „Peter Camenzind“, der die Aufmerksamkeit des Verlegers Samuel Fischer auf sich zieht und der ihm zu seinem Durchbruch in der Literarischen Welt verhilft. Von diesem Zeitpunkt an kann Hesse von seiner Tätigkeit als freier Schriftsteller leben. Er heiratet die Photographin Maria Bernoulli, mit der er drei Söhne bekommt.
Beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges meldet sich Hesse 1914 als Freiwilliger bei der deutschen Botschaft, wird jedoch für untauglich befunden und der deutschen Kriegsgefangenenfürsorge in Bern zugewiesen. Im Rahmen dieser Tätigkeit ist Hesse fortan damit beschäftigt, für deutsche Kriegsgefangene Bücher zu sammeln und zu verschicken. Er ist auch Mitherausgeber der „Deutschen Interniertenzeitung“ (1916/17), Herausgeber des „Sonntagsboten für die deutschen Kriegsgefangenen“ (1916–1919) und zuständig für die „Bücherei für deutsche Kriegsgefangene“.
Am 3. November 1914 veröffentlicht er einen Aufsatz in der „Neuen Zürcher Zeitung“, in dem er an die deutschen Intellektuellen appelliert, nicht in nationalistische Polemik zu verfallen. Was darauf folgt, bezeichnet Hesse später als eine große Wende in seinem Leben: Erstmals findet er sich inmitten einer heftigen politischen Auseinandersetzung wieder. Die deutsche Presse attackiert ihn, Hassbriefe gehen bei ihm ein und alte Freunde sagen sich von ihm los.
Diese Konflikte mit der deutschen Öffentlichkeit sind noch nicht abgeklungen, als Hesse durch eine Folge von Schicksalsschlägen in eine noch tiefere Lebenskrise gestürzt wird: Sein Vater stirbt am 8. März 1916. Hinzu kommt die schwere Gehirnhautentzündung seines zu jener Zeit dreijährigen Sohnes Martin und die ausbrechende Schizophrenie seiner Ehefrau. Hesse musste seinen Dienst bei der Gefangenenfürsorge unterbrechen und sich in psychotherapeutische Behandlung begeben.
Als Hesse 1919 sein ziviles Leben wieder aufnehmen kann, ist seine Ehe zerrüttet. Bei seiner Frau Mia ist zwischenzeitlich eine schwere Psychose ausgebrochen, aber auch nach ihrer Heilung sieht Hesse keine gemeinsame Zukunft mit ihr. Die Wohnung in Bern wird aufgelöst und die drei Jungen zwischenzeitlich bei Freunden untergebracht, der älteste Sohn Bruno bei seinem Malerfreund Cuno Amiet. Hesse selbst siedelt im April 1919 ins Tessin um. Er bezieht in Montagnola vier kleine Räume in der „Casa Camuzzi“, die in Hanglage oberhalb des Luganer Sees liegt. Von hier aus eröffnet sich dem Schriftsteller der weitläufige Blick über die Wald- und Gebirgslandschaft des Tessins. Hier kann sich Hesse wieder seiner schriftstellerischen Tätigkeit widmen und beginnt auf Anraten seines Arztes seine Probleme und Träume in Bildern zu verarbeiten.1)
Zunächst setzt sich Hesse mit verschiedenen Techniken der Malerei, wie Pastell, Kreide, Öl und Aquarell auseinander, entscheidet sich jedoch schnell für das Aquarell, das seiner Ausdrucksform am ehesten entspricht. Stilistisch stehen seine fantasievollen Bilder der Zwanziger Jahre noch sehr der kubistischen Analyse der Farbe und der Formen nahe. Schon bald entwickelt sich sein Stil jedoch immer stärker in eine expressive Richtung weiter. Bestärkt wird Hesse neben Cuno Amiet auch durch seinen Freund und Maler Louis Moillet, der 1914 gemeinsam mit August Macke und Paul Klee nach Tunis gereist war.
Die Motive, die Hesse auf seinen Wanderungen in der wunderbaren Natur der Alpen vorfindet, bannt er zunächst mit Bleistift auf seine Malunterlage, um sie dann mit leuchtenden, sorgsam abgestuften Aquarellfarben auszuschmücken. Parallel hält Hesse seine Gedanken in Schrift und Bild fest. „Ich liebe die schöne Natur, die Wälder Reben und Dörfer hier so sehr, dass ich sie immer wieder malen muss, bin auch ein klein wenig weiter gekommen. Aber es bleibt bis jetzt bei ganz einfachen landschaftlichen Motiven, weiter scheine ich nicht mehr zu kommen. Wie schön das andere alles ist, Lüfte und Tiere, bewegtes Leben […].“2)
Ein Mitbringsel seiner Wanderungen ist unser querformatiges Aquarell, dass eine Ansammlung von Häusern und eine Burg darstellt, die in die Wälder des Tessins eingebettet sind. In leuchtenden Blau– und Grüntönen wird ein frischer Sommertag auf das Papier gebannt. Hesse ist der Natur hierbei sehr frei gegenüber, die Komposition und die wesentlichen Formen sind jedoch genau studiert.
Seit der Übersiedlung des Literaturnobelpreisträgers in die Schweiz zeigen sich in Hesses Aquarellen das besondere Licht und die intensiven Farben der Landschaft seiner neuen Wahlheimat. „Meine kleinen Aquarelle sind eine Art Dichtungen oder Träume, sie geben von der ‚Wirklichkeit' bloß eine ferne Erinnerung und verändern sie nach persönlichen Gefühlen und Bedürfnissen […].“3)
Anmerkungen.:
1) Schon mitten im Ersten Weltkrieg fertigt Hesse Handschriften mit aquarellierten Vignetten an, die er zugunsten der Kriegsgefangenfürsorge an Sammler und Bücherfreunde verkauft.
2) Volker Michels (Hg.), „Hermann Hesse“, 1. Aufl., Frankfurt 1979, S. 191, in einem Brief vom 4.7.1922 an Cuno Amiet.
3) http://www.hermann-hesse.de/de/literatur/index-shop.htm, in einem Brief an Helene Welti, 1919.
Beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges meldet sich Hesse 1914 als Freiwilliger bei der deutschen Botschaft, wird jedoch für untauglich befunden und der deutschen Kriegsgefangenenfürsorge in Bern zugewiesen. Im Rahmen dieser Tätigkeit ist Hesse fortan damit beschäftigt, für deutsche Kriegsgefangene Bücher zu sammeln und zu verschicken. Er ist auch Mitherausgeber der „Deutschen Interniertenzeitung“ (1916/17), Herausgeber des „Sonntagsboten für die deutschen Kriegsgefangenen“ (1916–1919) und zuständig für die „Bücherei für deutsche Kriegsgefangene“.
Am 3. November 1914 veröffentlicht er einen Aufsatz in der „Neuen Zürcher Zeitung“, in dem er an die deutschen Intellektuellen appelliert, nicht in nationalistische Polemik zu verfallen. Was darauf folgt, bezeichnet Hesse später als eine große Wende in seinem Leben: Erstmals findet er sich inmitten einer heftigen politischen Auseinandersetzung wieder. Die deutsche Presse attackiert ihn, Hassbriefe gehen bei ihm ein und alte Freunde sagen sich von ihm los.
Diese Konflikte mit der deutschen Öffentlichkeit sind noch nicht abgeklungen, als Hesse durch eine Folge von Schicksalsschlägen in eine noch tiefere Lebenskrise gestürzt wird: Sein Vater stirbt am 8. März 1916. Hinzu kommt die schwere Gehirnhautentzündung seines zu jener Zeit dreijährigen Sohnes Martin und die ausbrechende Schizophrenie seiner Ehefrau. Hesse musste seinen Dienst bei der Gefangenenfürsorge unterbrechen und sich in psychotherapeutische Behandlung begeben.
Als Hesse 1919 sein ziviles Leben wieder aufnehmen kann, ist seine Ehe zerrüttet. Bei seiner Frau Mia ist zwischenzeitlich eine schwere Psychose ausgebrochen, aber auch nach ihrer Heilung sieht Hesse keine gemeinsame Zukunft mit ihr. Die Wohnung in Bern wird aufgelöst und die drei Jungen zwischenzeitlich bei Freunden untergebracht, der älteste Sohn Bruno bei seinem Malerfreund Cuno Amiet. Hesse selbst siedelt im April 1919 ins Tessin um. Er bezieht in Montagnola vier kleine Räume in der „Casa Camuzzi“, die in Hanglage oberhalb des Luganer Sees liegt. Von hier aus eröffnet sich dem Schriftsteller der weitläufige Blick über die Wald- und Gebirgslandschaft des Tessins. Hier kann sich Hesse wieder seiner schriftstellerischen Tätigkeit widmen und beginnt auf Anraten seines Arztes seine Probleme und Träume in Bildern zu verarbeiten.1)
Zunächst setzt sich Hesse mit verschiedenen Techniken der Malerei, wie Pastell, Kreide, Öl und Aquarell auseinander, entscheidet sich jedoch schnell für das Aquarell, das seiner Ausdrucksform am ehesten entspricht. Stilistisch stehen seine fantasievollen Bilder der Zwanziger Jahre noch sehr der kubistischen Analyse der Farbe und der Formen nahe. Schon bald entwickelt sich sein Stil jedoch immer stärker in eine expressive Richtung weiter. Bestärkt wird Hesse neben Cuno Amiet auch durch seinen Freund und Maler Louis Moillet, der 1914 gemeinsam mit August Macke und Paul Klee nach Tunis gereist war.
Die Motive, die Hesse auf seinen Wanderungen in der wunderbaren Natur der Alpen vorfindet, bannt er zunächst mit Bleistift auf seine Malunterlage, um sie dann mit leuchtenden, sorgsam abgestuften Aquarellfarben auszuschmücken. Parallel hält Hesse seine Gedanken in Schrift und Bild fest. „Ich liebe die schöne Natur, die Wälder Reben und Dörfer hier so sehr, dass ich sie immer wieder malen muss, bin auch ein klein wenig weiter gekommen. Aber es bleibt bis jetzt bei ganz einfachen landschaftlichen Motiven, weiter scheine ich nicht mehr zu kommen. Wie schön das andere alles ist, Lüfte und Tiere, bewegtes Leben […].“2)
Ein Mitbringsel seiner Wanderungen ist unser querformatiges Aquarell, dass eine Ansammlung von Häusern und eine Burg darstellt, die in die Wälder des Tessins eingebettet sind. In leuchtenden Blau– und Grüntönen wird ein frischer Sommertag auf das Papier gebannt. Hesse ist der Natur hierbei sehr frei gegenüber, die Komposition und die wesentlichen Formen sind jedoch genau studiert.
Seit der Übersiedlung des Literaturnobelpreisträgers in die Schweiz zeigen sich in Hesses Aquarellen das besondere Licht und die intensiven Farben der Landschaft seiner neuen Wahlheimat. „Meine kleinen Aquarelle sind eine Art Dichtungen oder Träume, sie geben von der ‚Wirklichkeit' bloß eine ferne Erinnerung und verändern sie nach persönlichen Gefühlen und Bedürfnissen […].“3)
Anmerkungen.:
1) Schon mitten im Ersten Weltkrieg fertigt Hesse Handschriften mit aquarellierten Vignetten an, die er zugunsten der Kriegsgefangenfürsorge an Sammler und Bücherfreunde verkauft.
2) Volker Michels (Hg.), „Hermann Hesse“, 1. Aufl., Frankfurt 1979, S. 191, in einem Brief vom 4.7.1922 an Cuno Amiet.
3) http://www.hermann-hesse.de/de/literatur/index-shop.htm, in einem Brief an Helene Welti, 1919.
Für weitere Informationen senden Sie bitte eine Email an: mail@ludorff.com