Josef Albers, Study for Homage to the Square: New Greens, 1963
Josef Albers
«Study for Homage to the Square: New Greens»
Öl auf Masonit ; 1963 ; 61 x 61 cm
Rückseitig signiert , datiert und betitelt
Provenienz:
Atelier des Künstlers; Sidney Janis Gallery, New York; Privatsammlung Stuttgart
Ausstellung:
The Washington Gallery of Modern Art, "Josef Albers. The American Years", Washington, D.C. 1965
Der 1888 in Bottrop geborene Künstler Josef Albers absolviert zwischen 1905 und 1908 eine Ausbildung zum Volksschullehrer. Fünf Jahre später beginnt er eine Weiterbildung zum Kunsterzieher an der Königlichen Kunstschule in Berlin, um anschließend ein Kunststudium in Essen und an der Münchener Akademie bei Franz von Stuck aufzunehmen.
1920 schreibt er sich am Bauhaus in Weimar ein. Das Werk des bis zu diesem Zeitpunkt gegenständlich arbeitenden Künstlers entwickelt sich von nun an, abgesehen von einigen Ausnahmen, in eine abstrakte Richtung. Nach Abschluss des Studiums übernimmt Albers 1925 – er ist der erste Studierende am Bauhaus, der nahtlos vom Lernenden zum Lehrenden avanciert – die Leitung der Werklehre an der soeben nach Dessau umgesiedelten Institution. Wenig später leitet er dort zudem die Möbelwerkstatt. Nach der Schließung des Bauhauses 1933 durch die Nationalsozialisten emigriert Albers in die USA und folgt im selben Jahr einem Ruf als Professor an das Black Mountain College in Asheville, North Carolina, ein Amt, welches er bis 1949 bekleidet. Von 1950-1959 ist er Direktor des Department of Design der Yale University School of Art in New Haven, zugleich arbeitet er als Gastdozent an zahlreichen Universitäten und Instituten in Amerika. 1976 verstirbt er in Orange, Connecticut.1)
1950 beginnt Albers die Serie „Homage to the Square“, die fortan im Zentrum seiner künstlerischen Tätigkeit steht und in die auch das hier vorliegende Gemälde „New Greens“ aus dem Jahre 1963 einzuordnen ist. Kompositorisch repetiert Albers in dieser Reihe der Huldigungen an das Quadrat ein immer gleich bleibendes Gestaltungsprinzip: er legt drei oder vier Quadrate unterschiedlicher Größenverhältnisse gestaffelt übereinander. Dabei ordnet er diese zwar zentriert an, verschiebt jedoch die Achse dem unteren Rand entgegen und malt sie verschiedenfarbig, in sich jedoch monochrom aus.
Obgleich die Bezeichnung der Serie den formalen Aspekt in den Vordergrund rückt, ist es doch im Grunde die systematische Auseinandersetzung mit der Farbe und deren Wirkungsweise, der das eigentliche Interesse des Künstlers gilt: Es geht um die Interaktion von nebeneinander liegenden Farben, deren Wirkung durch ihre Gegenüberstellung unendlich veränderbar sind. Das Zusammenspiel der Farben öffnet einen Bildraum, in dem die Variabilität der optischen Wahrnehmung in Abhängigkeit zur Quantität und Umgebung der Farbe konkretisiert und dem Betrachter vor Augen geführt wird: „Genauso wie von manchen Herren ‚Blondinen bevorzugt‘ werden, so hat jeder eine Vorliebe für bestimmte Farben und Vorurteile gegenüber anderen. Dies gilt auch für Farbkombinationen. Es scheint ganz gut zu sein, dass die Geschmäcker verschieden sind. So wie dies mit Menschen in unserem täglichen Leben ist, so auch mit der Farbe. Wir ändern, korrigieren oder revidieren unsere Meinung über Farbe, und diese Meinungsänderung kann hin- und herwechseln.“2)
Auch theoretisch setzt sich Josef Albers mit der Wahrnehmung der Farben, deren Relativität und Instabilität, auseinander. Im Jahre 1963 verfasst er „Interaction of color“, eine Publikation, die zu einem wichtigen Lehrbuch für die Erkundung der Farbe wird.
Albers gebraucht die Farben – in unserem Gemälde drei verschiedene Grüntöne – nie gemischt, sondern trägt sie direkt aus den industriell gefertigten Tuben auf die rauhe Oberfläche der Hartholzfaserplatten auf. Zudem notiert er auf der Rückseite der Bilder die verwendeten Farben, um ihre unterschiedliche Wirkung zu dokumentieren und nachvollziehbar zu machen. Der Titel „New Greens“ verweist darauf, dass, Albers in unserem Gemälde die drei benannten Grüntöne erstmalig verwendet hat. Auch wenn die selben Grüntöne in späteren Gemälden in unterschiedlicher Konstellation wiederkehren, handelt es sich bei jedem Gemälde des Künstlers um ein Unikat.

Anm.:
1) Vgl. Ingo F. Walther (Hg.), „Kunst des 20. Jahrhunderts“, Bd. II, Köln 1998, S. 683.
2) Josef Albers, zit. ebenda, Bd. I, S. 179.
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