Überblick Renée Sintenis, Grasendes Fohlen, 1919
Grasendes Fohlen
Bronze ; 1919 ; 9 x 9 x 4 cm
Signiert mit dem Monogramm unter dem Bauch
Gießerstempel: H. Noack, Berlin auf der Bauchunterseite
Provenienz:
Privatsammlung Rheinland
Ausstellung:
Suermondt-Museum, "Deutsche Kunst im 20. Jahrhundert - Malerei und Plastik aus Privatbesitz", Aachen 1967
Haus am Waldsee, "Renée Sintenis - Das plastische Werk, Zeichnungen, Graphik", Berlin 1958
Galerie Alfred Flechtheim, "Marie Laurencin/Renée Sintenis", Berlin 1925
Literatur:
Gustav Eugen Diehl, "Renée Sintenis", Berlin o.J.
Britta E. Buhlmann, "Renée Sintenis - Werkmonographie der Skulpturen", Darmstadt 1987
Ernst Günther Grimme, "Deutsche Kunst im 20. Jahrhundert - Malerei und Plastik aus Privatbesitz", Ausst.-Kat. Suermondt-Museum, Aachen 1967
Senator für Volksbildung/Haus am Waldsee, "Renée Sintenis - Das plastische Werk, Zeichnungen, Graphik", Ausst.-Kat., Berlin 1958
Hanna Kiel, "Renée Sintenis", Berlin 1956
Rudolf Hagelstange/Carl Georg Heise/Paul Appel, "Renée Sintenis", Berlin 1947
Hanna Kiel, "Renée Sintenis", Berlin 1935
Kunst und Künstler 28, 1930
René Crevel/Georg Biermann, "Renée Sintenis", Berlin 1930
Galerie Alfred Flechtheim, "Marie Laurencin/Renée Sintenis",Ausst.-Kat., Berlin 1925
"Der Querschnitt 2", 1922
Renate Alice Sintenis wird am 20. März 1888 in Glatz/Schlesien geboren. Wann sie sich für die kürzere, französische Variante ihres Namens Renée entscheidet – vielleicht auch als Reminiszenz an ihre französischen Vorfahren – lässt sich rückblickend nicht mehr in Erfahrung bringen. Der Schauplatz ihrer Kindheit ist das kleinstädtische Neuruppin. Hier eröffnet sich dem jungen Mädchen eine ländlich geprägte, liebliche Welt mit herumtollenden Haus- und Hoftieren, die später Eingang in ihr künstlerisches Schaffen finden werden. Nach einer Station in Stuttgart siedelt die Familie schließlich nach Berlin über, wo Renée Sintenis von 1908 bis 1912 die Kunstgewerbeschule besucht. Obwohl der Übergang zur freischaffenden Künstlerin nicht bruchlos verläuft, beginnt um 1915 der berufliche Aufstieg und Sintenis wird 1931 in die Preußische Akademie der Bildenden Künste aufgenommen.
Hatte Sintenis sich zunächst auch in der Malerei ausbilden lassen, entdeckt sie doch nach kurzer Zeit ihre Vorliebe für die Bildhauerei, die fortan im Mittelpunkt ihres Interesses liegt. Das Herausschlagen der Form aus einem Stein mit Meißel und Hammer entspricht dabei jedoch nicht ihrer künstlerischen Intention. Sie ist weniger Bildhauerin als Plastikerin, die aus weichen, geschmeidigen Materialien wie Wachs und Gips die Modelle für spätere Bronzegüsse formt. Direkt unter ihren Händen findet das Werk gleichsam seinen Ausdruck und seine Form.1)
Neben einzelnen Portraits und etlichen Aktdarstellungen ist es vor allem die Tierdarstellung – meist von Pferden, Eseln, Elefanten und Hunden – die der Künstlerin besonders am Herzen liegt und die sich wie ein roter Leitfaden durch ihr künstlerisches Œuvre zieht.
Unsere Bronzeplastik „Grasendes Fohlen“ aus dem Jahr 1919 zeigt ein junges Fohlen, dessen Kopf auf der Suche nach Futter zum Boden geneigt ist. Seine Haltung ist dabei anmutig und die Statur äußerst naturgetreu nachempfunden. Auch durch die Oberflächenbehandlung der Bronze, deren Patina an manchen Stellen goldbraun aufleuchtet, wirkt die Plastik sehr lebendig und das Fohlen strahlt Anmut und innere Ruhe aus. Allen Tierdarstellungen gehen ausführliche Beobachtungen des Naturvorbildes und exakte Bewegungsstudien voraus. Sie sind zurückzuführen auf Reneé Sintenis' Bestreben, die individuellen Eigenschaften der einzelnen Tiere hervorzuheben. So schrieb die Bildhauerin: „Eines nur habe ich, und zwar den Tieren gegenüber sehr früh gewusst: Jedes Tier soll man in der ihm eigenen Schönheit entwickeln, dann gibt man ihm Erfüllung des Daseins, das Glück seines Lebens, die Beteiligung (sic!), die im Leben selber ruht, und die wir verlernt oder vergessen haben zu erfühlen.“2)

Anm.: 1) Vgl. Britta E. Buhlmann, „Renée Sintenis. Werkmonographie der Skulpturen“, Darmstadt 1987, S. 39.
2) Renée Sintenis zit. in: Ebd. S. 53.
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