Überblick Renée Sintenis, Galoppierendes Fohlen, 1929
Galoppierendes Fohlen
Bronze ; 1929 ; 15 x 0 cm
Signiert mit dem Monogramm am rechten Hinterbein außen und unter dem Bauch "13" nummeriert
Provenienz:
Galerie Alfred Flechtheim, Düsseldorf; Deutsche Kunstausstellung, Zagreb (1931); Privatsammlung Schweden (seit 1931)
Ausstellung:
Georg-Kolbe-Museum/Kulturgeschichtliches Museum/Ostdeutsche Galerie/Galerie im Alten Rathaus/Leopold-Hoesch-Museum, "Renée Sintenis – Plastiken, Zeichnungen, Druckgraphik", Berlin/Osnabrück/Regensburg/Friedberg/Düren 1983/84
Haus am Waldsee, "Renée Sintenis – Das plastische Werk, Zeichnungen, Graphik", Berlin 1958
Hamburger Kunsthalle, "Deutsche Bildhauer der Gegenwart", Hamburg 1940
Museum of Modern Art, "Modern German Painting and Sculpture", New York 1932
Deutsche Kunstgesellschaft e.V., "Große Deutsche Kunstausstellung in Belgrad und Zagreb", Zagreb 1931
Literatur:
Ursel Berger/Günter Ladwig (Hg.), "Renée Sintenis - Das plastische Werk", Berlin 2013
Britta E. Buhlmann, "Renée Sintenis – Werkmonographie der Skulpturen", Darmstadt 1987
Georg-Kolbe-Museum, "Renée Sintenis - Plastiken, Zeichnungen, Druckgraphik", Ausst.-Kat., Berlin 1983
Harald Seiler, "Bildwerke der Gegenwart", Hannover 1967
Franz Roh, "Geschichte der Deutschen Kunst von 1900 bis zur Gegenwart – Malerei, Plastik, Architektur", München 1958
Senator für Volksbildung/Haus am Waldsee, "Renée Sintenis - Das plastische Werk, Zeichnungen, Graphik", Ausst.-Kat., Berlin 1958
Hanna Kiel, "Renée Sintenis", Berlin 1956
Rudolf Hagelstange/Carl Georg Heise/Paul Appel, "Renée Sintenis", Berlin 1947
Paul Appel, "Renée Sintenis", Berlin 1947
Hanna Kiel, "Renée Sintenis", Berlin 1935
Museum of Modern Art, "Modern German Painting and Sculpture", New York 1932
René Crevel, "Renée Sintenis", Paris 1930
René Crevel/Georg Biermann, "Renée Sintenis", Berlin 1930
Kunst und Künstler 27, 1929
Die am 20. März 1888 in Glatz/Schlesien geborene Renate Alice Sintenis zählt wohl zu den bedeutendsten Vertreterinnen der von Männern dominierten Bildhauerei des 20. Jahrhunderts. Als Ausnahmeerscheinung gehört sie zu jener Generation, die sich zu Beginn des Jahrhunderts ganz bewusst gegen die Auftragsbildhauerei entscheidet, um sich stattdessen dem freien, individuellen Ausdruck im Medium der Plastik zu widmen. Obwohl der Übergang zur freischaffenden Künstlerin nicht bruchlos verläuft, beginnt 1915 der berufliche Aufstieg. Es gelingt ihr sich und ihre Kunst von der kommerziellen Produktion sogenannter »Ladenbronzen« abzugrenzen, indem sie – nach Vorbild August Gauls – Plastiken begrenzter Auf­lagen auf den Markt bringt, um deren Exklusivität und Rarität zu betonen.1 Diese Abgrenzung vom bestehenden Markt für Kleinplastiken sowie die Spezialisierung auf Tiermotive, die damals weitaus größere Resonanz als ihre früheren Aktstatuetten finden, führen zu der starken Profilierung und dem einschneidenden Erfolg der Künstlerin. Die Motivation zur Gestaltung von Tieren, die fortan zum Hauptmotiv ihres gesamten Werkes werden, liegt dabei in ihrer ganz persönlichen Verbundenheit zur Natur. Aufgewachsen im kleinstädtischen Neuruppin, wird die Künstlerin seit ihrer Kindheit von einer ländlich geprägten Welt beeinflusst, in der sie Zuflucht bei den Tieren findet. Nach der konzentrierten und unvoreingenommenen Beobachtung entstehen aus geschmeidigen Materialien wie Wachs und Gips die Modelle für spätere Bronzegüsse. Unter ihren Händen formen sich bewegte Plastiken, die die den Tieren ureigenen Instinkte und Reflexe zum Ausdruck bringen.
Seit den zwanziger Jahren entstehen bis zum Ende ihrer Schaffenszeit immer wieder Darstellungen von Pferden, die in den verschiedensten Aktionen gezeigt werden und innerhalb der Tierplastiken einen eigenen Schwerpunkt bilden. In unserem Werk »Galoppierendes Fohlen« zeigt Renée Sintenis ein junges Pferd in vollem Lauf, den Kopf nach vorne gereckt und die Hinterläufe nach hinten auswerfend. Die bewegte Haltung, voller Anspannung, lässt förmlich die Geschwindigkeit spüren. Das Besondere an dieser Plastik ist auch ihre ausgezeichnete Provenienz: Nachdem Sintenis’ Galerist Alfred Flechtheim die Bronze in seiner Düsseldorfer Galerie ausgestellt hatte, wurde sie 1931, also schon kurz nach der Fertigstellung, auf den Deutschen Kunstausstellungen in Belgrad/Zagreb verkauft und befand sich seit diesem Zeitpunkt in Familienbesitz. Die Oberfläche des Pferdchens wirkt durch die starke Durchbildung der Bronze bewegt und die warme, rötlich braune Patina verleiht der Plastik einen warmen Ausdruck. Durch die stilisierte Form versucht die Künstlerin den lebendigen Charakter des Tieres zu offen­baren. Die Bildhauerin erklärt ihre Herangehensweise wie folgt: »Eines nur habe ich, und zwar den Tieren gegenüber sehr früh gewusst: Jedes Tier soll man in der ihm eigenen Schönheit entwickeln, dann gibt man ihm Erfüllung des Daseins, das Glück seines Lebens, die Beteiligung, die im Leben selber ruht, und die wir verlernt oder vergessen haben zu erfühlen.»2

1 Vgl. Ursel Berger/Günter Ladwig (Hg.), »Renée Sintenis – Das plastische Werk«, Berlin 2013, S. 13f.
2 Vgl. Britta E. Buhlmann, »Renée Sintenis. Werkmonographie der Skulpturen«, Darmstadt 1987, S. 53.
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