Überblick Max Liebermann, Kleiner Lockenkopf – Maria Riezler, die Enkelin des Künstlers im Kinderwagen, 1918
Kleiner Lockenkopf – Maria Riezler, die Enkelin des Künstlers im Kinderwagen
Pastell auf Papier ; 1918 ; 12 x 18 cm
Signiert
Rückseitig eine Zeichnung der Enkelin mit ihrer Kinderfrau bei ersten Gehversuchen, eine Vorzeichnung für das thematisch gleiche Gemälde von 1919, s. Werkverzeichnis Eberle 1996 Nr.1919/26.
Expertise: Drs. Margreet Nouwen, Berlin
Provenienz:
Privatsammlung Süddeutschland
Ausstellung:
Galerie Ludorff, "Max Liebermann", Düsseldorf 2012
Liebermann-Villa am Wannsee, "Sommerausstellung", Berlin 2009
Galerie Ludorff, "Max Liebermann und Lesser Ury", Düsseldorf 2007
Literatur:
Galerie Ludorff, "Max Liebermann", Ausst.-Kat. Nr. 140, Düsseldorf 2012
Galerie Ludorff, "Max Liebermann und Lesser Ury", Kat. 121, Düsseldorf 2007
1909 kann Max Liebermann eines der letzten Seegrundstücke am Großen Wannsee in Berlin erwerben und lässt sich darauf ein Landhaus mit Atelier errichten. Die Sommerresidenz wird Liebermanns ländliches Refugium, in das sich der vielbeschäftigte Maler gerne zurückzieht.
Neben Gartenbildern entstehen während der Sommeraufenthalte eine Vielzahl von Skizzen, Pastellen und Gemälden, die das private Leben der Familie Liebermann am Wannsee veranschaulichen. Der kleine Kreis, bestehend aus Max Liebermann, seiner Ehefrau Martha und der Tochter Käthe, wird 1917 durch die Geburt der Enkeltochter Maria erweitert. In einer ganzen Serie von Bildern beobachtet Liebermann die Entwicklung seiner Enkeltochter und hält die Natürlichkeit und das unbefangene, in sich selbst versunkene Spielen fest.
Bei unserem Pastell handelt es sich um eine spontane und farbfrische kleine Studie, in der Liebermann seine Enkelin aus unmittelbarer Nähe darstellt. Sie sitzt dem Betrachter zugewandt, scheint aber etwas Interessanteres als den Künstler zu erspähen und lässt ihren Blick nach rechts aus dem Bild schweifen. Die kleine Maria trägt ein helles Kleid, der Oberkörper ist nur angedeutet. Die feinen, kupferfarbenen Locken umspielen das kleine Gesicht. Mit grünen Pastelltönen setzt Liebermann zeichnerische Akzente und deutet den Garten im Hintergrund an, welchen die Enkelin pausbäckig und mit wachen Augen erkundet. Ihren rechten Arm hat sie ausgestreckt und sie scheint mit ihrer Hand etwas greifen zu wollen. Liebermann gibt in dieser Pastellzeichnung eine Momentaufnahme mit wenigen Strichen wieder. Die weichtonigen Flächen und die milde, helle Farbigkeit verleihen dem Blatt einen leichten, fast schwerelosen Ausdruck.
Die Momentaufnahme Marias kann als Vorstudie für das „Bildnis der Enkelin im Kinderstuhl mit Apfel und Ball“ und „Die Enkelin im Kinderwagen nach rechts“ (Eberle 1918/22 und 1918/23) gelten.1)
Liebermann ist als Zeichner von ungewöhnlicher Schaffenskraft: Er hat nicht nur ein sehr umfangreiches, sondern auch ein sehr vielfältiges Werk auf diesem Gebiet hinterlassen. Er benutzt den Bleistift, die Feder, die schwarze und die weiße Kreide, die Kohle; selten greift er zum Aquarellpinsel, häufiger zum Pastellstift. „Als Pastellist hat Liebermann vor allem das Zarte und Feine, das Elegante und Graziöse seiner Natur ausgebildet, weil die Technik der Darstellung des gefällig Weichen weit entgegenkommt.“2)
Das Motiv des Kindes begleitet Liebermann über sein ganzes künstlerisches Schaffen hinweg. Schon bei seinen frühen Hollandaufenthalten stellt er Bauernkinder und Waisenmädchen dar. Später folgen die badenden Jungen, die er beim sommerlichen Vergnügen im Meer festhält. Allerdings „die schönsten Kinderbilder, die Liebermann gemalt hat, sind die, deren Modell die Tochter des Künstlers gewesen ist und die späten Kinderbilder, auf denen seine Enkelin dargestellt ist“.3)

Anm.:
1) A ktueller Forschungsstand des Werkverzeichnisses der Pastelle von Drs. Margreet
E . Nouwen
2) Karl Scheffler, „Max Liebermann“, München 1922, S. 195.
3) Ebenda, S. 114.
Für weitere Informationen senden Sie bitte eine Email an: mail@ludorff.com