Josef Albers
Bottrop, 1888 - 1976, Orange/Connecticut/U.S.A.
Josef Albers
«Study for Homage to the Square: Soft Pulse»
Öl auf Masonit ; 1962 ; 46 x 46 cm
Signiert mit dem Monogramm und "62" datiert
Rückseitig signiert, datiert, betitelt und handschriftlich mit detaillierten Angaben zu den verwendeten Farben bezeichnet
Provenienz:
Sidney Janis Gallery, New York, USA; Privatsammlung St. Louis, USA
Sidney Janis Gallery, New York, USA; Privatsammlung St. Louis, USA
„Meine Quadrate bewegen sich vor und zurück, inszenieren Abgänge und Auftritte, schrumpfen oder wachsen. Farbe ist das relativste Medium überhaupt. Ich kann das brillanteste Rot ersticken, indem ich es neben Violett setze. Neben Schwarz kann ich das dumpfeste Grau der Welt tanzen lassen.“1)
Der 1888 in Bottrop geborene Künstler Josef Albers absolviert zwischen 1905 und 1908 eine Ausbildung zum Volksschullehrer. Fünf Jahre später beginnt er eine Weiterbildung zum Kunsterzieher an der Königlichen Kunstschule in Berlin, um anschließend ein Kunststudium zunächst in Essen und später an der Münchener Akademie in der Klasse von Franz von Stuck aufzunehmen. 1920 schreibt er sich am Bauhaus in Weimar ein. Das Werk des bis zu diesem Zeitpunkt gegenständlich arbeitenden Künstlers entwickelt sich von nun an, abgesehen von einigen Ausnahmen, in eine abstrakte Richtung. Nach Abschluss des Studiums übernimmt Albers 1925 – er ist der erste Studierende am Bauhaus, der nahtlos vom Lernenden zum Lehrenden avanciert – die Leitung der Werklehre an der soeben nach Dessau umgesiedelten Institution. Wenig später leitet er dort zudem die Möbelwerkstatt. Nach der Schließung des Bauhauses 1933 durch die Nationalsozialisten emigriert Albers in die USA . Im selben Jahr folgt er einem Ruf an das angesehene Black Mountain College in Asheville, North Carolina, wo er bis 1949 als Professor lehrt. Von 1950 bis 1959 ist er Direktor des Department of Design an der Yale University School of Art in New Haven und arbeitet zugleich als Gastdozent an zahlreichen Universitäten und Instituten in ganz Amerika. 1976 stirbt der Künstler in Orange, Connecticut.2)
1950 beginnt Albers die Serie „Homage to the Square“, die fortan im Zentrum seiner künstlerischen Tätigkeit steht und in die auch das vorliegende Gemälde „Soft Pulse“ aus dem Jahre 1962 einzuordnen ist. Kompositorisch repetiert Albers in dieser Reihe der Huldigungen an das Quadrat ein immer gleich bleibendes Gestaltungsprinzip: er legt drei oder vier monochrome, verschiedenfarbige Quadrate unterschiedlicher Größe gestaffelt übereinander. Das zentrale Quadrat platziert er leicht unterhalb der Bildmitte, die anderen drei Quadrate verlaufen als äußere Rahmenlinien um dieses Zentrum herum. Dabei sind die Flächen von links nach rechts gelesen von gleicher Breite. Von unten nach oben gelesen, verbreitern sie sich jedoch und suggerieren eine Aufwärtsbewegung. In unserem Beispiel verwendet der Künstler ausschließlich Gelb- und Brauntöne, wobei er nie selbst hergestellte Farbabmischungen verwendet, sondern die Farbtöne direkt aus den industriell gefertigten Tuben auf die rauhe Oberfläche der Hartfaserplatten aufträgt. Zudem notiert er auf der Rückseite der Bilder die verwendeten Farben, um ihre unterschiedliche Wirkung zu dokumentieren und nachvollziehbar zu machen.
Obgleich man aufgrund des seriellen Arbeitens einen streng formalen künstlerischen Ansatz vermuten könnte, steht vielmehr die systematische Auseinandersetzung mit der Farbe an sich und ihrer Wirkungsweise im Vordergrund. Albers geht es vor allem um die Interaktion von nebeneinander liegenden Farbtönen, deren Wirkung durch die Kombination mit anderen Farben immer wieder aufs Neue variiert.
Auch theoretisch setzt sich Josef Albers mit der Wahrnehmung der Farben und ihrer Wirkungsmacht auseinander. Im Jahre 1963 verfasst er die viel rezipierte Schrift „Interaction of Color“, eine von der Yale University Press veröffentlichte Publikation, die bis heute zu den wichtigsten Lehrbüchern über Farbe gezählt werden kann.
Anm.:
1) Josef Albers Museum/Quadrat Bottrop: Alexej von Jawlensky und Josef Albers. Farbe. Abstraktion. Serie, hg. von Heinz Liesbrock, Ausst.-Kat., Bottrop 2010, S. 9/10.
2) Vgl. Ingo F. Walther (Hg.), „Kunst des 20. Jahrhunderts“, Bd. II , Köln 1998, S. 683.
Der 1888 in Bottrop geborene Künstler Josef Albers absolviert zwischen 1905 und 1908 eine Ausbildung zum Volksschullehrer. Fünf Jahre später beginnt er eine Weiterbildung zum Kunsterzieher an der Königlichen Kunstschule in Berlin, um anschließend ein Kunststudium zunächst in Essen und später an der Münchener Akademie in der Klasse von Franz von Stuck aufzunehmen. 1920 schreibt er sich am Bauhaus in Weimar ein. Das Werk des bis zu diesem Zeitpunkt gegenständlich arbeitenden Künstlers entwickelt sich von nun an, abgesehen von einigen Ausnahmen, in eine abstrakte Richtung. Nach Abschluss des Studiums übernimmt Albers 1925 – er ist der erste Studierende am Bauhaus, der nahtlos vom Lernenden zum Lehrenden avanciert – die Leitung der Werklehre an der soeben nach Dessau umgesiedelten Institution. Wenig später leitet er dort zudem die Möbelwerkstatt. Nach der Schließung des Bauhauses 1933 durch die Nationalsozialisten emigriert Albers in die USA . Im selben Jahr folgt er einem Ruf an das angesehene Black Mountain College in Asheville, North Carolina, wo er bis 1949 als Professor lehrt. Von 1950 bis 1959 ist er Direktor des Department of Design an der Yale University School of Art in New Haven und arbeitet zugleich als Gastdozent an zahlreichen Universitäten und Instituten in ganz Amerika. 1976 stirbt der Künstler in Orange, Connecticut.2)
1950 beginnt Albers die Serie „Homage to the Square“, die fortan im Zentrum seiner künstlerischen Tätigkeit steht und in die auch das vorliegende Gemälde „Soft Pulse“ aus dem Jahre 1962 einzuordnen ist. Kompositorisch repetiert Albers in dieser Reihe der Huldigungen an das Quadrat ein immer gleich bleibendes Gestaltungsprinzip: er legt drei oder vier monochrome, verschiedenfarbige Quadrate unterschiedlicher Größe gestaffelt übereinander. Das zentrale Quadrat platziert er leicht unterhalb der Bildmitte, die anderen drei Quadrate verlaufen als äußere Rahmenlinien um dieses Zentrum herum. Dabei sind die Flächen von links nach rechts gelesen von gleicher Breite. Von unten nach oben gelesen, verbreitern sie sich jedoch und suggerieren eine Aufwärtsbewegung. In unserem Beispiel verwendet der Künstler ausschließlich Gelb- und Brauntöne, wobei er nie selbst hergestellte Farbabmischungen verwendet, sondern die Farbtöne direkt aus den industriell gefertigten Tuben auf die rauhe Oberfläche der Hartfaserplatten aufträgt. Zudem notiert er auf der Rückseite der Bilder die verwendeten Farben, um ihre unterschiedliche Wirkung zu dokumentieren und nachvollziehbar zu machen.
Obgleich man aufgrund des seriellen Arbeitens einen streng formalen künstlerischen Ansatz vermuten könnte, steht vielmehr die systematische Auseinandersetzung mit der Farbe an sich und ihrer Wirkungsweise im Vordergrund. Albers geht es vor allem um die Interaktion von nebeneinander liegenden Farbtönen, deren Wirkung durch die Kombination mit anderen Farben immer wieder aufs Neue variiert.
Auch theoretisch setzt sich Josef Albers mit der Wahrnehmung der Farben und ihrer Wirkungsmacht auseinander. Im Jahre 1963 verfasst er die viel rezipierte Schrift „Interaction of Color“, eine von der Yale University Press veröffentlichte Publikation, die bis heute zu den wichtigsten Lehrbüchern über Farbe gezählt werden kann.
Anm.:
1) Josef Albers Museum/Quadrat Bottrop: Alexej von Jawlensky und Josef Albers. Farbe. Abstraktion. Serie, hg. von Heinz Liesbrock, Ausst.-Kat., Bottrop 2010, S. 9/10.
2) Vgl. Ingo F. Walther (Hg.), „Kunst des 20. Jahrhunderts“, Bd. II , Köln 1998, S. 683.
Für weitere Informationen senden Sie bitte eine Email an: mail@ludorff.com