Überblick Renée Sintenis, Sich kratzender Hund, vor 1935
Sich kratzender Hund
Bronze ; vor 1935 ; 7 x 0 cm
Signiert mit dem Monogramm auf der Rückseite und auf der Unterseite mit dem Gießerstempel "H. Noack Berlin" versehen
Provenienz:
Privatsammlung Berlin
Literatur:
Ursel Berger/Günter Ladwig (Hg.), "Renée Sintenis – Das plastische Werk", Berlin 2013
Britta E. Buhlmann, "Renée Sintenis – Werkmonographie der Skulpturen", Darmstadt 1987
Hanna Kiel, "Renée Sintenis", Berlin 1935
»Sie schafft, als gälte es, einen verwaisten Garten Eden neu zu bevölkern«.1 Renate Alice Sintenis wird am 20. März 1888 in Glatz/Schlesien geboren. Wann sie sich für die kürzere, französische Variante ihres Namens Renée entscheidet – vielleicht auch als Reminiszenz an ihre französischen Vorfahren – lässt sich rückblickend nicht mehr in Erfahrung bringen. Als Ausnahmeerscheinung gehört sie zu jener Generation, die sich zu Beginn des Jahrhunderts ganz bewusst gegen die Auftragsbildhauerei entscheidet, um sich stattdessen dem freien, individuellen Ausdruck im Medium der Plastik zu widmen. Obwohl der Übergang zur freischaffenden Künstlerin nicht bruchlos verläuft, beginnt 1915 der berufliche Aufstieg. Im Jahr 1915 bietet sich der Künstlerin die Möglichkeit in der Berliner Secession auszustellen, wodurch sie Zugang zur Berliner Kunstszene erhält. Es folgen mehrere Ausstellungen in der Galerie Flechtheim und ab 1925 ist Sintenis fester Be­­standteil der wichtigsten Künstlerkreise in Berlin. 1931 wird Sintenis an die Preußische Akademie der Künste berufen. Dort unterrichtet sie bis 1955, jedoch aufgrund des Zweiten Weltkriegs mit Unterbrechungen.
Schon von klein auf übt die Tierwelt eine große Faszination auf die Künstlerin Renée Sintenis aus, die sie ihr ganzes Leben lang begleitet. Nachdem Sintenis ihr Studium der Bildhauerei in Berlin beendet hat, richtet sie das Hauptaugenmerk ihrer künstlerischen Tätigkeit auf die Fauna und erschafft so ein wahres Bestiarium. Neben einzelnen Portraits und Aktdarstellungen ist es vor allem die Tierdarstellung – meist von Pferden, Eseln und Hunden – die der Künstlerin besonders am Herzen liegt und die sich wie ein roter Faden durch ihr künstlerisches Oeuvre zieht. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Tiere unverstellt, ihrem ganz eigenem Naturell nach zu beleben und damit unerwartet lebendige Skulpturen zu schaffen – so auch unseren kleinen Schnauzer.
Er ist gerade dabei, sich zu kratzen und ringt um Haltung, um nicht umzufallen. Die Pose wirkt alles andere als statisch und man meint, eine lebensechte, wenn auch verkleinerte Kopie, vor sich zu haben. Die Oberfläche des Hundes wirkt durch die starke Durchbildung der Bronze bewegt und die intensive, rötlich braune Patina verleiht der Plastik einen warmen Ausdruck. Durch die stilisierte Form versucht die Künstlerin den lebendigen Charakter des Tieres zu offenbaren. Die Bildhauerin erklärt ihre Herangehensweise wie folgt: »Eines nur habe ich, und zwar den Tieren gegenüber sehr früh gewusst: Jedes Tier soll man in der ihm eigenen Schönheit entwickeln, dann gibt man ihm Erfüllung des Daseins, das Glück seines Lebens, die Beteiligung, die im Leben selber ruht, und die wir verlernt oder vergessen haben zu erfühlen.«2

1. Paul Appel, »Künstler unserer Zeit«, Berlin 1947, S. 8.
2. Vgl. Britta E. Buhlmann, »Renée Sintenis. Werkmonographie der
Skulpturen«, Darmstadt 1987, S. 53.
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